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Eggebek : Angler sagen Artensterben den Kampf an

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Start für das Projekt "Archepark Fische" in Eggebek. Vereinsmitglieder wollen nicht nur die Kleine Bachmuschel vermehren.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 07:06 Uhr

Eggebek | "Der stumme Frühling als Ergebnis des starken Rückgangs heimischer Singvogel-Arten wird in unserer Gesellschaft schon thematisiert. Dass auch unsere Bäche und Flüsse immer artenärmer werden, nimmt aber kaum jemand wahr", sagt Armin Marx, Projektleiter beim Angelsportverein (ASV) Jübek und Umgebung. Er verweist besorgt darauf, dass die Hälfte aller im Gewässer lebenden Tierarten - von der Eintagsfliege bis zum Fisch - im Bestand gefährdet seien. Ihr Überleben setze eine nachhaltige Verbesserung der Fließgewässer voraus. Deshalb wurde im Archepark in Eggebek nun ein "Kompetenzzentrum Fische" eingerichtet.

Der ASV Jübek beobachtet seit Jahrzehnten die in der Treene und ihren Zuflüssen lebenden Organismen. Früher fokussierte sich ihr Interesse vor allem auf kulinarisch bedeutsame Fischarten. Heute steht das Ökosystem als Ganzes im Mittelpunkt. Erfolgten einst alle Maßnahmen mit dem Ziel möglichst vieler gewichtiger Angelerfolge, so gehören heute etliche Praktiken der Vergangenheit an. Nun vermehren die Vereinskameraden ausgewählte Arten nicht nur um des Angelns Willen, sondern auch, weil sie eine "gesunde und artenreiche Fischwelt" erhalten oder fördern wollen - im Sinne des Naturschutzes und mit dem Naturschutz.

Und so eröffnete der ASV, der neben dem Förderverein Mittlere Treene Pächter ist, jetzt offiziell das Kompetenzzen trum im Archepark. Nachdem das ehemalige Bundeswehr-Munitionsdepot am Rande der Treene vor einigen Jahren auf Initiative des Fördervereins mit öffentlichen Mitteln erworben und umgestaltet wurde, bietet es den dort lebenden, selten gewordenen Pflanzen- und Tierarten ein dauerhaftes Refugium. Ein Zuhause für vorerst 30 Jahre soll es für den ASV werden, gemäß Pachtvertrag mit der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein als Eigentümerin. Eingebunden in die umfangreichen Artenschutzanstrengungen des Archeparks will sich der ASV bedrohten Fließgewässer-Lebewesen widmen. "Unterstützung braucht zum Beispiel die Kleine Bachmuschel. Sie vermehrt sich nicht mehr in der Treene", so Marx. Er und seine Mitstreiter möchten sie gern züchten, wissen jedoch um die große Herausforderung. Denn die Muschel muss bestimmte Lebensphasen als Parasit in einem Wirtsfisch absolvieren.

Für dieses und andere Vorhaben stehen den Anglern nun Räumlichkeiten im Archepark zur Verfügung. Rund 50 000 Euro gewährte "Bingo! Die Umweltlotterie" für den Umbau eines Bundeswehrgebäudes und für die Ausstattung. Mit Hilfe vieler Vereinsmitglieder entstanden unter anderem eine Bibliothek und ein Labor für chemische Wasseranalysen und für die Bestimmung von Kleinstlebenwesen per Mikroskop. Ein großer Raum mit Becken wartet auf Bewohner oder Artenschutzprojekte. Einige Aquarien sollen mit Anschauungsobjekten befüllt werden, damit sie für umweltpädagogische Maßnahmen und Schulungszwecke eingesetzt werden können. ASV-Vorsitzender Helmut Rudolph ist besonders glücklich über den neuen Unterrichtsraum. "Nun müssen wir die Ausbildung von Nachwuchs anglern und Gewässerwarten nicht mehr in wechselnden Unterkünften vornehmen." Auch die Geschäftsstellen des ASV und des Kreissportfischerverbands sind in den Archepark umgezogen.

Nachdem der ASV am Wochenende vereinsintern gefeiert hatte, gab es eine offizielle Eröffnung mit geladenen Gästen. Rudolph bedankte sich bei "den vielen Vätern des Projektes Archepark Fische". Einer von ihnen sei Thorsten Roos, der einerseits als Geschäftsführer des Fördervereins Mittlere Treene das Konzept des Archeparks mitentwickelt habe und der sie andererseits als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg gut betreut habe. Ein anderer sei Armin Marx. Dieser habe in den vergangenen Jahren die Realisierung des neuen Projekts intensiv vorangetrieben. Zum Dank verlieh ihm der ASV Jübek eine goldene Verdienstnadel samt Urkunde.

Kreispräsident Eckhard Schröder und der Präsident des Landessportfischerverbandes, Peter Heldt, gratulierten. Dieser sagte er sei froh, "dass die Angler inzwischen ihren Platz im Kreise der Naturschützer gefunden haben".

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