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Flensburger Tageblatt

22. August 2017 | 23:10 Uhr

Applaus für die kleine Sophia

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Glücksburger Reserveoffizier Timo Petersen spricht über seinen Einsatz im Mittelmeer auf der deutschen Fregatte „Schleswig-Holstein“

Timo Petersen ist seit dem Studium als Reservedienstleistender im Bereich Presse/Öffentlichkeitsarbeit tätig. Derzeit ist der Korvettenkapitän im Rahmen der Operation European Union Naval Force Mediterranean an Bord der „Schleswig-Holstein“.

Sie sind mit der Fregatte „Schleswig-Holstein“ unterwegs. Wo genau und was sind Ihre Aufgaben?
Wir befinden uns im Seegebiet zwischen Italien und der libyschen Küste, außerhalb libyscher Hoheitsgewässer. Der Auftrag der Fregatte Schleswig-Holstein ist, Informationen über die kriminellen Schleusernetzwerke zu sammeln, die ihr Geld damit verdienen, die Not der Menschen auszunutzen, sie auszubeuten und deren Leben zu riskieren. Wir operieren hier mit vielen anderen europäischen Partnern im Auftrag der Europäischen Union, die im Juni 2015 die Operation EUNAVFOR MED (European Union Naval Force Mediterranean) beschlossen hat.
Ich bin an Bord Public Affairs Officer , also Pressestabsoffizier. Ich bearbeite sämtliche Anfragen von Medien, schreibe Berichte über aktuelle Geschehnisse und vieles mehr, die nach Abstimmung mit dem Einsatzführungskommando in Potsdam als Pressemitteilungen in Deutschland verteilt werden. Gerade bei der ersten Geburt an Bord eines deutschen Marineschiffes gab es eine sehr hohe Mediennachfrage.

Haben Sie die Geburt von Sophia – Sie haben selbst Kinder – miterlebt?

Nein, nicht persönlich. Jedoch ist man aufgrund der Enge an Bord sehr nahe am Geschehen dran. Die Nachricht von der Geburt hat sich gleich am frühen Morgen wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Geburt war ja nachts. Es ist aber schon sehr ungewöhnlich, wenn man beim Betreten der Krankenstation auf einer Fregatte mit Säuglingsgeschrei begrüßt wird. Ein besonders emotionaler Moment war auch die Übergabe der geretteten Menschen an die italienischen Behörden. Als die Mutter mit der kleinen Sophia das Schiff verlassen hat, gab es von allen Geretteten, die sich auf dem Flugdeck befanden, Applaus.

Wie häufig sind bisher Flüchtlinge gerettet und an Bord der Schleswig-Holstein geholt worden? Wie lange bleiben sie an Bord und wie kommen sie wo an Land?

Insgesamt haben die deutschen Schiffe 7263 Menschen gerettet, allein die Fregatte Schleswig-Holstein 1627. Nach der Aufnahme an Bord werden diese dann möglichst schnell in einen Hafen gebracht, der uns von den italienischen Behörden zugewiesen wird. Während meiner Zeit an Bord hatten wir bisher eine Aufnahme. Dabei haben wir 453 Menschen vom britischen Forschungsschiff „HMS Enterprise“ übernommen und nach Tarent in Italien gebracht. Während dieses Transits wurde auch die kleine Sophia geboren.

Welche zusätzlichen Aufgaben und Erfahrungen stellen sich dadurch für die Crew (erhöhter Bedarf an Lebensmitteln, Wasservorrat…)? Wie werden die Flüchtlinge untergebracht?

Während dieses Einsatzes haben wir natürlich zusätzliches Personal an Bord, so z. B. Übersetzer, interkulturelle Einsatzberater, Feldjäger und medizinisches Personal, um unseren Auftrag erfüllen zu können. Durch den Übersetzer wird die Atmosphäre beim ersten Kontakt mit einem Schlauchboot ruhiger, denn viele der Migranten können kein Englisch.

Die Geretteten sind auf dem Flugdeck der Fregatte untergebracht. Dort ist ein Zeltdach aufgebaut, das sie vor der Sonneneinstrahlung schützt. Falls notwendig werden sie medizinisch versorgt und bekommen gleich nach ihrer Ankunft etwas zu essen und zu trinken. Mehrere hundert Menschen zusätzlich an Bord bedeutet für uns auch, dass wir mehr Wasser, Lebensmittel, Medikamente und Decken mitführen. Für die Kinder haben wir Kuscheltiere oder etwas zum Malen an Bord.


Haben die Ärzte und Seelsorger an Bord auch mal Pause?
Wie schon gesagt, dadurch, dass wir an Bord zusätzlich Personal haben, wechseln diese sich bei der Aufnahme ab, sodass jeder seine Pause bekommt. Dies gilt für alle Besatzungsangehörigen die an Aufnahme und Betreuung beteiligt sind. Denn bei Temperaturen um 30 Grad schwitzt man doch sehr in den Schutzanzügen. Es ist wie eine kleine Sauna in der man ja im Normalfall auch keine sechs Stunden bleibt. Zudem ist es auch psychisch anstrengend. Der Militärseelsorger befindet sich mit auf dem Flugdeck und in den Pausen haben alle die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen und mit ihm ins Gespräch zu kommen.


Wann werden Sie zurückkommen?
Anfang September werde ich wieder in Glücksburg sein. Interview: Juliane Kahlke

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von
erstellt am 28.Aug.2015 | 08:00 Uhr

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