Apfelfahrt: Früchtekorso auf der Förde

Schicke Kleider schützen nicht vor Arbeit: Königin Franziska Maiwald und Hofdame Anna-Lena Sindakowsky packen an. Foto: dewanger
Schicke Kleider schützen nicht vor Arbeit: Königin Franziska Maiwald und Hofdame Anna-Lena Sindakowsky packen an. Foto: dewanger

Sonniger Start: Die Segler des Museumshafens holten kistenweise Früchte aus Glücksburg und Kollund zum Apfelmarkt am Flensburger Bohlwerk

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15. Oktober 2011, 08:36 Uhr

Flensburg/Glücksburg | Im Museumshafen sind mehr Besucher zu sehen als für diese Jahreszeit üblich: Alle werden herzlich an Bord der traditionellen Segler aufgenommen. Einige steigen gerne ein und machen es sich dort bequem. Andere bleiben auf dem Anlegeplatz stehen und beobachten mit Interesse die abfahrenden Schiffe. Die Traditionssegler des Museumshafens kreuzen die Förde in Richtung Glücksburg und Kollund-Mole, um dort Äpfel von den hiesigen Plantagen zu laden und zurück nach Flensburg zu bringen.

Unter anderen nimmt auch die "Pirola" an der Apfelfahrt teil. Der Logger wurde Anfang des 20. Jahrhundert gebaut, und die grundlegende Restaurierung in den 1980er Jahren hat ihm zu einem zweiten Leben verholfen. "Jedes Jahr macht die Pirola die Apfelfahrt mit", sagt Kapitän Roland Aust und gibt gleichzeitig Hinweise an den Bootsmann oder einen der "Schiffsfreunde" - wie er alle Mitglieder seines Teams nennt. Ein Passagier spielt Musik und singt alte Lieder, heißer Kaffee wird angeboten, auf dem Schiff herrscht gute Laune.

So werden "Pirola" und andere Schiffe auch in Glücksburg empfangen. "Da sind sie!" Besonders von den Kindern heiß ersehnt nehmen die Traditionssegler der Apfelflotte gestern Nachmittag Kurs auf die Glücksburger Seebrücke. Ihre Verspätung macht den Großen aber gar nichts aus. Sie genießen die goldene Oktobersonne, lassen sich frisch gepressten Apfelsaft oder Apfelpunsch mit Schuss schmecken. Versüßt wird die Wartezeit an der Seebrücke auch durch eine gezuckerte Liaison von Apfel und Rose. Glücksburgs Rosenkönigin Franziska Maiwald hat eigens für den Empfang der alten Holzschiffe einen besonderen Kuchen kreiert. "Mit Rosensirup, Rosengrappa, Rosensalz und Rosenblütenblättern", wie sie berichtet.

Zum Blickfang wird nicht nur die Rosenhoheit, sondern auch das von mächtigen Kaltblütern gezogene, randvoll mit Apfelkisten gepackte Fuhrwerk, das auf der Promenade halt macht. Bio-Kernobst des Maasbüller Apfelbauern Michael Gertz. Dann heißt es "Kette bilden!" Von Hand zu Hand wandern die mit duftenden Cox Orange oder der feuerroten Gerlinde beladenen Kisten über die Brücke zu den Schiffen. So mancher Apfel wandert dabei in die Jackentasche oder auch frisch in den Mund. "Auf den Schiffen ist manche Kiste halbleer, aber das ist der verdiente Lohn fürs Verladen", sagt Gertz. Dann heißt es - wie in alten Zeiten - Ablegen und zurück über die Förde, um in Flensburg die Herbstäpfel zu verhökern.

Eine lange und kalte Nacht liegt vor den Äpfeln - an Bord der Museumsschiffe bleiben sie im Hafen liegen. Mit dem Ausladen wird erst am Morgen begonnen, kurz bevor der Markt öffnet und die Hökerei beginnt. Äpfel satt heute für alle heißt es ab zehn Uhr am Bohlwerk des Flensburger Museumshafens. Dort werden die Äpfel vor einer bunten Budenmeile am Bohlwerk verhökert. Das Kernobst kann dort auch als Punsch, Saft, Marmelade oder Kuchen verköstigt werden. Für Aktive gibt es die Möglichkeit, den Saft aus den Äpfeln selbst zu pressen.

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