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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 12:47 Uhr

Griechische Gemeinde : Arbeit zum Wohle Europas

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Griechenlands neuer Generalkonsul auf Antrittsbesuch bei bei seinen Landsleuten in Flensburg

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2015 | 11:00 Uhr

Eine Woche nach der aufsehenerregenden Parlamentswahl in seinem Heimatland besuchte der neue griechische Generalkonsul in Hamburg, der seit vergangenem Herbst auch in Schleswig-Holstein akkreditiert ist, seine Landsleute an der Förde. Der Antrittsbesuch von Georgios Arnaoutis bei der Griechischen Gemeinde Flensburg diente einem ersten Kennenlernen und Austausch von Informationen.

Er freue sich sehr, dass die Griechen vor Ort so gut integriert seien; bei seinen geplanten regelmäßigen Besuchen würde auch er gerne in Kontakt mit Repräsentanten der Stadt treten. Als Zeichen der Verbundenheit schnitt er symbolisch den traditionellen Neujahrskuchen („Vasilopita“) an, in dem immer eine Münze eingebacken ist, die dem Finder im Neuen Jahr Glück bringen soll. Der Zufall wollte es, dass der Glücksbringer sich im Kuchenstück des Konsuls selbst befand, was die Mitglieder der Gemeinde mit Beifall kommentierten.

Die Griechische Gemeinde (ältester Verein organisierter Ausländer Flensburgs mit Standort bei der AWO in der Schlossstraße) versteht sich nicht als politische Organisation, sondern als Interessenvertretung von Griechen vor Ort, beispielweise Behörden gegenüber. Angesichts der aktuellen politischen Lage in Griechenland mit möglichen Auswirkungen auf ganz Europa dominierte der angekündigte Paradigmenwechsel Athens jedoch die Gespräche. Er könne offiziell noch nichts dazu sagen, die Wahl sei ja ganz frisch und eine offizielle Regierungserklärung gäbe es noch nicht, sagte Georgios Arnaoutis. „Meine persönliche Meinung ist jedoch, das auch die neue Regierung aller Regenbogenpresse zum Trotz zum Wohle Europas agieren wird.“

Sehr viel konkretere Aussagen kamen vergleichsweise von einigen Mitgliedern der Gemeinde, auch wenn Griechen in öffentlichen Äußerungen sonst eher zurückhaltend sind. „Viele Protestwähler haben Tsipras ihre Stimme gegeben, weil sie gegen die Sparmaßnahen sind; so viele Linkswähler gibt es sonst gar nicht“, sagte beispielweise Paschalis Bouroutzakis, der seit 1969 in Flensburg lebt.

Drei Griechinnen äußern sich gemeinsam: „Wir hoffen, dass sich in unserem Land wirklich etwas zum Positiven ändert, besonders dass mehr und neue Arbeitsplätze entstehen.“ „Zum Beispiel in den Bereichen Bildung und Soziales“, sagt Ritsa Antoniuo. „Noch wichtiger ist eine Verbesserung im Gesundheitswesen, aus dem man nach einjähriger Arbeitslosigkeit komplett herausfällt“, ergänzt Waso Gatsouli. Und Irini Ikinomou betont, „es kann doch nicht sein, dass es dort sogar an Pflaster und Verbandstoffen fehlt“. Gewählt haben die drei nicht, dafür hätten sie nach Griechenland fliegen müssen; aber Tsipras hätte ihre Stimme bekommen. Vielleicht auch von Sofia Bouroutzaki, die an die Lagard-Liste erinnerte, auf der auch der vorige Premier gestanden habe.

Gut fand sie jedenfalls, dass Tsipras Ökonomen entlassen und dafür verstärkt Putzfrauen einstellen wolle. Ganz wichtig war den Griechinnen, dass die im Rahmen der von der Troika geforderten Sparmaßnahmen stark gekürzten Renten wieder erhöht würden, insbesondere bei geringen Summen, und dass endlich Schluss sei mit der allgegenwärtigen Korruption in Griechenland. Stylianos Antoniou, in Flensburg geboren und im Besitz beider Staatsbürgerschaften, warnte vor Vorurteilen auf der Basis von Halbwissen: „Jede Regierung hat ihre Chance verdient, auch die neue unter Tsipras. Jetzt sollten wir in Ruhe abwarten, damit sich die politische Arbeit entwickeln kann.“


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