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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 09:15 Uhr

Uni Flensburg : Arroganz als erste Fremdsprache

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Interaktiver Vortrag im Audimax: Peter Modler zeigt Frauen die Kunst des Machtspiels in männlichen Domänen.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 11:00 Uhr

Flensburg | Eine wichtige Sitzung der Führungsebene des Unternehmens steht bevor. Frau geht in den Konferenzraum, setzt sich zügig ins Auditorium und wartet. Mann beginnt hingegen die Kommunikation schon an der Türschwelle. Jeder weiß von jedem: Wer bleibt wo stehen, wer redet wie laut, wer grüßt wen mit einem Schulterklopfen? Für Männer spiele der Inhalt der Kommunikation oft erst dann eine Rolle, wenn Rang und Revierfragen geklärt seien, sagt Peter Modler. Bei Frauen indes gelte das „vertikale Kommunikationssystem“; sie finden das Gehabe überflüssig, redeten eher auf Augenhöhe, achteten darauf, welche Worte tatsächlich gesagt werden. Frauen begingen damit einen Fehler, wenn sie diesen Mitteilungen nicht zuhörten und nur das eigene Kommunikationssystem gelten ließen.

Als Unternehmensberater (seit 1998) und mit Erfahrungen als Geschäftsführer und Prokurist von Firmen hat Modler, Jahrgang 1955, die „Machtspiele zwischen Männern und Frauen im Arbeitskontext“ erlebt. Am Dienstag wird er unter diesem Titel in einem interaktiven Vortrag im Audimax seine Beobachtungen teilen, typische Situationen inszenieren und diskutieren mit dem Publikum.

„Was da abläuft“, sei ihm bewusst geworden während seines Lehrauftrags für die Universität Freiburg. Auf die Vorlesungen waren die weiblichen Studenten vorbereitet, erzählt Modler, während jeder dritte männliche Student Unsinn redete – allerdings, ohne ein Problem damit zu haben. Die Damen ließen die Dummschwätzer gewähren. Modler fragte sich, warum lasst ihr euch das gefallen, nannte sein erstes Trainingselement „Wie stoppe ich Vielschwätzer“ und bot Seminare an.

Die heißen heute zum Beispiel „Arroganz-Training für weibliche Führungskräfte“ oder „Chefin sein. Chef sein. Was man braucht, um Mitarbeiter zu führen“ und sind flott ausgebucht. Für jene Seminare engagiert der promovierte katholische Theologe einen Sparring-Partner – einen Studenten zum Beispiel. Der werde hereingebeten, wenn es um eine konkrete Situation geht, die nachgestellt werden soll. Der Statist werde nicht vorbereitet, er reagiert spontan, die Damen sehen ihn nur einmal und nie wieder.

Modler sagt, er wundere sich noch immer, wie das funktioniert; neun Jahre mache er das nun schon. Das Verhaltensrepertoire in Konfliktsituationen sei nicht sehr groß, schließt Modler. Nach vier Jahren sei sein Verlag auf ihn zugekommen, und er habe „Das Arroganz-Prinzip“ geschrieben. Ebenso wundert ihn, welche „gigantischen Dimensionen“ das Interesse daran angenommen habe.

Der Vater zweier Töchter arbeite sehr viel mit weiblichen Führungskräften und stellt fest, dass viele hervorragend ausgebildete Frauen beklagten, dennoch keine Karriere zu machen. Sie schilderten, wie sie häufig in Sitzungen unterbrochen oder gar nicht erst angehört würden. Der Leidensdruck sei groß, sagt der Coach. Ihm liege daran, dass die deutsche Wirtschaft effizienter arbeite und das ginge nicht ohne Frauen, begründet der Unternehmensberater seinen Antrieb. „Wenn Frauen im Beruf erfolgreich sein wollen, müssen sie anders kommunizieren. Sie müssen das Spiel der Männer nicht großartig finden, aber sie müssen wissen, nach welchen Regeln es funktioniert, wenn sie mitspielen wollen“, sagt er. „Es geht nicht um moralische Urteile, sondern um den gezielten Einsatz einer Fremdsprache.“

 

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 28. Januar, um 18.30 Uhr im Audimax auf dem Flensburger Campus. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Um Anmeldung wird gebeten unter balve.verena@stadt.flensburg.de

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