Amtsgericht Flensburg : Anklage: Misshandlung bei der Marine

Tatort Taifun – auf dem Schulschiff der Bundesmarine soll es zu den Übergriffen des Ausbilders gekommen sein.
Tatort Taifun – auf dem Schulschiff der Bundesmarine soll es zu den Übergriffen des Ausbilders gekommen sein.

52-jähriger Ausbilder meldet sich gestern zum Prozessauftakt vor dem Amtsgericht krank

shz.de von
31. Januar 2018, 06:36 Uhr

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wecken unwillkürlich Assoziationen zum Fall Jenny Böken – zumindest im Ansatz. Es sollte gestern vor dem Amtsgericht Flensburg um Misshandlung und Nötigung auf einem Segelschulschiff sowie ein offenbar gestörtes Verhältnis von Vorgesetzten zu Untergebenen bei der Deutschen Marine gehen. Doch ein morgendlicher Anruf ließ den Prozessauftakt gegen einen Ausbilder platzen.

Er sei schwer erkrankt, ließ der Angeklagte wissen und erklärte sich nach Angaben von Gerichtssprecher Stefan Wolf kurzfristig als nicht verhandlungsfähig. „Er gab an, medizinisch untersucht werden zu müssen.“ Die zuständige Richterin habe die eigentlich um neun Uhr beginnende Verhandlung daraufhin vorläufig aufgehoben.

Doch es bleibt dabei: Der 52-Jährige muss sich wegen Misshandlung von Untergebenen in drei Fällen und Nötigung verantworten. Laut Staatsanwaltschaft habe es körperliche Übergriffe auf dem Segelschiff „Taifun“ im Zeitraum zwischen dem 19. und 28. September 2016 gegeben.

Der Berufssoldat ist angeklagt, bei einer Ausbildungsfahrt, die von Flensburg in die dänischen Südsee führte, zwei Offiziersanwärter gemaßregelt und schließlich attackiert zu haben, nachdem sie beim Manövrieren des 16 Meter langen Schiffes angeblich Fehler gemacht hätten. Die werden von der Staatsanwaltschaft jedoch nicht als gravierend eingestuft. Gravierend hingegen die Attacken: Der Ausbilder soll einen Gefreiten in den Rücken getreten, einem Anwärter das Knie in den Rücken gerammt und in einem anderen Fall heftig in den Nacken geschlagen haben. Außerdem ist er wegen Nötigung angeklagt. Er habe die Mannschaft zum Stillschweigen verdonnert, so Wolf. Nach dem Motto: „Alles was auf dem Boot passiert ist, bleibt auch dort.“ Überdies sei gedroht worden: „Man sieht sich im Leben immer zweimal.“

Die Vorwürfe wiegen umso schwerer, da der Marinesoldat nach Angaben des Gerichtssprechers als Prüfer bei einer Abschlussprüfung vorgesehen war.

Über mögliche disziplinarrechtliche Schritte der Marineführung, wie etwa eine Suspendierung vom Dienst, wurde gestern nichts bekannt. Insgesamt sind vier Verhandlungstage angesetzt.

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