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Jugendclub in Flensburg : Auf dem Weg zum Traumjob

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der neue Jugendclub in Flensburg bietet Talenten die Chance, Theaterstücke selbst zu erarbeiten und auf der Bühne zu präsentieren.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Die Stimmung im Ballettsaal ist heiter und gelöst. 20 Jugendliche haben einen „Namenskreis“ gebildet. Namen wie „Catwoman“, „Spiderman“ oder „Superman“ geistern durch den Raum. Entsteht hier gerade ein Marvel-Comic? Keineswegs. Der neue Theaterjugendclub probt. Es geht von Beginn an turbulent zu. „Zum Aufwärmen gibt es immer kleine gruppendynamische Spiele“, erläutert Theaterpädagogin Janina Wolf (33).

Die Jungs und Mädchen können sich vor Lachen kaum halten, als sie statt der richtigen Namen nur noch die von Superhelden und Kindheitsfiguren wie Winnetou oder Winnie Puh an ihre Mitspieler vergeben. In den wöchentlichen Treffen werden ihnen bei den Gruppenspielen und zum Teil halsbrecherischen Körperübungen erste Grundlagen des Theaterspiels vermittelt. Bis zu den Herbstferien gab es eine Findungsphase, in der man sich besser kennen gelernt hat.

Ins Leben gerufen wurde die Gruppe zu Schuljahresbeginn. „Das Konzept entwickeln wir mit den Jugendlichen gemeinsam“, sagt Konrad Schulze. „Wir wollen ihnen keinen Text überstülpen.“ Mehrere, selbst erarbeitete Szenen werden schließlich das Stück am Ende der Spielzeit ergeben – mit Unterstützung von „richtigen“ Schauspielern und einer Regieassistentin. Es kann zwischen 45 und 75 Minuten lang sein. Eine Abfolge von Szenen, denen kein Drehbuch zugrunde liegt. Episoden, die man zusammensetzt und für die man einen roten Faden sucht. Ein Prozess von Probe zu Probe. Es gibt auch Hausaufgaben, Leistungsdruck sucht man hingegen vergeblich.

„Es geht nicht nur darum, die Jugendlichen neugierig auf das Theater zu machen“, sagt Konrad Schulze (31), ebenfalls Theaterpädagoge, „wir geben ihnen darüber hinaus die Möglichkeit, aktiv auf der Bühne zu stehen und etwas zu präsentieren.“ Später werden sich die Neigungen, einmal professionell auf der Bühne zu stehen, vertiefen – oder auch nicht. Für diejenigen, die darin einen Traumjob sehen, geht es meist weiter mit einem Praktikum am Theater. Die begabtesten entscheiden sich unter Umständen dafür, eine Schauspielschule besuchen. Aber: Der Weg ist hart und erfordert neben Talent sehr viel Ausdauer.

Olga (17) ist begeistert vom Jugendclub: „Ich finde es gut, dass wir so viel Einfluss auf den Inhalt haben“. Ihr Interesse am Theater stammt noch aus früheren Zeiten: „Mit meiner Familie habe ich oft Aufführungen gesehen.“ Auf der Efterskole in Dänemark, die sie zuletzt besucht hat, habe Musik und Schauspiel eine große Rolle gespielt.

Janina Wolf ist sehr angetan von dem Engagement der Jugendlichen: „Aus den Jungs und Mädchen ist enorm viel rauszuholen.“ Vorkenntnisse seien nicht nötig, „Trotzdem ist es schön, dass wir dieses Jahr viele Musiker und Tänzer dabei haben.“ Deutlich spürbar sei, dass in vielen Flensburger Schulen das Fach „Darstellendes Spiel“ unterrichtet werde. Im Unterschied etwa zu Schleswig oder Rendsburg; dort existieren Theaterjugendclubs schon etwas länger. „Wir hatten dort bereits tolle Aufführungen“, erinnert sich Konrad Schulze. So habe er einer Gruppe einmal die Kurzgeschichte „Das traurige Ende des Austernjungen“ von Regisseur Tim Burton gegeben. „Dazu sollten sie sich Gedanken machen und diese bildlich auf der Bühne darstellen.“

Umgesetzt wurden auch Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung oder Schönheit. Eine Schleswiger Gruppe etwa, die sich im Laufe der Zeit auf zwei Darstellerinnen reduzierte, hat ein Stück mit selbst geschriebenen Monologen, Video-Einspielungen und eingearbeiteten Interviews in einem Kino aufgeführt. Es geht darum, wie man sich abgrenzen kann von den Ansprüchen, die an unsere Körper gestellt werden. Also um den ganz normalen Wahnsinn. Die beiden Protagonisten besuchen eine Disco. Es ist heiß – die Stimmung „aufgesext“. Titel des Stücks, ganz lakonisch: „Was nützt mir mein Abitur, wenn ich scheiße aussehe.“

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