Erwerbslosenquote : Arbeitslosenzahl schrumpft unter historische Marke

Neuer Arbeitsplatz: Arbeitsagenturchef Hans-Martin Rump.
Neuer Arbeitsplatz: Arbeitsagenturchef Hans-Martin Rump.

Der Rückgang der Arbeitslosenzahl um 107 (gegenüber Mai) auf 4822 oder um 154 gegenüber dem Vorjahr ist für den Leiter der Arbeitsagentur aber noch nicht der Schlusspunkt.

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01. Juli 2015, 14:15 Uhr

Flensburg | Hans-Martin Rump konnte es nicht wissen. Seit einem halben Jahr leitet der gebürtige Nordfriese die Flensburger Arbeitsagentur – gestern hat er gerade erst zum sechsten Mal die monatlichen Arbeitslosenzahlen verkündet. Und was der 48-Jährige zumindest auf eigener Anschauung nicht wissen konnte: Flensburgs aktuelle Arbeitslosenquote von 9,8 Prozent ist eine historische Marke. „Seit Einführung der Hartz-IV-Reformen 2005 liegt die Quote erstmals unter 10 Prozent“, berichteten Rump und Oberbürgermeister Simon Faber gestern im Rathaus. Wann denn jemals zuvor Flensburg eine Erwerbslosenquote im einstelligen Bereich zu verzeichnen gehabt habe, konnte Rump selbst in den Archiven der Arbeitsagentur an der Waldstraße kurzfristig klären: „Wir sind bis ins Jahr 1989 zurückgegangen und haben keine gefunden“, verkündete Rump im Rathaus sein Rechercheergebnis.

Emotionslos betrachtet ist eine günstige Entwicklung am Flensburger Arbeitsmarkt im Juni lediglich zu ihrem vorläufigen Ende gekommen. Der Rückgang der Arbeitslosenzahl um 107 (gegenüber Mai) auf 4822 oder um 154 gegenüber dem Vorjahr ist für Rump noch nicht der Schlusspunkt. Er traute sich zu prognostizieren, dass die Zahl im zweiten Halbjahr weiter sinken werden: „Im Oktober und November sind die Zahlen meist noch niedriger.“

Nebenbei kann der Arbeitsmarkt Ende Juni noch einen zweiten kleinen Erfolg feiern. Während die Quote in Neumünster zwar deutlich gesunken ist, aber weiter mit glatten zehn Prozent zweistellig verharrt, ist die vergleichbar große kreisfreie Fördestadt bereits unter die Marke mit großer Signalwirkung geschlüpft.

„Es geht aber nicht nur um eine relative Zahl“, erklärte OB Faber, der sein Statement mit dem Trend bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belegte. Diese Zahl sei in den vergangenen drei Jahren um rund 2000 auf 39  400 gestiegen.

Von dieser Entwicklung hätten auch die Langzeitarbeitslosen profitiert, deren Zahl überproportional um 4,1 Prozent gesunken sei – und noch stärker hätten mit sieben Prozent die älteren Arbeitslosen über 50 Jahren profitiert. „Das ist auch ein Zeichen für die erfolgreiche Arbeit des Jobcenters“, lobte Faber. Die 3752 erwerbslosen Flensburger, die Arbeitslosengeld II beziehen, bedeuten einen Rückgang um 78 Personen. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften sank um 33 auf 6376. Danach betreut das Jobcenter aktuell 11  016 Kunden.

Arbeitsvermittler Rump hatte in Flensburg im Juni 681 sozialversicherungspflichtige Jobs zu vergeben – glatt ein Viertel mehr als vor einem Jahr. Der größte Bedarf besteht demnach bei den Dienstleistungen, im Handel sowie auf dem Sektor Gesundheit und Soziales. Den größten Zuwachs an Stellen verzeichneten die Arbeitsvermittler im Handel, in der Zeitarbeit und im Gesundheitswesen. „Wir haben in Flensburg seit fünf Jahren einen stabilen Beschäftigungsaufbau“, sagt Rump. Gesucht seien Fachkräfte, auch Berufsrückkehrer: „Die Herausforderung heißt, Arbeitslose zu qualifizieren.“

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