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Serie: Wo Flensburg wächst : Auf dem Weg zum neuen Südstadt-Kiez

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die südöstliche Altstadt könnte zum „In“-Viertel werden

Es könnte einmal so etwas wie Flensburgs Südstadt-Kiez werden. Als Verbindung von der Innenstadt zum Campus-Quartier Sandberg ist das Viertel zwischen Bahndamm und Hafermarkt zunehmend geprägt von einem jungen, bunten und studentischen Milieu.

Als Gunnar Carlsson 1998 die Peco-Höfe zwischen Angelburger und Heinrichstraße kaufte und mit der Sanierung begann, war das noch ganz anders – Flensburg hatte nicht die Hälfte der heute fast 10  000 Studierenden. Einen Campus gab es noch nicht, die Bildungswissenschaftliche Uni lehrte in Stadionnähe.

Einer wie Carlsson (71) braucht einen langen Atem. Rund um die historischen Peco-Höfe hat der Architekt nach und nach eine große Zahl von Gebäuden mit Liebe zu Detail und Geschichte restauriert – Gebäudeteil für Gebäudeteil, Etage für Etage. Die schönste Fassade hat er sich bis zum Schluss aufgehoben. Der Angler Hof, einst bekanntes Restaurant mit großem Saalbetrieb, ist an der Front ohne die ursprünglichen Erker an den Fenstern noch unfertig. Carlsson will die ehemalige Gaststätte erst zu Ende sanieren, wenn der Betreiber feststeht und die Gastronomie-Nutzung.

Die Innenhofseite dagegen ist bereits saniert. Den alten Saal auf der Südseite hat der Architekt abgerissen. Damit hat er Licht für das an die Wirtschaftsakademie (WAK) vermietete Gebäude geschaffen, aber auch einen stilvollen Hof für Außengastronomie: „Ich träume davon, dass man hier eine Gastronomie schafft mit Bistro und Tagescafé in der Nachmittagssonne“, sagt Carlsson. WAK, IHK, Handwerkskammer, AOK oder IKK: In Fußentfernung zu den Peco-Höfen residiert viel potenzielle Kundschaft.

Kaffeetrinken in den alten Höfen von Peco-Kaffee macht sozusagen sogar historisch Sinn – wobei der Blick auf das sogenannte Wandmacher-Gebäude des alten Kontorhauses Angelburger Straße 74 auch an die Rum- und Spirituosengeschichte des Hofes erinnert. In den oberen Geschossen des Lagerhauses sind einige der mehr als 20 Wohnungen entstanden, die Carlsson hier – neben Gewerbe- und Büronutzung – hier insgesamt geschaffen hat. Sogar die alten Krananlagen des Fabrikgebäudes lassen sich noch herausfahren.

„Das hat sich alles so nach und nach ergeben“, sagt Gunnar Carlsson und lacht. Wenn der Nachbar nicht mitzieht, stoße man sonst schnell an Grenzen. Er erinnert an die über Jahre schwarzgeteerte Wand an der Rückseite der alten Druckerei an der Heinrichstraße. Heute gehört die frühere Druckerei Clasen auch der Familie Carlsson – hier hat im vergangenen Jahr unter anderem ein Bioladen eröffnet. Und die schwarze Wand ist ebenso verschwunden. Die Salami-Taktik, Stück für Stück mit der Sanierung voranzukommen, ist für den Architekten aufgegangen.

Noch ist allerdings nicht alles fertig. Die beiden Ladenlokale Angelburger Straße 76 sollen einmal so liebevoll restauriert werden wie der Laden von Lotto- und Tabakhändler Dirk Ludwigsen nebenan – mit Original-Holztüren und passenden Schaufenstern. Auch in den Höfen des kleinen Carlsson-Imperiums gibt es noch einiges zu tun.

Wie das Quartier sich insgesamt entwickelt, hängt auch von den großen Projekten ab. Das Jepsen-Karree zwischen Bahndamm und Viktoriastraße gehört jetzt dem Selbsthilfe-Bauverein (SBV) und wird erst langfristig überplant. „Zur Angelburger Straße und dem Jepsen-Karree haben wir in der nächsten Woche einen ersten internen Workshop. Da wollen wir die Grundlagen schaffen. Danach bereiten wir in Ruhe die Planungen konkreter vor“, verriet der gestern verabschiedete SBV-Chef Raimund Dankowski diese Woche. Der jetzige Eigentümer der Firma Jepsen habe einen Mietvertrag einschließlich der Produktion bis mindestens 2019. „Bis dahin wird es keine größeren Bauaktivitäten geben – nach jetzigen Stand.“

Nicht nur für die Konsumenten im Viertel, sondern auch für das Erscheinungsbild des Quartiers wird die Entwicklung des Hafermarkt-Komplexes von großer Bedeutung sein: „Um einen attraktiven Standort zu schaffen, werden zur Zeit die Gestaltungsmöglichkeiten erstellt“, sagt Ralf Busch von Densch & Schmidt dazu. Die Abstimmung mit der Stadt nehme einen positiven Verlauf. Nicht alle im Viertel sehen das so positiv – und hoffen auf einen Neubau statt einer bloßen Erweiterung oder zumindest eine komplett neue gestaltete Fassade.

Mehr hochwertiger Wohnraum entsteht ohnehin im Viertel – zunächst am Ballestieg mit 28 Wohnungen, und der FAB hat am unteren Sandberg bereits die Planung für 40 neue Wohnungen vorgestellt.

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erstellt am 03.Jul.2017 | 16:25 Uhr

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