Glücksburg : Auf dem Bremsberg soll gebaut werden

Mögliches Bauland auf dem Bremsberg: Die Konsulkoppel und die Wasserkoppel. Das Land gehörte einem Kartoffelbauern.
Mögliches Bauland auf dem Bremsberg: Die Konsulkoppel und die Wasserkoppel. Das Land gehörte einem Kartoffelbauern.

Investoren stehen bereit, um in Glücksburg weiteren Wohnraum zu schaffen.

shz.de von
30. Juni 2018, 12:00 Uhr

Glücksburg | Gleich in seiner ersten Sitzung hatte der neu konstituierte Bauausschuss von Glücksburg über ein wichtiges Thema abzustimmen. Die vorerst letzten beiden Flächen, die die Stadt noch in Bauland umwandeln kann, standen zur Diskussion. Es handelt sich um die Konsulkoppel und die Wasserkoppel auf dem Bremsberg. Eigentümer sind seit 2015 und in Teilen auch davor die Brüder Thorsten und Jan Rehling, Söhne des pensionierten Flensburger Uni-Professors Uwe Rehling. Das Land gehörte ursprünglich in wesentlichen Teilen einem Kartoffelbauern.

Die beiden Investoren hatten eine Woche vor der Sitzung die neun Mitglieder des neuen Bauausschusses zu einer Begehung eingeladen. Alle waren laut Thorsten Rehling gekommen. Die Rehlings wollen das Gebiet in Eigenregie entwickeln. Dafür benötigen sie für die Konsulkoppel Änderungen im Flächennutzungs- sowie im Bebauungsplan. Auf der Konsulkoppel sollen auf 1,5 Hektar 19 Baugrundstücke entstehen.

Mit acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung erhielten sie die Zustimmung des Ausschusses nach zäher Diskussion. In deren Verlauf bot Bürgermeisterin Kristina Franke einen Infoabend über Wärmegewinnung an. „Das Chaos ist groß“, befand sie angesichts des unterschiedlichen Kenntnisstandes der Diskutierenden.

Manfred Demuth vom Planungsbüro Pro Regione, der mit der Bauleitplanung für die Konsulkoppel betraut ist, bemerkte, dass er „nicht den Oberlehrer“ geben wolle. Dennoch belehrte er die Anwesenden hinsichtlich der 1,6 Hektar großen Wasserkoppel über den üblichen Ablauf. „Noch vor dem ersten Entwurf ist ein Aufstellungsbeschluss zu fassen“, meinte er. Dieser wurde schließlich mit sechs Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen gegeben. Die Rehlings wollen nun einen Vorentwurf gestalten. Gedacht sei auch an eine Investition in E-Mobilität, sagte Thorsten Rehling.

Viele Bedenken hatte Stadtvertreter und Nicht-mehr-Bauausschuss-Mitglied Werner Kiwitt. Die von ihm geleitete Einrichtung „artefact“, eine Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu den diskutierten Neubaugebieten. Während der Diskussion um die Wasserkoppel verließen sowohl Kiwitt als auch Partnerin und Stadtvertreterin Gyde Diederich wegen Befangenheit den Saal.

Zuvor hatte Kiwitt wie schon bei den vorhergehenden Baugebieten auf dem Bremsberg, Klein- und Groß Bremsberg, ein einheitliches Wärmekonzept gefordert. Er denke an „kalte Nahwärme“. Dieser Begriff sagte dem neuen Ausschuss-Leiter Axel Sager (bürgerliches Mitglied von Bündnis 90/Grüne) nichts. „Ich tendiere eher zum Passivhaus mit Südausrichtung“, meinte er. Er schlug eine Verschiebung der Abstimmung vor.

Thorsten Rehling stellte daraufhin eine Verteuerung der Grundstücke in Aussicht. „Das wäre schlecht für junge Familien und die möchte die Stadt doch“, argumentierte er sinngemäß. Bürgermeisterin Kristina Franke sprach von einer unverhältnismäßigen Härte gegenüber den Investoren, würde man die Wahl der Energieversorgung vorschreiben. Jeder baue energiesparend, schon aus Kostengründen, ergänzte Martin Clausen (CDU).

Am Ende fielen alle Entscheidungen erwartungsgemäß aus. Was die Wasserkoppel betrifft, prophezeite Manfred Demuth jedoch weiteren Gesprächsstoff. Weil das Grundstück direkt an das Gelände von „artefact“ grenzt, seien Emission und Lärm zu prüfen. Dabei gelte es, die Interessen der Einrichtung zu wahren. „Sie war zuerst da“, so Demuth.

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