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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 00:26 Uhr

Kronsgaard : Amtsvorsteher spielt die Jungfrau

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf der Prunksitzung in Golsmaas verkörperte Thomas Johannsen nach eigener Aussage die Schönheit des Amtes Geltinger Bucht. Rund 100 Jecken aus ganz Angeln feierten am Wochenende im Feriendorf Golsmaas Karneval.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2014 | 07:46 Uhr

Alle Blicke der hundert Jecken aus ganz Angeln richteten sich am Wochenende im Feriendorf Golsmaas anlässlich der Prunksitzung des Karnevalsvereins „Funken Root-Witt“ auf sie: „Ihre Lieblichkeit“, die Jungfrau im Dreigestirn namens Thomas. Da die Ursprünge dieser fröhlichen Fete auf die Kölner Tradition zurückgehen, muss die Jungfrau stets männlichen Geschlechts sein. Insider wissen, dass in der Domstadt ehemals keine Frauen am Faschingstreiben teilnehmen durften. Die männliche Jungfrau symbolisiert in Köln bis heute „die Schönheit der Stadt“.

Mit Kostümen aus dem Fundus des Kronsgaarder Elferrates, dem der Kappelner Manfred Schmidt als Komitee-Präsident vorsteht, hatte sich der Mann Thomas in die Jungfrau Thomas verwandelt: mit Krone, blonder Haarperücke und einem rot-weiß gestreiften langen Kleid. Zwei aufgeblasene Luftballons sorgten unter dem Oberteil für eine feminine Form dieser närrischen Figur.

Was diesem zum 16. Mal zelebrierten Narrentreffen an der Angelner Küste eine besondere Note verlieh, war die personelle Besetzung der Jungfrau-Rolle. Kein Geringerer als Amtsvorsteher Thomas Johannsen, zugleich Bürgermeister von Niesgrau, verwandelte sich für eine lange Nacht in diese holde Lieblichkeit. „Schon vor einem Jahr wurde ich vom Elferrat gefragt, ob ich das Ganze mitmachen würde“, berichtete er. „Ich habe spontan ja gesagt – und danach gab es kein Zurück.“ Kommunalpolitik hin, Kommunalpolitik her – „ich bin doch ein Mensch wie jeder andere“. Thomas Johannsen ergänzte, seine Mitwirkung im Dreigestirn sei als reiner Freizeitspaß zu betrachten. Und in Anlehnung an die Kölner Karveval-Historie verkündete er bescheiden: „Als Jungfrau verkörpere ich die Schönheit des Amtes Geltinger Bucht.“

An seine Seite gesellt hatten sich der Golsmaaser „Prinz“ Matthias Liebenstein aus Maasholm, Erzieher am Nicolaiheim in Kappeln, und der „Bauer“ Torben Kablau aus Steinfeld, der im Alltag als geschäftsführender Bademeister im Ellenberger Hallenbad fungiert.

Als das Dreigestirn unter dem Jubel der Jecken in den Festsaal einzog, erledigten sie zunächst die Aufgabe, mit Kamelle um sich zu werfen. Jungfrau Thomas entfaltete eine Schriftrolle und verlas den Willkommensgruß. Dieser endete mit den Zeilen: „Das Dreigestirn wünscht euch viel Spaß beim Karneval im Dorf Golsmaas.“ Die Antwort der „Untertanen“ waren drei donnernde Salven und der kollektive Freudenschrei „Golsmaas Alaaf“. Mit schmissigen Klängen wartete der erstmals ebenfalls kostümierte Spielmanns- und Fanfarenzug aus Satrup auf. Unter den „pfeifenden Musikanten“ gab eine krummnasige Hexe den Ton an. Zu später Stunde traten noch zwei Büttenredner auf, und die Jecken tanzten zu den Melodien, die DJ Marco präsentierte.

Präsident Schmidt braucht sich um die Zukunft der Veranstaltung keine Sorgen zu machen. „Viele Leute haben sich schon für die Sitzung im nächsten Jahr angemeldet“, verriet er. Beim 16. Treffen unter dem Motto „Karneval-Lüste stürmen die Küste“ bewiesen die närrischen Nordlichter erneut, dass sie sich mit ihrer Begeisterungsfähigkeit für Jux und Tollerei nicht hinter den Rheinländern verstecken müssen. Zwar hat es um die Jahrtausendwende etwas gedauert, bis das bunte Treiben in Ostangeln als neues Kulturgut Fuß fassen konnte. Doch längst gilt das Geschehen in der nördlichsten deutschen Jecken-Hochburg im Jahreskalender als unverzichtbares Winter-Spektakel.

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