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Abstieg seit zehn Jahren : Arbeiten für die Umwelt – die Uhr tickt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der AfdU möchte sein soziales und ökologisches Engagement fortsetzen, doch bei einem kalkulierten Defizit von 60 000 Euro droht das Aus zum Frühjahr.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2015 | 08:15 Uhr

Flensburg | Tristesse pur. Am Ende der Amrumer Straße führt eine Schlaglochpiste auf ein Betriebsgelände der Bahn. Die Strecke ist wenig befahren. Das war mal anders. Noch Ende des letzten Jahres arbeiteten hier sieben Stammkräfte beim Verein Arbeiten für die Umwelt (AfdU), früher noch wurden bis zu 110 besonders schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose in Maßnahmen als „Ein-Euro-Jobber“ beschäftigt, letztes Jahr nur noch 36. Jetzt sitzen nur zwei Personen im verwaisten Verwaltungsgebäude in Flensburg-Weiche. Sie räumen, sie wickeln ab. Endzeitstimmung – doch es glimmt ein Fünkchen Hoffnung.

Der Abstieg begann vor zehn Jahren. Mit der Arbeitsmarktreform ging eine drastische Kürzung der Mittel einher. „Wir mussten in der Folge fast die Hälfte unseres Personals entlassen“, schildert Uwe Borchardt, Technischer Leiter und ehrenamtlicher Vorstand, die Malaise. Ein herber Rückschlag, der darin mündete, dass der Verein Ende 2014 sämtliche Rücklagen auflösen musste. Es bleibt nunmehr eine Finanzierungslücke von 60  000 Euro per annum. Zwar hat der Verein noch Bestand, „doch so lässt sich seriös nicht mehr wirtschaften“, sagt Borchardt, der die Hoffnung nicht fahren lassen will.

Er macht einen Rundgang über das Gelände. Neben dem mehrstöckigen Gebäude, in dem Verwaltung, Sozial- und Schulungsräume sowie die Werkstätten untergebracht sind, zählen eine Lagerhalle, aus der inzwischen Baustoffe und Maschinen entfernt wurden, und eine Tischlerei zum Bestand. AfdU zahlt dafür nur noch eine Nutzungsentschädigung, das Mietverhältnis mit der Deutschen Bahn ist gekündigt.

In der Tischlerei lagern, fein aufgereiht Rasenmäher, Heckenscheren, Gartengeräte aller Art. Sie könnten genauso reaktiviert werden wie der Fuhrpark und die zum Januar entlassenen Fachanleiter, versichert Borchardt. Ihm schwebt eine Teillösung vor, um die soziale und ökologische Arbeit doch noch fortsetzen zu können: Eine kleinere Maßnahme für vier Teilnehmer mit einer Förderung des Jobcenters in Kombination mit einem größeren Projekt, bei dem 25 Personen in Naturschutzarbeiten eingebunden werden könnten – mit dem Ziel einer Eingliederung in den Arbeitsmarkt.

Kernproblem bleibt jedoch die Kostendeckungslücke, die unter Umständen noch geschlossen werden kann. Anlass für den gedämpften Optimismus seien Gespräche mit der Politik über eine zusätzliche Förderung des gemeinnützigen Vereins. Man werde zudem von Naturschutzvereinen, Stiftungen, Verschönerungsverein und der städtischen Abteilung Umwelt- und Naturschutz in diesem Vorhaben ermutigt. „Sollten alle Bemühungen nicht fruchten“, sagt Borchardt, „dann gehen hier zum März, spätestens April die Lichter aus.“

 

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