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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 18:55 Uhr

Altersschwaches Nadelöhr

vom

Die Folgen der A7-Sperrung für Lkw reichen bis ins tiefe Angeln / Denkmalgeschützte Brücke Lindaunis ächzt unter Schwerlastverkehr

Boren | Das Verkehrschaos, das am vergangenen Wochenende durch die Sperrung der Rader Autobahnhochbrücke für Lastwagen ausgelöst wurde, wirkt sich auch abseits der Hauptverbindungsstrecken aus, die als Ausweichrouten empfohlen werden. Es sind längst nicht nur die Bundesstraßen im Kreisgebiet, die durch den Brummi-Verkehr verstopft werden, sondern auch ländliche Verbindungen. Ein besonderes Nadelöhr ist die ohnehin sanierungsbedürftige Brücke über die Schlei bei Lindaunis im Zuge der Landesstraße 283. Die wechselseitig von Regionalbahn und Autoverkehr genutzte und denkmalgeschützte Brücke zwischen Angeln und Schwansen aus dem Jahr 1927 verfügt über eine Fahrspur, die kaum breiter ist als ein Lkw.

Obwohl keine offiziell empfohlene Umleitungsstrecke, wird die Schleibrücke von Lindaunis seit der Sperrung der Rader Hochbrücke in verstärktem Maße von schweren Fahrzeugen befahren. Zeitweise staut sich der Verkehr bis hinter die Bahnschranke zurück. Verstärkt wird das Verkehrsaufkommen in diesen Tagen noch durch die Schausteller, die nach Brarupmarkt mit ihren Fahrgeschäften, Verkaufsständen und Wohnwagen ebenfalls über Nebenstrecken zum nächsten Jahrmarkt reisen.

Patrick Reinhard, Fahrer eines Schweinetransporters, wurde gestern vor der Brücke auf eine Geduldsprobe gestellt. Er transportierte Tiere von Sörup nach Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Normalerweise wäre er über die A 7 gefahren. Jetzt aber wich er auf die Strecke über Eckernförde aus. Die Bundesstraße 76 war gestern keine Alternative, weil auch diese noch saniert wird. Und da die Brücke über die Schlei eine Begrenzung der Achslast auf zehn Tonnen hat, war er mit seinen fünf Achsen und einem Gesamtgewicht von etwa 38 Tonnen auf der sicheren Seite. Gleichwohl: Seine Tour dauerte gestern 1,5 Stunden länger als normalerweise.

Und während die Brücke den normalen Pkw-Verkehr klaglos zu verkraften scheint, geraten die Bodenplatten unter dem Gewicht des Schwerlastverkehrs doch deutlich in Bewegung. Bei der Deutschen Bahn AG, der Besitzerin der Brücke, sieht man hier zwar keine akute Gefahr, aber doch eine auf Dauer bedenkliche Entwicklung. "Die schweren Fahrzeuge beschädigen durch die stärkere Nutzung unter anderem die Halterungen dieser Bodenplatten", erklärte dazu Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. Fast wöchentlich stünden Reparaturarbeiten an. Es gebe derzeit Überlegungen, deshalb mit den Straßenverantwortlichen des Landes Gespräche zu führen. Denkbar wäre eine Einschränkung der Brückenbelastung. Denn man wolle auf jeden Fall weiterhin einen zuverlässigen und sicheren Auto- und Zugverkehr gewährleisten - und zar bis zur vollständigen Erneuerung oder bis zu einem Neubau der Brücke, so Meyer-Lovis.

Denn mit großzügigen Sanierungsarbeiten ist an der Lindaunisser Brücke nicht mehr zu rechnen. Inzwischen steht ein Konzept, das für die Schleiquerung einen zweispurigen Neubau mit angehängtem Radweg vorsieht. Minister Reinhard Meyer hatte kürzlich bei einem Ortstermin an der Brücke einen Beginn der planungsrechtlichen Absicherung für das nächste Jahr zugesagt. Daraus kann man vorsichtig einen Beginn der Bauzeit für das Jahr 2015 ableiten und einen Fertigstellungstermin für 2018. Aber bis dahin gilt es, dieses wichtige verkehrstechnische Bindeglied für Wirtschaft und Tourismus zwischen Angeln und Schwansen zu erhalten. Und anhaltend intensiver Lkw-Verkehr ist für diese altersschwache Brücke nach Expertenansicht kaum lebensverlängernd.

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erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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