zur Navigation springen

An der Harniskaispitze öffnet die „Luftschlossfabrik“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf dem Gelände der verhinderten Flugboot-Montage ist über Nacht neues Leben eingezogen

Ein kleines Mädchen flitzt mit einem noch kleineren Fahrrad kreuz und quer über den freien Platz. Ihre Eltern liegen auf einer Matte neben dem schon etwas betagten Wohnmobil. SFA steht auf dem Kennzeichen, sie sind auf der Durchreise. Zwei freundliche Hunde begrüßen jeden Besucher, suchen dann aber auch bald wieder den Schatten auf.

Vorn am Tor kürzt jemand mit einer Sense das kniehohe Gras. Auf den Stufen zum Bürotrakt sitzen zwei Typen und unterhalten sich. In der Mitte der Fläche steht ein windschiefer „Traumweiser“ und deutet an, was hier in naher Zukunft geschehen soll. „Probenraum“ steht da, „Gemeinschaftsgarten“ und noch das eine oder andere mehr.

Eigentlich sollten auf dem Gelände direkt an der Harniskaispitze schon seit letztem Jahr Bodeneffektfahrzeuge montiert werden. Doch die ominöse Firma Highship Industries ist hier noch nicht weiter aktiv geworden – ganz im Gegensatz zu einer Gruppe von rund 20 Frauen und Männern unterschiedlichen Alters, die am Freitag damit begonnen haben, das brach liegende Grundstück wieder „in Nutzung zu nehmen“. Es gibt auch schon ein Firmenschild: „Luftschlossfabrik“ steht kunstvoll aus Spiegelscherben gesetzt auf einem Brett. Die Anspielung auf den immer noch nicht realisierten Zweck des Grundstücks, das eine Firma Tycoon seit rund drei Jahren gepachtet hat, ist nicht zu überlesen.

„Wir möchten, dass dieses Gelände der Öffentlichkeit zur Verfügung steht“, sagen Clara Meyer und Torben E. Sie betonen ausdrücklich, dass es sich nicht um eine Haus- oder Grundstücksbesetzung handelt. Stattdessen wollen sie den Impuls für möglichst viele andere Menschen geben, sich hier auf dieser Stadtbrache in Hafennähe einzubringen, zu engagieren und Angebote zu machen. „Es waren schon Rentner hier, die wollen wieder kommen und mitmachen“, freut sich Torben E.

Ideen gibt es reichlich. Auf einer Grünfläche könnte ein Gemeinschaftsgarten entstehen. Der Bürotrakt hat einen großen Raum, der sich für Theater, Kino oder kleine Konzerte eignen würde. In den kleineren Räumen könnten Umweltorganisationen einziehen. Platz für eine Selbsthilfewerkstatt, zum Beispiel für Fahrradreparaturen, ist auch vorhanden. Auch an sportliche Angebote wird gedacht.

„Wir verstehen uns als Bürger, die sich aktiv in die Politik einbringen“, sagt Torben E. und ergänzt, dass der Stadt derzeit die Hände gebunden seien. Das Grundstück ist verpachtet. „Durch unser Handeln schaffen wir Tatsachen, auf die dann hoffentlich positiv reagiert wird“, sagt Uwe Hansen-Winands vielsagend.

Strom und Wasser gibt es nicht auf dem Gelände, doch bisher weiß man sich zu helfen. „Jeden Abend zwischen 8 und 9 ist Lesestunde am Lagerfeuer“, sagt Clara. Und ab Freitag zeigt Thomas Irmer hier seine Grafiken; um 18 Uhr ist Vernissage.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Aug.2013 | 19:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen