Eishalle Gletscher : Auch Zuschauen kostet Geld

Die Eissporthalle „Gletscher“ kurz vor der deutsch-dänischen Grenze: An der neuen Regelung soll trotz des Protests festgehalten werden.
Die Eissporthalle „Gletscher“ kurz vor der deutsch-dänischen Grenze: An der neuen Regelung soll trotz des Protests festgehalten werden.

Seit Beginn dieser Saison verlangt der „Gletscher“-Betreiber in Wassersleben den vollen Eintrittspreis für Begleitpersonen.

shz.de von
21. Januar 2015, 11:15 Uhr

Flensburg | Seit Anfang November drehen kleine und große Schlittschuh-Fans wieder ihre Runden in der Eissporthalle „Gletscher“. Wo auch sonst? Der Winter hat sich schon verabschiedet, bevor er gekommen ist – und so ist die Eisfläche in Wassersleben alternativlos, begehrt und immer gut gefüllt.

Auch Sandra Hansen macht sich auf den Weg – im Schlepptau ihre Tochter Michelle, Bruder Holger und dessen Freundin Maria mit der kleinen Julietta. Die 12-jährige Michelle hat zu Weihnachten erst Schlittschuhe bekommen und freut sich darauf, sie endlich ausprobieren zu dürfen. Doch dazu soll es gar nicht erst kommen.

Als die Gruppe am vergangenen Sonntag erwartungsvoll die Halle betritt, folgt die Ernüchterung schon an der Kasse. Zunächst weisen zwei Schilder darauf hin, dass das Mitnehmen von Speisen und Getränken verboten ist. Schließlich gibt es ein Bistro, in dem man all das bekommt. Bis auf Maria haben alle ihre Schlittschuhe dabei, sie selbst kann wegen Knieproblemen nicht dabei sein. Sie möchte sich lediglich auf eine Bank setzen, das Geschehen von außen betrachten und gedanklich ihre Pirouetten drehen. „Dann aber verlangt die Mitarbeiterin an der Kasse von ihr 5,50 Euro Eintritt, den vollen Preis für Erwachsene“, schildert Sandra Hansen. Die Stimmung wird frostig. Sie empfindet die Forderung als „eine Frechheit“.

Früher, das weiß sie aus eigener Erfahrung, durften Begleitpersonen kostenlos mit hinein. Aus gutem Grund, sagt die Mutter, schließlich gebe es genug Eltern, die ihre Kinder bei den ersten Versuchen auf Schlittschuhen begleiten wollten. Und schnell vor Ort sein, wenn Hilfe benötigt wird. „Das ist ohne familiäre Aufsicht doch viel zu gefährlich, vor allem, wenn es so überfüllt ist, wie hier am Wochenende.“

Doch alles Protestieren nützt nichts. Die Kassiererin ist angewiesen, das Geld zu kassieren und lässt sich partout nicht erweichen. Da verlassen die verhinderten Eisläufer enttäuscht die Halle. „Die Kinder waren natürlich super traurig“, sagt Sandra Hansen, „aber wir wollten uns so etwas nicht gefallen lassen.“ Ein Obolus von einem Euro, okay, das wäre vielleicht zu akzeptieren gewesen, finden die Flensburger. Mehr nicht.

Ronny Wilke ist Managerin der Eissporthalle „Gletscher“. Und sie wirbt um Verständnis für die neue Maßnahme. „Wir haben uns entschlossen, den Eintritt für Begleitpersonen zu Beginn der Saison einzuführen, weil die Situation nicht mehr kontrollierbar gewesen ist.“ Es sind die berühmten „schwarzen Schafe“, die dafür verantwortlich sind. Menschen also, die unter Vortäuschung falscher Tatsachen gratis in die Halle gelangen und dann klammheimlich in einer schlecht einsehbaren Ecke ihre Schlittschuhe aus dem Rucksack holen.

„Gerade am Wochenende und bei der Eis-Disco am Freitag konnten wir das nicht mehr überblicken“, sagt Ronny Wilke und verweist darauf, dass auch in anderen öffentlichen Freizeiteinrichtungen wie dem „Fun Park“, dem „Sumsum“ oder in Schwimmbädern Eintritt erhoben werde, unabhängig davon, ob man aktiv werde oder lediglich zuschaue.

Eltern, die nicht zahlen wollten, könnten ihre Kinder unbesorgt in der Halle abliefern und wieder abholen; es sei immer ausreichend Aufsichtspersonal vor Ort. „Wir haben jahrelang ein Auge zugedrückt, denn die meisten Besucher sind ehrlich – aber auch, wenn sich jetzt einige darüber ärgern, werden wir unser Vorgehen nicht ändern.“

In der Tat: Die Familie Hansen ärgert sich – nach wie vor. Sie empfindet den Eintritt für Zuschauer schlicht als „Wucher“ und will um den „Gletscher“ künftig einen weiten Bogen machen.

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