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Denkmalschutz in Flensburg : Am Bahnhof: Rettung der Köpfe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Deutsche Bahn beauftragt die Restauratorin Malaika Krohn mit der Reparatur und der Sicherung der Terracotta-Verzierungen

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Der Verfall der Ziegelton-Köpfe an der Fassade des Flensburger Bahnhofs soll ein Ende haben – Rettung naht. Die Deutsche Bahn AG hat eine Restauratorin damit beauftragt, die Schmuckstücke wieder herzustellen und – soweit noch nicht beschädigt – vor dem Verfall zu sichern. Damit sind die Flensburger Denkmalpfleger am Ziel ihrer Bemühungen, mit der DB einen weiteren Substanzverlust zu vermeiden und die Schäden wieder auszubessern – wenn auch aus Zeitmangel und Witterungsgründen wahrscheinlich erst im Dezember und im nächsten Jahr. Vielleicht wird die Reparatur-Aktion ein nachträgliches Geschenk zum 90. Geburtstag des Bahnhofes, der am 1. Dezember im Kalender steht.

Der Kontrast kann drastischer nicht sein: Hier das charmante Gesicht der jungen Restauratorin Malaika Krohn und ihr gegenüber die grimmigen Gesichter, die die Fassaden eigentlich schmücken sollen – wenn sie nicht zu sehr beschädigt sind. Die Entstellungen durch Wind und Wetter haben die Gesichter grauenvoll zugerichtet – in der Dämmerung können sie den Betrachter das Fürchten lehren.

Dabei sollten sie eigentlich einen guten Zweck erfüllen. Die Gesichter zeigen in drei verschiedenen Varianten den griechischen Gott Hermes, der in der Antike als Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden und der Kaufleute galt. Sein römischer Götter-Kollege trägt den Namen Merkur.

Seit 2011 stellten die Flensburger Denkmalpfleger fest, dass Hermes die Gesichtszüge entgleisten. Risse sprengten Nasen, Stirn und Wangen, ganze Gesichtshälften platzten weg, rauschten in die Tiefe und zersplitterten auf dem Bürgersteig. So die Situation zum Bahnhofs-Vorplatz hin. An der Gleisseite schlugen die Trümmervisagen auf einem pappegedeckten Vordach auf und sind für eine Reparatur noch zu gebrauchen.

Vereinfacht wird die Restaurierung durch die Tatsache, dass nicht jeder geformte Kopf ein Einzelstück ist, sondern dass der Hamburger Künstler Richard Kuöhl bei ihrer Anfertigung eifrig kopiert hat. So gibt es den Hermes-Kopf mit Locken, eine Ausführung, bei der die Haarpracht in neckischen Flügeln mündet und eine Version mit Helm. Jede Variante hängt in fünffacher Ausfertigung an den Fassaden. Es ist kein Unikat zerstört worden.

Und nun? Malaika Krohn hat sich das Malheur vor Ort angesehen. Sie empfiehlt: Runter mit den Dingern von der Wand. In der Werkstatt kann sie dann die Gesichter wiederherstellen und prüfen, wie künftige Beschädigungen zu vermeiden sind. Erst muss allerdings geklärt werden, wie die Köpfe aus ihrer Verankerung gelöst werden können. Malaika Krohn geht davon aus, dass sie dafür auf einem Gerüst oder auf einer Hebebühne arbeiten muss. Auch wenn der November mit seinen Stürmen dafür eine kritische Zeit ist und noch Aufträge vorher zu erledigen sind, hofft Malaika Krohn darauf, an die Terracotta-Köpfe im Dezember Hand anzulegen. Die Deutsche Bahn hat ihr den Auftrag erteilt. 

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