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Nordergraben : Anschlag auf Dänisches Konsulat politisch motiviert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Dänische Konsulat am Nordergraben wurde von Unbekannten beschädigt. Grund für den Anschlag war offenbar der Umgang Dänemarks mit den Flüchtlingen.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2015 | 13:00 Uhr

Flensburg | Morgens um vier Uhr wurde der Generalkonsul aus dem Bett geklingelt. Es waren Polizeibeamte, die vor der Tür von Henrik Becker-Christensen standen. Ein Passant hatte eine Stunde zuvor die Leitstelle darüber informiert, dass das Dänische Konsulat am Nordergraben von Unbekannten beschädigt worden sei. Der unsanft Geweckte, der in unmittelbarer Nähe wohnt, schaute sich das Malheur an und zeigte sich bestürzt.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag, wurde aber erst gestern von der Kripo bestätigt.Inzwischen sind zwei gleich lautende Bekennerschreiben von zwei verschiedenen Absendern aufgetaucht, sie wurden gestern um 0.37 und 1.48 Uhr per Mail an shz.de gesendet. Darin heißt es, man habe das Konsulat „entglast“. Dänemark habe sich am Mittwoch, so wörtlich, „von seiner besten Seite im Umgang mit Flüchtlingen gezeigt. Wenn Menschen auf der Flucht nicht geholfen wird oder sie sogar gewaltsam an einem Ort, zu dem sie nie wollten, festgehalten werden, muss es eine Reaktion geben“. Abschließendes Bekenntnis: „Für eine Welt ohne Grenzen.“

Die Polizei ging zunächst von dem Tatbestand der Sachbeschädigung aus – jetzt allerdings ist die Angelegenheit wegen des offensichtlich politischen Hintergrunds dem Staatsschutz übergeben worden. Derzeit werden die Aufnahmen der am Gebäude installierten Video-Kameras ausgewertet. „Es sind vier Fenster zu Bruch gegangen, zwei Scheiben in Eingangstüren wurden zudem eingeworfen“, sagte Polizeisprecherin Mandy Lorenzen. Schmierereien wie im März 2007 im Kontext mit der Räumung eines autonomen Jugendzentrums (Ungdomshuset) in Kopenhagen gab es nicht. „Das war das letzte Mal, dass das Konsulat attackiert wurde“, sagte Henrik Becker-Christensen. Als Diplomat lege er Wert auf die Äußerung, dass die Asylpolitik Dänemarks stellenweise missverstanden worden sei. „Wenn plötzlich Tausende vor der Tür stehen und wir die Grenze schließen, ist das ein Notfall, das können wir nicht verkraften.“ Und wenn Deutschland die Schleusen öffne, „haben auch wir ein Problem“. Nun werde man dafür beschimpft, dass man es nicht meistern könne. „Das finde ich ein bisschen ungerecht.“

 

 

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