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Partygänger dürfen nicht ins Max : Asylbewerber von Flensburger Disco abgewiesen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vier jungen Leuten aus dem Kosovo wird der Eintritt ins „Max“ verweigert. Die Geschäftsführung hat eigenen Angaben zufolge kein Problem mit ausländischen Partygängern.

Flensburg | Sie kommen aus dem Kosovo – und wollten das Flensburger Nachtleben kennen lernen. Doch die erhoffte Tanznacht blieb aus. Den vier jungen Leuten im Alter von 21 bis 27 Jahren blieb der Eintritt in die Flensburger Discothek „Max“ verwehrt. Ohne Angabe von Gründen schickten Türsteher die Asylbewerber wieder fort, obwohl diese sich ausweisen konnten.

Edmund* war unmittelbarer Zeuge des Vorfalls, der sich am Sonnabend vor einer Woche zutrug. Der 18-Jährige ist in Flensburg geboren und aufgewachsen. Da er kosovarische Wurzeln hat und die Sprache beherrscht, kümmert er sich um die vier Flüchtlinge aus dem „Armenhaus Europas“ mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern – einem Zwergstaat, der wirtschaftlich am Abgrund steht. „Ich helfe ihnen bei Behördengängen und Formalitäten, übersetze, wenn es nötig ist“, sagt der Schüler des 12. Jahrgangs. „Sie fühlen sich hier sehr allein.“ Er schildert, wie die katastrophale soziale Lage, das schlechte Gesundheitssystem, Korruption, Kriminalität und eine erschreckend hohe Jugendarbeitslosigkeit sie in den hohen Norden Deutschlands verschlagen hat. Sie hoffen auf das Paradies. Wohl wissend, dass ihre Aussichten auf Asyl hier verschwindend gering sind.

Als sie an jenem Abend die Schiffbrücke entlang schlendern, macht Edmund den Vorschlag, lieber nicht zu fünft in der Discothek aufzutauchen. Das, meint er, könnte die Türsteher verschrecken und ihre Chancen minimieren. „Alle auf einmal, das dürfte problematisch werden“, man habe ja schon einiges gehört. Also teilt die Gruppe sich auf.

Es ist noch nicht spät in der Nacht, kein Engpass am Einlass. Edmund zeigt seinen Führerschein als Altersnachweis, die Türsteher akzeptieren. Doch seine beiden Begleiter, die ihren Aufenthaltstitel – ein von der Stadt ausgestelltes Dokument mit Lichtbild und persönlichen Daten – vorlegen, werden abgewiesen. „Das wird nix“, sei ihnen kurz und bündig erklärt worden. Warum? Edmund zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung.“ Einer der Türsteher habe gemeint, Foto und Person seien nicht identisch. „Doch das war eindeutig vorgeschoben.“

Den anderen beiden Kosovaren ergeht es wenig später nicht anders. Sie dürfen nicht hinein. Nach Mitternacht macht Edmund erneut einen Versuch, diesmal allein. Es klappt. „Drinnen“, sagt er, „war es noch relativ leer. An Überfüllung kann es also kaum gelegen haben.“ Er selbst habe das Verhalten als durchaus ausländerfeindlich empfunden. „Es war mir sehr unangenehm.“

Sebastian Fremgens, Geschäftsführer vom „Max“ und „Phono“, will diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. Über den Fall an sich kann er nichts sagen, wohl aber darüber, wie man es schaffe, das Lokal seit jetzt zehn Jahren relativ konfliktfrei zu halten. Es gehe um eine ausgewogene Mischung, und dafür sei es notwendig, bereits am Eingang sensibel zu selektieren. „Die Türsteher müssen oft im Bruchteil von Sekunden entscheiden“, sagt er. „Wir setzen auf deren Fingerspitzengefühl.“ Ganz sicher gehe es nicht darum, Menschen mit Migrationshintergrund auszuschließen. „Wir haben einen Anteil an ausländischen Gästen von etwa 30 Prozent“, sagt Fremgens, „bei Blackbeat Partys sogar wesentlich mehr. Das ist Multikulti bei uns. Selbst bei den Türstehern.“

Man spürt, dass der Disco-Chef dieses Themas überdrüssig ist, zumal er sich mit derlei Klagen nicht das erste Mal herumschlagen muss. Er verweist in diesem Kontext auf eine Regelung, die er mit der Stadt Flensburg ausgearbeitet hat (Auszug siehe Info-Box), und die in seinen Lokalen und im Internet einsehbar ist. Wer Probleme habe, dürfe sich jederzeit mit ihm in Verbindung setzen. „Bei uns“, versichert Fremgens, „sind alle Nationalitäten willkommen.“


*Name von der Redaktion geändert

Regelung für Türsteher und Wachpersonal

Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz dürfen Besucher im „Max“ und „Phono“ nicht aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Ethnie, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder ihrer sexuellen Identität am Zutritt zu einer Diskothek gehindert werden. Gleichwohl steht es den Türstehern (...) zu, Personen unter bestimmten Bedingungen den Zutritt zu verweigern und Kontrollen durchzuführen:
 

• Aggressiven oder betrunkenen Personen wird grundsätzlich kein Zutritt gewährt.


• Waffen- und/oder Drogenbesitz schließen einen Zutritt aus.


• Bei Überfüllung der Räumlichkeiten und aus Gründen der Sicherheit kann der Zutritt verweigert werden.


• Bei auffällig negativem individuellem Gesamteindruck kann der Zutritt verweigert werden.


• Ein für bestimmte Veranstaltungen vorgegebenes Erscheinungsbild der Gäste kann dazu führen, dass der Zutritt verweigert wird.


• Vorgegebene Altersbegrenzungen sind zu beachten und nachzuweisen.


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erstellt am 03.Mär.2015 | 08:15 Uhr

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