Auseinandersetzung auf Nordermarkt : Anti-Trump-Demo in Flensburg: Vermeintlicher Aggressor sieht sich als Opfer

Zwei Beamte eskortierten den Mann bis zu einem nahe liegenden Café und versuchten, ihn dort zu beruhigen.

Zwei Beamte eskortierten den Mann bis zu einem nahe liegenden Café und versuchten, ihn dort zu beruhigen.

Ein 77-Jähriger soll bei einer Kundgebung am Sonnabend auf die Menge losgegangen sein – nun spricht der Beschuldigte.

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19. Dezember 2017, 08:24 Uhr

Flensburg | Wer war der Aggressor? Zu der Auseinandersetzung im Rahmen der Anti-Trump-Demo am Sonnabend gibt es zwei Versionen des Ablaufs, zwei Versionen von Ursache und Wirkung. Polizei und Zeugen hatten mitgeteilt, ein Mann sei auf dem Nordermarkt auf die Menge losgegangen und habe mit einem Stock zugeschlagen. Zu seinem Schutz hätten Beamte ihn in einem Café in Sicherheit gebracht.

Das wird von dem Betroffenen energisch bestritten. Der 77-Jährige wohnt nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Entgegen anders lautenden Behauptungen ist er nachweislich fast vollständig erblindet und zu 100 Prozent behindert. Am fraglichen Tag trug er eine Jacke mit gelber Dreipunkt-Armbinde. Und führte einen Taststock mit sich. Jenen Stock, der im Verlauf des Geschehens zerbrach und als Beweismittel zurückgehalten wird.

Der Mann war auf dem Rückweg von dem Kiosk an der Schiffbrückstraße nach Hause. „Ich habe gar nicht gewusst, dass hier demonstriert werden sollte“, sagt er. Am Neptunbrunnen stieß er auf ein Fahrzeug, nach eigenen Angaben von Scheinwerfern stark geblendet. Beim Versuch, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, habe er den Glasfaserstab mit ausgestrecktem Arm nach vorn gehalten.

„Sofort wurde ich von mehreren Männern angerempelt und übel beschimpft“, gibt er zu Protokoll. Man habe ihn ins Gesicht geschlagen, die Brille ging verloren. „Man entriss mir den Stab und zerbrach ihn – hörbar“, sagt das vermeintliche Opfer. Beim Versuch der Beamten, ihn in ein Café zu bringen, so räumt er ein, habe er sich gewehrt. „Ich wollte ja nach Hause.“ Im Café habe man ihn auf dem Steinboden liegen gelassen, er sei zeitweise bewusstlos gewesen und erst wieder zu sich gekommen, als sich ein Sanitäter über ihn gebeugt habe.

Und noch etwas stellt er richtig. Er sei nicht, wie kolportiert worden sei, ein Israeli, sondern ein gebürtiger Schwabe. Vielleicht habe man seine Kopfbedeckung irrtümlich für eine Kippa gehalten? „Ich bin schockiert, was mir hier widerfahren ist.“

Die Polizei bleibt bei ihrer Darstellung. Gegen den Mann wird strafrechtlich ermittelt – wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte.

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