Am Rande einer Clan-Fehde

Schwer bewaffnete Polizisten 2016 vor dem Sultan-Markt. Das Geschäft war ein wichtiger Versorgungspunkt in der Neustadt.
Schwer bewaffnete Polizisten 2016 vor dem Sultan-Markt. Das Geschäft war ein wichtiger Versorgungspunkt in der Neustadt.

Scharfe Schüsse, Flucht nach Haftbefehl, Festnahme durch SEK-Kräfte: Kieler Totschlagsfall begann in Flensburg

shz.de von
20. Juni 2018, 07:13 Uhr

Was für ein Kreis mag sich da geschlossen haben, in Börßum, am Oderwald? Am Sonntag um 16.32 Uhr umstellte ein schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando des LKA Niedersachsen ein Wohnhaus in Börßum und nahm einen 38 Jahre alten Mann fest, der erst in Flensburg und zuletzt auf der A 215 bei Kiel für Alarm gesorgt hatte und wegen versuchten Totschlags zur Fahndung ausgeschrieben war.

Sicher ist: Für die Anwesenheit bewaffneter Spezialkräfte gab es guten Grund. Der Kronshagener mit arabischen Wurzeln hatte sich Pfingstmontag in seinem Porsche mit einem anderen Autofahrer auf der A 215 eine wilde Verfolgungsjagd geliefert und zwei Schüsse auf den Wagen abgefeuert. Im Hintergrund des Geschehens vermuten Ermittler eine Clan-Fehde.

Der Schütze tauchte danach unter, die Polizei blieb ihm aber auf den Fersen. Zivilfahnder lokalisierten den Libanesen in dem 2000 Einwohner großen Ort Börßum nahe Wolfenbüttel, wo er sich bei Angehörigen seines Clans aufgehalten haben soll. Bei der Festnahme gab es keinen Widerstand, teilte Axel Bieler, Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft gestern auf Anfrage mit. Flensburg scheint bei den Auseinandersetzungen nur am Rande eine Rolle zu spielen. Wie die Online-Ausgabe der Kieler Nachrichten berichtete, sind die beiden verfeindeten Clans im Kieler Vorort Kronshagen beheimatet, wo es immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt.

Gleichwohl war auch Flensburg wenigstens zwei Mal Tatort. Spektakulär am 20. November 2016, als ebenfalls eine Waffe im Spiel war und ein SEK der schleswig-holsteinischen Landespolizei im Einsatz. Im Sultan-Markt, einem Einkaufszentrum in der Neustadt, waren Schüsse gefallen, die Polizei war über Notruf 110 alarmiert worden. Im Zentrum des Geschehens identifizierten die Einsatzkräfte den jetzt festgenommenen 38-Jährigen. Aber der Tatort lieferte nach der Einnahme durch stark geschützte SEK-Kräfte ein eigentümliches Bild. Es wurden Patronenhülsen gefunden, aber es blieb unklar, auf wen oder was gezielt worden war. Der 38-Jährige gab überdies an, selbst die Polizei alarmiert zu haben. Nähere Angaben kamen jedoch nicht, der Mann war offensichtlich in einem psychischen Ausnahmezustand, wie die Polizei es später formulierte. Die Herkunft der scharfen Waffe blieb ungeklärt, einen Waffenschein konnte der Libanese nicht vorweisen, er wurde zunächst dem sozialpsychiatrischen Dienst vorgestellt und dann wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der zweite Vorfall ereignete sich am 5. Februar in diesem Jahr. Um 15.40 Uhr kam es wieder im Sultan-Markt zu einem Streit mit dem Libanesen als Opfer. Er musste nach einem rüden Rempler eines Unbekannten mit schweren Kopfverletzungen in die Diako – die Kieler Nachrichten berichten unter Berufung auf Ermittlerkreise, dieser Vorfall im Kieler Bereich habe wiederholt zu gewalttätigen Zwischenfällen geführt.

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