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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 04:33 Uhr

Regatta-Cracks : Auf die harte Tour

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburg als Ruhepunkt: Thomas und Abby Ehler tanken auf der Westlichen Höhe Kraft für das Volvo-Ocean-Race

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 07:30 Uhr

Noch einmal tief durchatmen. Flensburger Luft. Keine drei Wochen mehr und Abby Seager-Ehler und ihr Ehemann Thomas Ehler springen dann doch noch einmal auf den großen Formel 1-Zirkus Volvo-Ocean-Race. Und Junior Harley (3) springt mit. Am 11. Oktober startet im spanischen Alicante die neunmonatige Welttournee, im Garten von Schwester und Schwägerin Sabine Ehler an der Wrangelstraße steht für alle noch einmal ein bisschen familiäre Erdung auf dem Programm.

Das Ocean-Race hat die 37-jährige Schottin und den 44-jährigen Flensburger zusammengebracht. Am 9. Juni 2002 vor dem Yachthafen des Kieler Yachtclubs. Da war für Abby Seager an Bord der „Amer Sports Too“ die Strapaze gerade zu Ende. Für Ehler, der auf einem Schlauchboot half, die Yachten einzuweisen, war es Liebe auf den ersten Blick, als er Abby erspähte. Die Auserwählte benötigte freilich noch ein wenig für diese Erkenntnis, sie hatte Thomas gar nicht wahrgenommen. Der erste Blick- und Herzenskontakt plus Zündfunke folgte erst ein halbes Jahr später. Zufällig, auf einer Grillparty in Sydney.

Zwölf Jahre danach ist das Paar weltweit für den Hochleistungssegelsport unterwegs – zuletzt arbeiteten beide in der Land-Logistik des America’s Cup. Aber als Abby die Einladung des schwedischen SCA-Teams bekam, wurde sie schwach. Thomas musste sich schnell einen Job in größtmöglicher Nähe zu seiner Frau suchen. Praktischerweise wurde er beim Veranstalter fündig – im Hafenmanagement des über zehn Etappen führenden Rennens. In dieser Position ist es ihm möglich, Abby einmal (im Starthafen Alicante) Lebewohl und neun Mal Willkommen zu winken: in Kapstadt, Abu Dhabi (Arabische Emirate), Sanya (China), Auckland, Itajai (Brasilien) nach der Kap-Hoorn-Umrundung, Newport (USA), Lissabon, Lorient, Den Haag und Göteborg.

Zwischen Start und Ziel wird Abby fast 39 000 Seemeilen zurückgelegt haben, was etwas mehr als 72 000 Kilometern entspricht – allerdings nicht auf einem entspannten Langstreckentörn, auf dem man mal richtig die Seele baumeln lässt, sondern im Vollgas-Modus auf dem härtesten Langstreckenrennen der Welt. „Der Vergleich mit der Formel 1 ist eigentlich falsch gewählt“, sagt Ehler. „Das Volvo-Ocean-Race entspricht mehr der Rallye Paris-Dakkar – nur deutlich länger.“

Warum tut sie das nur? „Ich hatte die Entstehung des diesjährigen Volvo-Ocean-Race schon seit 2013 im Auge“, sagt Abby Seager-Ehler. Es ist eine sehr ambitionierte und Konkurrenz-betonte Serie von Rennen. Als SCA Interesse signalisierte, wusste ich: Das war es, was ich wollte.“ Die Bedingungen waren einfach zu verlockend. Im Vergleich mit ihrem letzten Volvo-Race hatten sich die Bedingungen entscheidend verändert. 2002 siegte triumphal die deutsche „Illbruck“. Abby landete mit ihrer Frauencrew auf Amer Sports Too auf dem siebten und letzten Platz. Damals gingen unterschiedliche Boote an den Start. „Wir hatten das Reserveboot der Männer-Crew. Dieses Mal segeln alle identische Yachten.“

Dafür nimmt die Tri-Athletin einiges in Kauf. Neun Monate ohne Privatleben in den kältesten, windigsten und widrigsten Winkeln der Welt. „Die Yachten sind seither nicht komfortabler geworden“, sagt Abby. „Du teilst deine Koje mit jemand anderem, du isst dehydriertes Essen mit selbst hergestelltem Wasser, und dein Löffel hat auf der anderen Seite Zinken.“ Wenn sich jemand bei der Raserei verletzt, wird von den „medicals“ an Bord die Notfall-Klinik in Southampton online geschaltet.

Sie wird nichts Persönliches mitnehmen. Erstens gibt’s dafür keinen Platz. Zweitens lenkt es ab. Ein iPod mit ihrer Lieblingsmusik muss reichen. Sohn Harley wird es während dieser drei Monate mit drei gleichaltrigen Jungen zu tun haben. „Es sind noch zwei andere Mütter auf dem Boot, und die Jungs verstehen sich prima“, sagt Abby. „Wir nennen sie die drei Musketiere“, sagt Papa Thomas, der sich wie Schwester Sabine in den nächsten Monaten intensiv mit Harley beschäftigen wird. Angst um Abby? Hat er nicht. Wo er ist, laufen rund um die Uhr alle Informationen zusammen. Das Wichtigste aber: Die Boote sind andere als noch vor zwölf Jahren. „Da sind viele neue Erkenntnisse eingeflossen. Es ist immer noch Extremsegeln. Aber es ist viel sicherer geworden.“

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