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Pilotprojekt in Flensburg : Ans Gymnasium ohne ein Wort Deutsch

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Alte Gym beherbergt seit dem 1. August als bislang einziges Gymnasium in Flensburg ein Zentrum für Deutsch als Zweitsprache.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Flensburg | Mit drei hat Rita begonnen, Englisch zu lernen. Ihre Muttersprache ist Chinesisch. Jetzt ist sie 17 Jahre alt, und wenn sie Deutsch spricht, klingt sie wie die anderen in ihrer elften Klasse am Alten Gymnasium in Flensburg. Lediglich im ersten halben Jahr in Deutschland Anfang 2009 hat Rita das Zentrum für Deutsch als Zweitsprache (Daz) der Comeniusschule besucht. Länger brauchte die gebürtige Chinesin nicht bis zum Deutsch-Zertifikat des Niveaus B1. Das gilt übrigens als Sprach-Nachweis für die Einbürgerung. Seither schreibt die Schülerin auf dem Alten Gymnasium gute Noten.

Dieses beherbergt seit dem 1. August als bislang einziges Gymnasium in Flensburg und im Land ein Daz-Zentrum. Üblicherweise arbeiten mehrere Schulen schulartübergreifend organisiert zusammen und bündeln an einer Grund- oder Gemeinschaftsschule das Angebot der Sprachbildung für Schüler ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen. 67 dieser Zentren zählt Schleswig-Holstein, und 220 Planstellen werden für den Bereich der Daz-Förderung eingesetzt, weiß Jan Stargardt, zuständiger Referatsleiter aus dem Bildungsministerium in Kiel. Diese Netzwerke der Schulen berücksichtigten auch die Gymnasiasten. Die Flensburger Struktur biete jedoch die Möglichkeit, „dass die Sprachförderung dieser Kinder unmittelbar am Gymnasium und insoweit inklusiv erfolgen kann“, sagt Stargardt.

„Für unsere Schule ist das eine große Bereicherung“, betont Bernd Henkel. Er hebt hervor, dass damit Schülern, die zugewandert sind, ermöglicht werde, „ihrem Intellekt entsprechend“ unterrichtet zu werden. Der kommissarische Schulleiter des Alten Gymnasiums nennt das Miteinander „gelebte Integration“. Derzeit lernen acht junge Leute aus den Vereinigten Staaten, Griechenland, dem Iran und Litauen am Alten Gymnasium nach einem individuellen Stundenplan mit 22 Stunden Deutsch in der Woche. Nach und nach würden sie in die Fächer integriert, beschreibt Henkel, in denen sie noch nicht so viel der Sprache brauchen, in Sport beispielsweise. Die Deutsch-Stunden erteilen überwiegend Daz-Lehrer.: Die Kreisfachberaterin Susanne Yalim und Nicole Schwaner füllen jeweils die Hälfte einer neu geschaffenen Planstelle am Alten Gymnasium aus. Seit fast zehn Jahren unterrichten sie zudem am Daz-Zentrum der Comeniusschule. Zwei Jahre benötige ein Schüler, bis er die Alltagssprache beherrsche, beobachtet Yalim, aber bis zu neun Jahren, um auf muttersprachlichem Niveau zu sprechen. Essentiell sei die Unterstützung sämtlicher Lehrer der Schule – und die Kenntnis, dass B1 zunächst eine Basis für den regulären Unterricht sei. Susanne Yalim wirbt dafür, das Potenzial der Zuwanderer zu nutzen: „Wir tun gut daran, sie auszubilden, weil sie für unsere Gesellschaft nur wertvoll sein können.“

Der 17-jährige Alper etwa, mit türkischen Eltern aus Bulgarien 2007 nach Deutschland zugewandert, hat wie Rita noch an der Comeniusschule „erfolgreich Deutsch gelernt“, wie er das selbst einschätzt. „Seitdem bin ich auf dem besten Weg, mein Abitur zu machen“, sagt der Gymnasiast selbstbewusst. Und natürlich will er studieren. Rita auch: „Pharmazie“, sagt sie ohne Umschweife.

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