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Joris live in Flensburg : Angekommen im Rampenlicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

750 Menschen erleben ein überzeugendes Konzert mit Joris im Max, der mit „Herz über Kopf“ seinen ersten Hit hatte

Welche Eltern schenken einem Fünfjährigen schon ein Schlagzeug? Solche Eltern, die für ihren Sohn auch einen klangvollen Vornamen wie Joris gefunden haben. Das soll eine friesische Variante sein von Georg, und sie genügt dem Sänger als Künstlername. Sein erster Hit „Herz über Kopf“ mit dem gut gelaunten Gitarrenriff hat eingeschlagen. Joris ist Friese, er sei bei Bremen geboren, sagt er am Sonnabendabend im ausverkauften Max, und bei Bielefeld aufgewachsen.

Immerhin 750 Menschen fasst die „Mini-Arena“, wie sie Joris am Tag danach auf Facebook nennt. Und ein „feiner Abend“ war es für ihn und die Band. Die stellt er gleich nach den ersten Nummern vor, doch erst nach dem „verrückten Teil“. Darin animiert Joris, der sich grundsätzlich einer gewissen Unvernunft bezichtigt, seine Zuhörer, die Telefone zu zücken, sie leuchten zu lassen und so hoch wie möglich über dem Kopf zu halten. „Und auf vier pfeffern wir die Dinger auf den Boden“, sagt er dann und grinst sich eins zur Musik.

Die hat er ganz offenbar im Blut, nachdem ihm die Eltern schon mal die Instrumente in die Wiege gelegt haben. Zum Schlagzeug kam die Gitarre hinzu, Klavier spielen kann er auch. Im Verlauf des Konzerts wird der 26-Jährige erzählen, dass er eigentlich schon seit 21 Jahren Musik macht, bloß bislang niemand davon Notiz nahm. „Seit anderthalb Jahren habe ich sehr sehr viel Glück“, fährt er fort. Man muss es ihm abnehmen. Mancher Song, den er schreibt, handelt von Träumen, zum Beispiel vom Party machen mit allen in einem Haus am See; sein eigener, vom Musikmachen für viele Menschen, hat sich erfüllt. Und man spürt, dass er sich da oben auf der Bühne wohl fühlt, ins Rampenlicht gehört und vor allem selbst daran glaubt. So wie er mit dem Publikum spricht, spielt und singt. Von Anfang an ist er voll da, wickelt die Leute um den Finger. Ständig ein fröhliches „Flensburg“ in die Sätze einzubauen, hilft natürlich ungemein. Sein Debut-Album ist ein Jahr alt und heißt so wie die Tour „Hoffnungslos hoffnungsvoll“; die meisten Gigs waren ausverkauft. Am Mittwoch nach dem Konzert in seiner Beinahe-Heimat Bremen macht sie eine Pause – das ist der Tag, an dem in Berlin die Echo-Preise verliehen werden. Joris ist drei mal nominiert: als Newcomer national, für den Radio Echo und den Kritikerpreis national.

Joris, der auch einen Nachnamen hat, nämlich Buchholz, hat in Berlin ein Studium angefangen und es an der Pop-Akademie im kuschligeren, aber kaum weniger bunten Mannheim fortgesetzt. Dort hat er seine Mitmusiker gefischt: Mit seinem Schlagzeuger Bino Engelmann habe er den Flensburgern „eines der südlichsten Nordlichter“ mitgebracht, erklärt Joris. Engelmann kommt aus Hamburg und beherrscht nicht nur flotte Shuffles, sondern kann sich auch effektvoll und hörbar zurücknehmen. „Ein Bayer kommt selten allein“, weiß der Friese Joris und hat deshalb zwei in seiner Band: den Bassisten Tobias Voges und Gitarristen Wolfgang Morenz. Dessen Sound erinnert immer wieder an die melodiösen und klaren Klänge vieler Brit-Pop-Gitarristen und langweilt nie, nicht mal in Soli. Keyboarder Constantin Krieg vervollständigt die Band um Joris, der sich für die eine oder andere Ballade selbst ans Klavier setzt und sein Händchen für Kompositionen beweist und Köpfchen für Texte. Die seien tiefsinnig, befindet eine Bredstedterin, die ihre erwachsene Tochter ins Konzert begleitet, selbst ganz angetan ist und auch nur hörend genießen kann, ohne sich vorn ins Getümmel zu stürzen.

„Ich seh die Tränen in Deinem Gesicht. Ist das das Ende? Warum weine ich dann nicht?“, singt Joris in „Hollywood“ so rau wie gefühlvoll. Kopfstimme und „Ooohs“ funktionieren, die Mitsingspielchen mit einem Animateur wie ihm und Frauenstimmen in der Mehrheit selbstredend. Tempo-Wechsel kommen gut und nicht selten vor, die gemäßigte Techno-Einlage mit Weißlicht-Blitzen ist selbst gemacht und auch gekonnt. Die letzte der Zugaben ist der Ohrwurm für den Heimweg und geht nicht besser: „Und immer wenn es Zeit wird zu geh’n, verpass ich den Moment und bleibe steh’n...“


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erstellt am 04.Apr.2016 | 13:29 Uhr

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