zur Navigation springen

Archäologische Sensation bei Gelting entdeckt

vom

Auf einer landwirtschaftlichen Fläche im äußersten Nordosten des Kreises wurden bei Ausgrabungen die Reste von 2000 Jahre alten bäuerlichen Behausungen germanischer Siedler gefunden - eine Entdeckung, die bislang in Schleswig-Holstein einzigartig ist.

Nieby | Einsam hinter den Knicks versteckt liegt im Außenbereich der Dorfes Nieby unweit der Geltinger Birk und der Ostsee eine bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche - die sich nun allerdings unvermutet als eine besonders wertvolle archäologische Fundstelle entpuppt hat. Grabungsleiterin Cornelia Lübke (33) vom Landesamt für Vor- und Frühgeschichte in Schleswig hat mit ihrem Team in den zurückliegenden neun Wochen geradezu spektakuläre Spuren aufgedeckt. Auf dem 150 mal 80 Meter großen Areal in der Gemarkung Westerfeld ist zur Überraschung aller Experten eine sensationelle Entdeckung gemacht worden: "Wir haben zum ersten Mal in Schleswig-Holstein Siedlungsreste von zwei Bauernhöfen aus der vorrömischen Eisenzeit gefunden", berichtet die Archäologin.

Bislang seien derartige 2000 Jahre alte bäuerliche Behausungen von germanischen Siedlern lediglich aus Dänemark bekannt. Die Wissenschaftler hierzulande hatten lediglich Vermutungen über derartige Niederlassungen, jedoch keine Beweise. Dass es nun aber überhaupt zu einem solchen Zufallstreffer kommen konnte, hängt mit einem aktuellen Vorhaben des Wasser- und Bodenverbandes Beverö (Geltinger Birk) zusammen. Um nach der kontrollierten Vernässung von Niederungen im dortigen Naturschutzgebiet einen Schutzdamm rund um ein Klärwerk aufzuschütten, sollen von der Ausgrabungsfläche demnächst rund 20 000 Kubikmeter Lehmboden abgebaggert werden. Doch zuvor haben die Archäologen dieses Gelände in Beschlag genommen, zumal in alten Landeskarten ein naher vorgeschichtlicher Grabhügel eingezeichnet war.

Nach den Worten von Cornelia Lübke waren bereits im vergangenen Jahr erste Voruntersuchungen in Westerfeld erfolgt. Die Ausgräber stießen damals zwar auf eine stattliche Anzahl von Steinbeilen und Keramikstücken, ahnten ab noch nichts von der kommenden großen Ausbeute.

Zur genauen Untersuchung der weitläufigen Grabungsfläche wurde die 30 bis 40 Zentimeter dicke Schicht der Muttererde mit dem Bagger regelrecht "abgeschabt". Die archäologischen Mitarbeiter zogen dann im Abstand von zehn Meter jeweils 180 Meter lange Gräben in den Boden und gingen von diesen sogenannten Suchschnitten aus auf Entdeckungsreise in den Untergrund. Was sie nach und nach ans Licht des Tages förderten, ließ ihr Herz höher schlagen: Gruben, Pfostenlöcher und Feuerstellen. Allein diese Suchergebnisse führten zu dem Schluss: Hier müssen um Christi Geburt schon Menschen gesiedelt haben.

Die Hauptuntersuchung brachte schließlich die Erkenntnis, dass schon damals Bauern in Westerfeld Ackerbau und Viehzucht betrieben. "Wir haben die Grundrisse von zwei Gehöften gefunden, jeweils mit einer Grundfläche von zehn mal fünf Metern", berichtete die Grabungsleiterin. Als Besonderheit hatte eines der Bäuernhäuser im Eingangsbereich einen Vorbau. Integriert in die Gebäude waren Stall und Getreidespeicher. Die Untersuchung der Knochen- und Speisereste aus den Abfallgruben lässt vermuten, dass die germanischen Siedler hier Pferde und Kühe hielten. "Die Menschen lebten mit drei Generationen unter einem Dach."

Weitere Erkenntnisse sind zu erwarten, wenn im Schleswiger Labor die senkrecht entnommenen Profilschichten (Bodenproben) analysiert werden. Sämtliche Funde wurden vor Ort eingetütet und nummeriert. Wie viel Zeit die Nachuntersuchungen beanspruchen werden, dahinter setzt Cornelia Lübke ein Fragezeichen. Fest aber steht, dass das Grabungsfeld von Nieby jetzt nach dem Abzug der Vorgeschichtler endgültig für den Lehmaushub des Wasser- und Bodenverbandes freigegeben ist.

.Um die Bevölkerung über das abgeschlossene Projekt zu informieren, hat die Gemeinde für Mittwoch, 24. Juni, 19 Uhr im Gemeindehaus Falshöft, die Archäologin Cornelia Lübke für einen bebilderten Vortrag gewonnen. Ihr Thema: "Ein germanischer Bauernhof in der Niebyer Vorgeschichte". Anschließend stellt sie sich den Fragen der Zuhörer.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Jun.2009 | 03:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen