Auf Gorch Focks Spuren: Ein Ewer für die Ostseeschule

Dean Schmieder (12) begrüßte die Gäste mit der Schiffsglocke auf der  'Providentia'. Foto: Dewanger
Dean Schmieder (12) begrüßte die Gäste mit der Schiffsglocke auf der "Providentia". Foto: Dewanger

Finkenwerder "Providentia" von 1895 wird das neue Schulschiff / Präsentation für Eltern und Sponsoren

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19. Dezember 2012, 06:17 Uhr

Flensburg | Der Mann sagt es mit leiser Selbstironie: "Man muss nicht verrückt sein, um so etwas zu tun, aber es hilft ungemein." Uli Dehn hat bereits eine (Ostsee-) Schule gegründet, gestern kam das Schulschiff hinzu. An der winterlich verwaisten Brücke der Robbe & Berking-Werft im Industriehafen liegt ein historischer Zweimaster, der ein in der Schullandschaft wohl einzigartiges Projekt darstellt: HF 42 "Providentia", ein 117 Jahre alter Finkenwerder Hochsee-Fischkutter.

Gestern wurde die 29 Meter lange alte Dame Schülern, Lehrern, Eltern, Sponsoren und Förderern in Flensburg präsentiert. Und Dehn machte ihnen allen Mut. "Wenn nicht 2013, so doch im folgenden Jahr wollen wir auf der Providentia segeln."

In den letzten sechs Monaten haben Schüler, Lehrer und Eltern (in professioneller Begleitung) schon kräftig in die Hände gespuckt. Der Ewer - letzter seiner Art - wurde nach der Übernahme in der Egernsunder Jonsson-Werft leergeräumt, gereinigt, kalfatert, geschliffen und gestrichen. Damit führte die Schulmannschaft das Werk des letzten Eigentümers Matthias Betzold fort, der das Schiff 1993 aus Schweden zurückholte und seither Unmengen von Zeit und Geld hineingesteckt hatte, um den historisch bedeutsamen Hochseekutter wieder in einen gepflegten Originalzustand zu überführen.

Die Ostseeschule hat im Frühsommer das letzte Staffelholz auf dieser Strecke übernommen. Dehn weiß um die Ehrgeizigkeit dieses Projektes, das einzig und allein durch Sponsoring ermöglicht wurde. Aber für ihn war es im pädagogischen Konzept der Ostseeschule fast zwingend. "Wassersport ist Teil unseres Konzeptes. Und es war von Beginn an mein Traum, ein großes Schiff zu haben für das Segeln über längere Zeit."

Wenn "Providentia" fertig ist, soll sie mit zahlenden Gästen Geld verdienen und den Schülerinnen und Schülern der siebten bis neunten Klassen seemännische Erfahrungen vermitteln. "In der schulischen Arbeit ist für diese Jahrgänge die Ergänzung durch konkrete Vorhaben vorgesehen, die Fertigkeiten und Kompetenzen stärken", so Dehn bei seiner Ansprache in der werfthalle. Diese Anforderung sei durch das Schiff mehr als erfüllt. "Wir werden alles tun, damit ihr in eurer Schulzeit noch in See stechen könnt!" versprach er den tatkräftigen Schülerinnen und Schülern.

Oberbürgermeister Simon Faber ist einer der vielen Paten dieses Projektes. Es sei ideal für hervorragendes Team-Building, meinte der mit Blick auf die vielen Kutter-Kids in den blauen Overalls mit dem Aufdruck HF 42. "Pädagogische Projekte und Projektplanung sind besser als Frontalunterricht. Ich habe in meiner Schulzeit als Projekt einen Strauß aus Pappmachee gebastelt. Das hier ist schon eine Spur anspruchsvoller."

Ein herzliches Willkommen gab es auch von den Nachbarn des Museumshafen Flensburg. Gerd Büler, "Chefarchivar" der Traditionssegler, befand zwar, der Kutter sei mehr ein Schiff für die Nordsee. Aber man müsse dankbar sein, dass die einzigartige Provdentia hier in Flensburg in der Jugendarbeit gelandet sei. Ein wunderbares Schiff, um in dieser diskussionsfreudigen Zeit die einzig wahre Autorität kennenzulernen. "Mit der Naturgewalt kannst Du nämlich nicht diskutieren".

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