Busverkehr in Flensburg : An den Grenzen des Wachstums

<p>An der Grenze: Im Busdepot von Aktivbus arbeitet ein Kfz-Mechatroniker an der Batterie eines Volvo Hybridbusses.</p>

An der Grenze: Im Busdepot von Aktivbus arbeitet ein Kfz-Mechatroniker an der Batterie eines Volvo Hybridbusses.

Kein Platz für weitere Busse: Erweiterung des Angebots von Aktivbus nur noch mit Subunternehmern möglich

shz.de von
23. März 2018, 06:15 Uhr

Zum 1. August plant Aktiv-Bus die Anbindung der neuen Wohngebiete Groß-Tarup an das Busnetz; dafür soll eine bestehende Linie verlängert werden. Das berichtete Bus-Chef Paul Hemkentokrax in seinem Jahresbericht 2017 vor dem Umwelt- und Planungsausschuss. Das müsse jedoch noch im Mai der Aufsichtsrat beschließen.

Mit der Ankündigung weiterer zusätzlicher Angebote hielt Hemkentokrax sich jedoch zurück. Wachstum und Wirtschaftlichkeit stünden in einem Zielkonflikt miteinander. Man dürfe auf gar keinen Fall neue Kunden anlocken, um ihnen dann „um 7.15 Uhr zu sagen, sorry, wir sind voll, ihr könnt nicht mitfahren“. In den Stoßzeiten, vor allem morgens, sind die Busse knallvoll und müssen zum Teil Fahrgäste stehen lassen. Das Problem, so Hemkentokrax, könne man nur lösen, wenn die Schulen die Zeiten des Unterrichtsbeginns entzerren würden. Gleiches gelte für die Hochschulen für den Vorlesungsbeginn. Gespräche hätten bisher nichts gefruchtet.

„Ein bisschen enttäuscht“ zeigte sich der Bus-Chef von der Kaufmannschaft der Innenstadt in Bezug auf den Bus-Shuttle von der Exe in der Adventszeit. 5 Euro pro Geschäft und pro Samstag hätte die finanzielle Beteiligung gekostet. Das Thema müsse man dringend noch einmal angehen.

Längst nicht alle 2,6 Millionen Kilometer fahren die Busse von Aktiv-Bus selbst. Die Subunternehmer Autokraft und Förde-Bus decken davon rund eine Million Kilometer ab – um die 40 Prozent. Das sei nicht zuletzt ein politischer Beschluss gewesen, sagte Hemkentokrax gegenüber dem Tageblatt, damit solle der Mittelstand gefördert werden. Die Subunternehmer fahren zwar keine Hybridbusse, hätten aber eine Reihe „sehr sauberer Euro-6-Busse angeschafft.“ Die Fahrer würden annähernd so viel verdienen wie die Aktiv-Bus-Chauffeure.

Er hoffe auf einen Grundsatzbeschluss zum Betriebshof der Zukunft, sagte Hemkentokrax weiter. Der alte Hof an der Apenrader Straße sei knallvoll; zudem spiele sich bei den Elektrobussen der Zukunft immer mehr auf dem Dach der Busse ab. Darauf sei der bestehende Hof nicht eingerichtet. Hemkentokrax nannte jedoch keinen Wunschort für einen neuen Betriebshof.

Aus dem Planungsausschuss kamen zahlreiche Fragen, zum Beispiel nach einem Tages-Uhrzeit-Ticket, um Kunden eher nach den Stoßzeiten in die Busse zu locken, nach einem Sozialticket, nach Einbindung des Radverkehrs, nach einer Alternative zur Haltestelle Südermarkt, um diesen zu entlasten, nach Kurzstreckentickets und der neuen Wasserstoff-Technologie.

Die Halbierung des Zeittaktes auf einer viel befahrenen Linie wie der 3 würde schnell mal zehn neue Busse und für jeden neuen Bus 3,5 neue Fahren bedeuten, umriss Hemkentokrax die Kosten einer Angebotsausweitung.

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