Bandidos gegen Hells Angel : Angeklagter gibt Beil-Attacke in Flensburg zu

Im Prozess gegen zwei Bandidos wurden verstärkte Sicherheitsvorkehrungen getroffen.
Im Prozess gegen zwei Bandidos wurden verstärkte Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Jagd auf ein Auto mitten in der Flensburger Innenstadt, klirrende, zerspringende Fahrzeugscheiben – vor dem Landgericht Flensburg schildern Zeugen einen spektakulären Überfall. Vor vier Jahren trug sich der Streit zwischen Bandidos und einem Mitglied der Hells Angels zu.

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04. März 2014, 16:25 Uhr

Flensburg | Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat in Flensburg ein Prozess gegen zwei Männer begonnen, die als Mitglieder der Rockervereinigung Bandidos ein Mitglied aus dem Umfeld der verfeindeten Hells Angels angegriffen haben sollen. Wegen gefährlicher Körperverletzung müssen sich die beiden 33 und 35 Jahre alten Männer seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen das Opfer laut Anklage vor vier Jahren in Flensburg mit weiteren Bandidos verfolgt haben. Mehrere von ihnen zerstachen demnach die Reifen seines Autos, so dass der heute 45-Jährige nicht fliehen konnte.

Der 35-Jährige soll dann eine Scheibe des Autos mit einem Beil eingeschlagen und damit Richtung Kopf des Opfers gezielt haben. Der 45-jährige Flensburger sei am Handgelenk getroffen worden, so dass Nerv, Sehnen und Arterie durchtrennt wurden. Der jüngere Angeklagte war laut Staatsanwaltschaft an der Verfolgung des Opfers und den Reifenstichen beteiligt. Damit habe er es dem 35-Jährigen ermöglichen wollen, das Opfer zu verletzen.

Vor Gericht gab der 35-Jährige den Beilangriff zu. „Ich weiß, dass ich die Scheibe kaputtgemacht habe.“ Zwei, drei Mal habe er mit dem Beil zugeschlagen und es dann weggeworfen. Er entschuldigte sich bei dem Flensburger, der am Dienstag als Zeuge aussagte. Der 35-jährige Berliner schilderte seinen Eintritt bei den Bandidos. Ein anderes Mitglied habe ihn im Februar 2010 zu einer Fahrt nach Neumünster aufgefordert. Von dort sei es in ein Restaurant in der Flensburger Innenstadt gegangen.

Aus der Gruppe von Bandidos heraus sei auf einmal ein Ruf zu hören gewesen: „Ich weiß nur, dass einer auf einmal gebrüllt hat: Hells Angels!“ Daraufhin seien einige nach draußen gerannt. Er habe das Beil selbst mitgebracht: „Wenn man in eine andere Gegend fährt, nimmt man ein Messer mit.“ Er habe keines gefunden, „da war in der Küchenschublade dieses Beil gewesen“. Von der Verletzung des Opfers will der Berliner nichts mitbekommen haben.

Auch auf viele andere Fragen wusste der 35-Jährige, der nach eigener Aussage in Berlin nach einer Verurteilung wegen Handels mit Betäubungsmitteln im Maßregelvollzug ist, nichts zu sagen. Bei den Bandidos sei er ausgetreten. „Keiner von denen hat sich um mich gekümmert.“ Während der jüngere Angeklagte sich zunächst nicht äußerte, schilderten drei Zeuginnen den Überfall. „Die Menschen drumherum waren alle erstarrt“, sagte eine 53-Jährige. Das 45-jährige Opfer blieb einsilbig: „Sieben Sehnen durch und zwei Adern.“ 

Die Verteidiger befragten vor allem zwei Tatortzeuginnen intensiv. Sie hielten den Frauen vor, vor Gericht in einigen Punkten andere Angaben gemacht zu haben als vor vier Jahren. Die Verhandlung wird am 11. März fortgesetzt.

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