Verfall am Bahnhof : Altes Stellwerk in Flensburg: Auf dem Weg zur Ruine

Ein Bild des Verfalls: Das Stellwerk an der West-Ausfahrt des Bahnhofs.
Ein Bild des Verfalls: Das Stellwerk an der West-Ausfahrt des Bahnhofs.

Seit den 1990er Jahren ist es stillgelegt, nun verfällt es: Das markante Stellwerk der denkmalgeschützten Bahnhofsanlage.

shz.de von
21. März 2018, 06:41 Uhr

Wildwuchs kann eine Gnade sein. Immerhin verdeckten die wild wuchernden Büsche und Bäume neben den Gleisen das Elend wenige Meter dahinter: das alte Stellwerk „Fw“ (Flensburg-West), das still, heimlich und unbeobachtet hinter dem Grün zur Ruine mutierte. Trauriges Schicksal eines Gebäudes, das zum Gesamt-Denkmal Bahnhof gehört und um dessen Erhaltung sich die Denkmalpfleger seit Jahren bemühen.

Kaum ein Fenster, das nicht eingeschlagen ist, Regen und Wind können ungehindert eindringen und den Verfall beschleunigen. Das Dach eines kleinen Anbaus ist eingestürzt – ein Hinweis auf die Entwicklung, die das gesamte Gebäude nehmen kann. Die Deutsche Bahn zum Zustand des Stellwerks: „Eine Instandsetzung ist nicht geplant, da das Gebäude nicht genutzt wird.“

Das ist das Problem des Stellwerks: Seit das elektronische Stellwerk in den 1990er Jahren in Weiche in Betrieb genommen wurde, sind die alten Vorgängerbauten schlichtweg überflüssig. Das gilt für das Stellwerk „Fw“ an der Ausfahrt der Bahnhofsgleise Richtung Hamburg wie auch für das markante Reiterstellwerk Flensburg Ost („Fo“), das die beiden Bahnsteiggleise für den Dänemark-Verkehr überspannt.

Aus diesen beiden Stellwerken wurden einst die Weichen in Sichtweite gestellt, während das moderne elektronische Stellwerk den gesamten Bahnhof steuert – sowie Anlagen an den Strecken nach Hamburg, Kiel und Pattburg. Weil die ganze Bahnhofsanlage wegen ihres architektonischen Wertes unter Denkmalschutz steht, dürfen die alten Stellwerksgebäude nicht abgerissen werden, wie es mit den Stellwerken in Flensburg-Weiche geschah.

Flensburgs Denkmalschützer Eiko Wenzel beschrieb im Architekturführer „Zeitzeichen“: „Erhalten, aber seit 1995 außer Betrieb und dadurch stark gefährdet sind auch zwei Stellwerke: das Stellwerk Fw (westlich; 1926/27) und das markante Reiterstellwerk Fo (Reichsbahnrat Eitner, Altona, 1925/26) mit einer der ersten für die Deutsche Reichsbahn geschaffenen elektromagnetischen Stellanlagen.

1994 gab es Hoffnung auf eine weitere Nutzung der Gebäude, die eine sinnvolle Erhaltung ermöglicht hätte: Die Flensburger Schienenfreunde hatten die Idee, das Stellwerk für einen symbolischen Preis von der Bahn zu kaufen und als Vereinsheim zu nutzen. Doch der Bahn war der Gedanke suspekt, dass die Gleisanlagen mit nur wenigen Schritten für Nicht-Eisenbahner erreichbar waren – sie lehnte ab. 1995 ermahnte das Landesdenkmalamt die Bahn, sie sei zur Unterhaltung des Stellwerks verpflichtet. Die Reaktion war ein Abrissantrag – der wurde abgelehnt. Das gleiche Spiel, Abrissantrag und Ablehnung, wiederholte sich 2003/2004. Positive Aussichten für das Stellwerk gibt es derzeit nicht.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen