Verkehr in Flensburg : Am Neumarkt noch nichts Neues

Blick aus dem Rathaus auf den Neumarkt: Die unfallträchtige Einmündung Husumer Straße ist rechts hinten zu sehen.
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Blick aus dem Rathaus auf den Neumarkt: Die unfallträchtige Einmündung Husumer Straße ist rechts hinten zu sehen.

Fünf Monate nach tödlichem Radfahrer-Unfall ist entgegen anderslautender Ankündigungen alles beim Alten geblieben – noch

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13. Februar 2018, 06:12 Uhr

Wiedervorlage – so heißt in der Verwaltung, der Politik oder bei der Justiz die Strategie, eine Akte vor dem Vergessen zu bewahren. Die Tageblatt-Redaktion holt sich auch 2018 wieder öffentliche Vorgänge „auf Wiedervorlage“, das heißt, sie fragt nach, was aus diesem oder jenem Thema geworden ist. Heute: die Verkehrssituation rund um den Neumarkt.

Am Donnerstag wird die Ratsversammlung voraussichtlich beschließen, das Gebiet für die vorbereitenden Untersuchungen zum geplanten Sanierungsraum „Westliche Altstadt“ zu vergrößern. Es geht um eine minimale Erweiterung des seit Dezember 2015 bestehenden Planungsbereichs um den Neumarkt und die Schützenkuhle – mit potenziell maximalen Folgen.

Den Anstoß für diese Entwicklung gab ein tragischer Verkehrsunfall am Morgen des 4. September. Beim Rechtsabbiegen in die Husumer Straße übersah ein Lkw-Fahrer die Vorfahrt eines parallel auf dem Radweg der Schützenkuhle fahrenden Schülers und verletzte den 14-Jährigen tödlich.

Der tragische Unfall rückte im Schwange stadtweiter Trauer und Betroffenheit die Funktionalität und Sicherheit von Flensburgs wohl meistbefahrenem Verkehrsknoten schlagartig ins Licht. Oberbürgermeisterin Simone Lange machte das Thema zur Chefsache, die Beschlussvorlage ist fünf Monate danach die erste unmittelbare Folge.

Langes Sprecher Clemens Teschendorf sieht damit eine wichtige Teilstrecke erfolgreich absolviert. „Wir haben seither – auch mit Kiel – eine Menge Gespräche geführt. Wir stellen mit diesem Antrag sicher, dass wir eine volle Förderkulisse im Hintergrund haben, wenn wir da reingehen.“

Und das ist erklärte Absicht. „Es dürfte allen klar sein, dass die Verkehrsführung am Neumarkt gelinde gesagt suboptimal ist“, sagt der Verwaltungssprecher. Sollte die Vorlage wie zu erwarten auch im Rat eine Mehrheit finden, wird der Verkehrsknoten im Rahmen der Voruntersuchungen erfasst und bewertet. „Wir werden uns Verkehrsflüsse, Verkehrsbewegungen, Verkehrsteilnehmer anschauen“, sagt Teschendorf. Was er nicht sagen kann, ist, wie schnell das gehen wird. Eine schnelle Reaktion aber ist überfällig, findet die CDU-Fraktion. Karsten Sörensen, als Bürgerschaftliches Mitglied im Fachausschuss Bürgerservice, Schutz und Ordnung für die Christdemokraten tätig, kündigt für die nächste Sitzung (28. März) eine Initiative zum Thema Radwegesicherheit an – auch, weil sich seiner Ansicht nach die Verwaltung mit Eilmaßnahmen zu sehr zurück gehalten hat. Sörensen nennt aus dem Stegreif drei Einzelmaßnahmen, die bei überschaubaren Kosten schnell für mehr Sicherheit sorgen könnten und Teil der Beschlussvorlage sein sollen:

> Fahrradampeln nach Kieler Vorbild, die Radfahrern an wichtigen Kreuzungen 30 Sekunden Vorsprung vor dem Autoverkehr geben;

> farbliche Hervorhebung von Radwegen in gemischten Verkehrszonen mit reflektierenden Piktogrammen;

> Vorverlegung von Radfahrer-Haltepunkten um die schwächeren Verkehrsteilnehmer für den Autoverkehr ins Sichtfeld zu verlagern.

Möglicherweise kommt rechtzeitig zur Sitzung noch ein neuartiges Flensburger Sicherheitsprodukt auf den Tisch. Schon 2010 hatte der Erfinder und Unternehmer Walter Budde ein „Fahrrad-Radar“ entwickelt, das für Autofahrer diesen gefährlichen toten Winkel überbrücken sollte. Seine Erfindung konnte sich damals nicht durchsetzen. Jetzt hat Budde – auch aus Anlass des tragischen Unfalls – ein neues Warnsystem entwickelt, das bereits in Lizenz gebaut und unter dem Namen „Flash-Bike“ verkauft werden soll. Oberbürgermeisterin Simone Lange habe sich im Gespräch mit ihm sehr aufgeschlossen gezeigt, so Budde. Am 21. Februar will sie sich das neue Warnsystem vorstellen lassen.

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