Arnold soll weg: FH sucht Nachfolger

Als der Kanzler noch Pläne hatte: Klaus Arnold bei der Präsentation der Baupläne des Maritimen Zentrums der FH. Foto: <strong>jbo</strong>
Als der Kanzler noch Pläne hatte: Klaus Arnold bei der Präsentation der Baupläne des Maritimen Zentrums der FH. Foto: jbo

shz.de von
02. März 2011, 06:20 Uhr

Flensburg | Eigentlich wird sich für Klaus Arnold nicht viel ändern. Denn seit im vergangenen Frühjahr Vorwürfe der Veruntreuung öffentlicher Gelder auftauchten, ist der Kanzler der Fachhochschule nicht mehr an seinen Arbeitsplatz an der Kanzleistraße 91 - 93 zurückgekehrt. Seinerzeit war ihm die Ausübung seiner Dienstgeschäfte vorläufig untersagt worden, wogegen Arnold seinerseits geklagt hatte. Nach Angaben von Arnolds Anwalt Dietrich Schenke liege in dieser Sache immer noch kein Urteil vor, auch zwei Monate nach der mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig. Doch vieles spricht dafür, dass das 26. Kanzlerjahr auch das letzte für den dienstältesten Verwaltungsleiter einer schleswig-holsteinischen Hochschule ist. Klaus Arnold amtiert in der FH Flensburg seit 1985.

Auf der Internetseite der Fachhochschule www.fh-flensburg.de ist mittlerweile nämlich die Stelle des Kanzlers zum 1. Juni 2011 (Besoldungsgruppe A 15) öffentlich ausgeschrieben - inmitten einer größeren Zahl von Ausschreibungen - und gleich hinter dem Gesuch nach einem Beauftragten für Qualitätsmanagement. Am 26. März endet die Bewerbungsfrist.

Der Kanzler werde für sechs Jahre in ein Beamtenverhältnis auf Zeit berufen, heißt es dort weiter. Das war auch bei Arnolds letzter Wiederwahl 2006 nicht anders - woraus der Kanzler, der derzeit nicht arbeiten darf, den Schluss gezogen hat, dass seine Amtszeit erst am 28. Februar 2012 endet - also mit Ablauf der sechs Jahre dauernden Wahlperiode.

Im Kieler Wissenschaftsministerium, das sich der delikaten Flensburger Personalie angenommen hat, seitdem in Flensburg auch der Staatsanwalt die Untreuevorwürfe gegen Arnold prüft, sieht man die Rechtslage indes anders. Am 28. April vollendet Arnold nämlich das 65. Lebensjahr. "Dann hat er seine gesetzliche Altersgrenze erreicht", bestätigte gestern Ministeriumssprecher Harald Haase. In Paragraf 35 des Landesbeamtengesetzes ist dies so vorgesehen. Eine Verlängerung ist demnach nur mit dem Segen des Ministeriums möglich. Doch im Lichte der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ist dies kaum denkbar. Haase bestätigte gestern, dass das juristische Verfahren trotz der Neubesetzung weiterlaufe: "Erst strafrechtlich, dann zivilrechtlich", sagte der Sprecher. Offenbar erwägen Ministerium und Fachhochschule auch Schadenersatzforderungen gegen den Alt-Kanzler. Indes gab dessen Anwalt Schenke gestern zu Protokoll, er kenne lediglich eine Schadensberechnung, die in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft aufgestellt worden sei. Eine formale Schadenersatzforderung jedoch sei ihm nicht bekannt.

Bei den Vorwürfen gegen Noch-Kanzler Arnold geht es unter anderem um ein externes Callcenter, das die FH mehr als zwei Jahre beauftragt hatte, um außerhalb der Bürozeiten für Studieninteressierte erreichbar zu sein. Dabei wurden nicht nur vergleichsweise hohe Kosten für geringe Nutzungsquoten beklagt - die Rede war von 20 000 Euro bei Anruferzahlen im zweistelligen Bereich pro Jahr. Ins Zentrum der Vorwürfe war zugleich Arnolds Frau Michaela gerückt. Die Verwaltungsangestellte der FH war mit einer Heimarbeitsgenehmigung wiederum Auftragnehmerin jener Telefongesellschaft, die die Anfragen beantworten sollte.

Nach Angaben Schenkes betreffen weitere Vorwürfe eine von Arnold in FH-Nähe angemietete Wohnung, die später die FH für Gäste übernommen habe, einen für 2500 Euro von Arnold für die FH angeschafften Magnet-Kompass aus Messing sowie einen 6000 Euro umfassenden Sozialfonds, mit dem einem in wirtschaftliche Not geratenen Mitarbeiter geholfen worden sei. Alle erhobenen Vorwürfe seien ohne Grundlage.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen