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Luftschlossfabrik und Steuerbescheide : Alternative und Fakten: Die Flensburger Woche im Rückblick

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Themen haben Flensburg diese Woche geprägt: Der Luftschlossfabrik-Trauerzug und verschwundene Steuerbescheide.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2017 | 09:25 Uhr

 „Don’t be so overly dramatic about it, Chuck. What ... You’re saying it’s a falsehood. And they’re giving Sean Spicer, our press secretary, gave alternative facts to that. . .“(Kellyanne Conway, Trump-Flüsterin)

Was folgt den Luftschloss-Fabrikanten?

Ein Jahr ist es jetzt her, dass die Stadt das zuletzt als „Luftschlossfabrik“ bekannte besetzte Gelände der nie gebauten Flugbootefabrik polizeilich räumen ließ. Die Notwendigkeit wurde davor und ganz besonders danach mit dringendem Eigenbedarf begründet. Hier, an Flensburgs schönster Harniskaispitze, wollte die Stadt nämlich lange schon eine blühende Landschaft erschaffen, Bürgerteilhabe und Kreativität, Kultur, Kurzweil, Lustigkeit bei Grillwurst und Bier für Jung und Alt, mit Yang und Ying. Das ist, man darf es so sagen, mehr oder minder geglückt. Gestern stattete zum Jahrestag ein Verband der damals Vertriebenen unter Anführung des grünen Berufsjugendlichen Rasmus Andresen dem Gelände einen Besuch ab und kam aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus. Denn Flensburg hat seit jenem dramatischen Ereignis in der Tat ganz eindrucksvoll gezeigt, dass eine professionelle und versierte Verwaltung mit Leichtigkeit tausendmal bessere Luftschlösser bauen kann als selbst die linkstautonomsten Träumer. Der reichhaltige Instrumentenkoffer der Fachverwaltungen erlaubte eine sehr tiefgründige, dank modernster postfaktischer Datenerhebung und -verarbeitung enorm großzügige Umsetzung zahlreicher per Bürgerbefragung (Online first!) ermittelter Bedarfe. Die federleichte Ausführung lässt das Gelände trotz der Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten total transparent und fast ein wenig schwerelos wirken. Nichts verstellt den Blick, außer die eigene Fantasie. Manch ein autonomer Besucher musste eine total autonome Träne wegdrücken und insgeheim Abbitte bei der völlig zu Unrecht gescholtenen Stadt leisten: So toll hätten wir das nicht hingekriegt. Echt nicht! Und was lernen wir daraus? Wenn’s besonders schön geworden ist, akzeptieren auch Alternative Fakten.

Tausende Steuerbescheide spurlos verschwunden

Schlimme Zeiten sind das, übel und gefährlich. Da wartet man treu und brav auf seinen Grundsteuer B-Bescheid und bekommt ihn nicht. Er kommt einfach nicht. Verhöhnt den Wutbürger, der gegen die Fremdbestimmung anwüten will, sein Empörungsmotor dreht auf Höchsttouren, nur dass keiner den Gang einlegen kann. Alles muss raus. Die Post wird verdächtigt. Natürlich. Reflexartig. Wenn’s gepasst hätte, wäre sicher auch noch die Bahn dran gekommen. Nicht mehr lange, und die Krise hätte die Landesebene erreicht. Man weiß, wie schnell das geht. Keilereien, Parteigezänk, Rücktrittsforderungen, Erosion des Vertrauens in die politischen Institutionen, das Böse gewinnt. Und hallo? Was vermeldet mit drei Wochen Verspätung die Grundsteuerbehörde? Es war nicht die Post, nicht die Bahn, nicht Kiel. Es war ein Computerfehler. Haha! Da waren doch sinistre Mächte am Werk! Wir wissen alle: Putins Hacker üben für die Bundestagswahl. Okay. Simone Lange ist denen durchgeflutscht. Ein Fehler, ganz klar. Eigentlich wollten die Russen ihren Agenten Manfred Müller-Sikorsky als Verwaltungs-Chef implantieren. Hat aber nicht geklappt. Waren zu sehr mit Clinton beschäftigt, die Hacker. Dass sie jetzt aber in Flensburg mit der Grundsteuer erstmals ihre Visitenkarte zeigen, lässt das Schlimmste befürchten. Oder das Beste. Entwarnung! Geht weiter, Leute. War Fake News, das mit der Grundsteuererhöhung. Vermutlich ist draußen eine andere Wirklichkeit. Vielleicht sind wir im falschen Drinnen. Vermutlich ist draußen alles immer noch bei 480 Prozent. Und wenn nicht – abwarten. Manfred Müller-Sikorski wird’s schon richten. Spätestens nach der nächsten OB-Wahl.

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