Anwohner beschweren sich über Disco-Lärm

Der 'Leiter der Technik', Mirko Hansen (links), Student und angehender Ingenieur an der FH Flensburg (Bereich E-Technik) regelt die Tonanlagen, rechts Disco-Inhaber und Geschäftsführer Kevin Thomsen.
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Der "Leiter der Technik", Mirko Hansen (links), Student und angehender Ingenieur an der FH Flensburg (Bereich E-Technik) regelt die Tonanlagen, rechts Disco-Inhaber und Geschäftsführer Kevin Thomsen.

Betreiber: Wir bewegen uns im rechtlichen Rahmen / Ordnungsamt fordert Lärmschutzgutachten

shz.de von
26. März 2011, 05:52 Uhr

Tarp | Willi Petersen hält einen Ordner in der Hand, in dem sich schon einige Schriftstücke befinden. "Es gibt Lärmschutzgutachten, ich habe hier eine Liste mit 28 Unterschriften, es gibt Schriftverkehr mit dem Ordnungsamt, mit Gerichten, aber nichts passiert", sagt er sichtlich erbost. Der Grund für den Ärger ist die Großraumdiskothek "Fantasy". Diese liegt etwa 250 Meter Luftlinie entfernt in westlicher Richtung vom Wohngebiet mit der Herrmann-Löns-Straße, dem Meisenweg und einigen anderen Straßen.

Im September 2010 wurde die Discothek "Fantasy" nach zweijähriger Schließung wiedereröffnet. "Immer sonnabends und manchmal auch am Freitag wird es nun wieder laut, an Schlafen ist nicht zu denken, erst um fünf Uhr in der Frühe kehrt Ruhe ein", sagen vier Bewohner der Straßen hinter dem Bahndamm, die sich auch als Sprecher weiterer betroffener Bürger sehen.

Das Gebäude, in dem sich die Großraumdiskothek seit etwa 25 Jahren befindet, war vor 40 Jahren ursprünglich als Fabrikhalle für die Fertigung von Styropor gebaut worden. Nach dem Verkauf und der Umgestaltung zur Disco gab es in all den Jahren immer wieder Proteste der Bürger, überwiegend von denen, die östlich davon wohnen. Hella Hesse erinnert sich, dass sie bereits 1987 die ganze Beschwerdepalette durchgezogen hat: "Zuerst Anruf beim Betreiber, dann bei der Polizei, Vorsprache im Ordnungsamt, dann Anzeige und Gerichtstermin mit dem Erfolg, dass die Musikanlage auf eine zugelassene Lautstärke plombiert werden musste." Wenn Gastbands auftraten, sei es aufgrund deren eigener Musikanlagen wieder laut geworden, an Schlaf sei nicht zu denken gewesen.

Zunächst sehen die vier Sprecher unisono das Positive: "Wir haben im Grunde nichts gegen die Disco, wir sind froh, dass unsere Jugend nicht sonst wohin fahren muss", sagt Peter Matzen. Was alle fordern ist aber, dass die erlaubten Lärmwerte eingehalten werden. Willi Petersen zeigt Unterlagen, nach denen bei Nacht 40 Dezibel als Schalldruckpegel erlaubt sind. "Der Kreis hat in der Nacht vom 11. auf den 12. November 2010 gemessen, in der es nach unserem subjektiven Gefühl erstaunlich leise war. Dabei sind Werte zwischen 58 und 62 Dezibel herausgekommen - eindeutig zu laut", sagt Willi Petersen.

Lorenz Hesse hofft, dass es noch eine neue Messung geben wird. "Im Winter ist es immer leiser." Doch er erinnert sich, dass früher im Sommer die Disco-Türen geöffnet wurden. "Dann klappern hier die Fensterscheiben." Er befürchtet, "dass es wieder so wird." Für ihn sei die Sache erst erledigt, wenn sich der Betreiber an die Bestimmungen halte.

Im Ordnungsamt des Amtes Oeversee ist Clarissa De Pascalis zuständige Sachbearbeiterin. "Uns liegen die Meldungen der Bürger vor, wir haben darauf reagiert", sagt sie. Der Betreiber müsse ein Lärmschutzgutachten erstellen, die darin aufgelisteten Forderungen beachten und die Erfüllung bis Ende März nachweisen.

"Fantasy"-Inhaber und Betreiber Kevin Thomsen ist wegen der Nachfrage einigermaßen geladen. "Was gibt es denn nun schon wieder?", fragt er mit Hinblick auf die kürzlich veröffentlichte Geschichte wegen angeblicher Diskriminierung (wir berichteten) in seiner Diskothek. "Wir bewegen uns im rechtlichen Rahmen", sagt er in Bezug auf die Lautstärke. Gerade seien Handwerker dabei, neue Türen einzubauen. Auch an den Lüftungsschächten seien neue Hauben installiert worden, damit der Schall nicht nach außen dringe. "Da fahren täglich mehr als 35 Züge vorbei, und da regt sich niemand auf. Wenn ich aber in der Woche fünf Stunden Musik mache, dann gibt es Ärger."

Im Gebäude überprüft Mirko Hansen als "Leiter der Technik" die Schallbegrenzer. "Alle unsere sechs DJs haben den DJ-Führerschein, die halten sich an die Bestimmungen", erklärt Kevin Thomsen. Sollten sich die Anwohner weiterhin beschweren, will er diesen Streit vor Gericht austragen. "Ich trage erhebliche Kosten, allein ein Lärmschutzgutachten kostet 2500 bis 3000 Euro". Die wolle er von den klagenden Bürgern wiederhaben. "Ich habe die Betroffenen schon zu Gesprächen eingeladen, würde gerne alles vor Ort erklären, leider kommt niemand."

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