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Große Auszeichnung : Arne Jansen: Echo-Jazz für einen Buten-Flensburger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Gitarrist Arne Jansen erhält Donnerstag in Hamburg den Echo Jazz für das Album „The Sleep of Reason“.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2014 | 17:30 Uhr

Flensburg/Hamburg | Ein Blick auf die anderen Preisträger zeigt, in welche Klasse Arne Jansen mittlerweile spielt. Echo-Jazz im Bereich Trompete: Till Brönner. Klavier: Joachim Kühn. Gitarre international: Pat Metheny. Gitarre national: Arne Jansen. Zum ersten Mal wird der aus Flensburg stammende Musiker mit diesem vielleicht wichtigsten deutschen Jazz-Preis ausgezeichnet. Auf die große Gala am Donnerstag auf Kampnagel in Hamburg freut er sich seit Tagen.

Zuvor ist bei Arne Jansen jedoch Oper angesagt. In Glyndebourne ist seine Frau Helen beim Opernfestival als Pianistin dabei; das bedeutet, dass Jansen die sechs Monate alte Tochter Frieda hütet. Er genießt die Idylle in der südenglischen Landschaft und kann sogar mit der Musik etwas anfangen.

Anlass für die Auszeichnung der Phono-Industrie ist das 2013 bei Act erschienene Album „The Sleep of Reason“. Die Musik schrieb er nach einem mehrstündigen Besuch im berühmten Museum Prado in Madrid, wo er auf die Bilder des Malers Goya stieß, die ihn derart fesselten, dass er sich Tage und Wochen danach mit ihnen beschäftigte und letztlich ein komplettes Album im Geiste Goyas schrieb und aufnahm.

Er erinnert sich wie heute daran: „Ich war in der Abteilung für Goya und Velasquez. Hatte mir die Bilder angeschaut, die Goya als Hofmaler des Königs gemalt hatte. Kam um die Ecke und sah die sogenannten schwarzen Gemälde.“ Und die hauten ihn fast um. Die schiere Größe der Bilder, die düsteren Farben, die verzerrten Gesichter der Menschen. „Sehr stark abstrahiert, unfassbar modern für die Zeit ihrer Entstehung“, sagt er.

„Ich war drei Stunden in diesem Raum.“ Später hat er mit der Goya-Expertin des Prado gesprochen und mehrere Bücher gelesen. „Mit diesen Bildern hat er eine Wahrheit über das menschliche Dasein ausgedrückt.“ Arne Jansen las alles, was er über Goya finden konnte. Wieder in Berlin, begann er, unter dem noch lebendigen Eindruck der Bilder Songs als eine Ode an Goya zu schreiben. Umso mehr freut er sich, dafür jetzt den Echo zu erhalten.

Arne Jansen, der wie viele andere Musiker seine ersten Jazz-Erfahrungen in der Bigband des Alten Gymnasiums gemacht hat, ging schon 1996 zum Studieren nach Berlin. Zu seinen aktuellen Projekten zählt die Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Katja Riemann; in „Winter – ein Roadmovie“ kombinieren sie Bearbeitungen aus Schuberts „Winterreise“ mit Heinrich Heines Opus magnum „Deutschland. Ein Wintermärchen“ zu einem lyrisch-musikalischen Gesamtkunstwerk. Jansen ist außerdem Gitarrist in der Band von Nils Wülker, dem neben Till Brönner bedeutendsten deutschen Jazz-Trompeter.

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