Angelns vergessene Dörfer

Auch Hans-Otto Tiedemann (re.),  AHV-Ehrenvorsitzender, betrachtete mit Interesse die Bilder aus dem Nachlass Werner Zilms. <strong>(hjk)</strong>
Auch Hans-Otto Tiedemann (re.), AHV-Ehrenvorsitzender, betrachtete mit Interesse die Bilder aus dem Nachlass Werner Zilms. (hjk)

Mehrere Dörfer, die einst zur Landschaft Angeln zählten, sind seit Jahrzehnten Bestandteil Flensburgs. Daran erinnerte der Angelner Heimatverein jetzt auf seiner Herbsttagung.

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19. Oktober 2009, 06:29 Uhr

Gelting | "Wir wollen diese historische Entwicklung nicht beklagen, sondern lediglich beschreiben." Mit diesen Worten nahm der Vorsitzende Bernhard Asmussen aus Steinberg anlässlich der von 350 Mitgliedern und Gästen besuchten Herbsttagung des Angler Heimatvereins (AHV) in der Geltinger Birkhalle Stellung zum Thema "Vom Land zur Stadt". Hintergrund: In der Zeit ab 1874 lösten sich nach und nach neun Gemeinden des alten Angler Kirchspiels Adelby auf und schlossen sich der Fördestadt Flensburg an. Lediglich die Gemeinde Tastrup wehrte sich standhaft gegen diese Einverleibung durch das Oberzentrum.

Mit der Erforschung der Beweggründe, die zu diesem Aderlass der Landschaft Angeln führten, hat sich Dr. Gerret Liebing Schlaber, Verfasser eines prämierten Werkes über die Verwaltungsgeschichte des Herzogtums Schleswig, eingehend beschäftigt. Es sei allerdings noch immer nicht genau geklärt, ob die Landgemeinden am Ostrand der Stadt freiwillig oder gezwungenermaßen ihre Eigenständigkeit aufgaben, betonte er in seinem viel beachteten Vortrag. Dr. Schlabers heimatliche Wurzeln liegen im Kirchspiel Adelby, doch heute gilt er als ein "Grenzgänger" mit deutschem Pass. Er ist mit einer Dänin verheiratet, in Apenrade ansässig und beruflich lange Zeit in der Flensburger Studienabteilung der Dänischen Bibliothek für Südschleswig tätig gewesen. Zu den ehemaligen Bauern- und Katendörfern, die heute im Flensburger Stadtgebiet teilweise nicht mehr zu identifizieren sind, gehören neben Adelby samt Kirche und ehemaliger Meierei Orte wie Tarup, Mürwik, Engelsby, St. Jürgen, Kauslund, Wees, Sünderup, Twedt und andere - bis hin zu einem "ganz Vergessenen" namens Trögelsby. Noch heute verläuft die einstige Grenze zwischen Flensburg und Angeln - entlang der "Alten Kappelner Landstraße" - im Ostbezirk des Flensburger Häusermeers auf der Fahrbahnmitte. Die Stadt an der Förde benötigte vor hundert und mehr Jahren einen Gebietszuwachs zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung. Von der ländlichen Bevölkerung in Angeln waren die Arbeitsplätze in der Stadt heiß begehrt. So siedelten sich nach und nach immer mehr Arbeitnehmer im Kirchspiel Adelby an, weil die Nähe zu den Betrieben ein großer Vorteil war. Doch nach der Eingliederung ins Stadtgebiet ging, wie Referent Schlaber unterstrich, Unwiederbringliches verloren. Viele alte meist reetgedeckte Gebäude mussten weichen, denn Platz für Neubauten wurde gebraucht. Der dörfliche Charakter ging verloren. Die einzige Erinnerung an ihr damaliges "Gesicht" ist in Form alter Ansichtskarten geblieben. Gerret Liebing Schlaber appellierte an die Heimatfreunde, derartige noch in Privatbesitz befindliche Fotos und andere Dokumente aus damaligen Tagen - alles kleine Kostbarkeiten - den Archivaren zur Verfügung zu stellen.

Bilder dominierten auch den weiteren Ablauf der Herbsttagung. Der 50-jährige Berufsfotograf Andreas Große aus Steinbergholz verzauberte die Anwesenden mit 68 prächtigen Aufnahmen aus Gegenden in Angeln, wo sich überwiegend Himmel, Wasser und geschwungene Landschaftsformen zu einer malerischen Einheit verbinden. Ausgestellt war in der Birkhalle zudem eine Auswahl von Schwarz-Weiß-Bildern aus dem Nachlass des aus Pommern stammenden Fotografen Werner Zilm (Jahrgang 1909), der nach dem Krieg bis 1967 in Dollerupholz lebte und arbeitete.

AHV-Vorsitzender Asmussen und seine Stellvertreterin Dr. Gundula Hubrich-Messow aus Sterup lobten das "heimatkundliche Engagement" der Anwesenden und betonten, es sei dennoch wünschenswert, die Zahl der 3 200 Mitglieder im größten Verein im Kreisgebiet Schleswig-Flensburg weiter zu steigern - im Sinne einer starken Gemeinschaft.

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