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Flensburger Tageblatt

17. August 2017 | 21:06 Uhr

Husby : Alter Turm in neuem Glanz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Außensanierung von St. Vincentius in Husby ist abgeschlossen.

Husby | Neu verfugt wie für die Ewigkeit symbolisieren die wuchtigen Granitquadersteine der evangelischen Kirche St. Vincentius in Husby den Geist der Standfestigkeit Martin Luthers: Rechtzeitig im 500. Jubiläumsjahr der Reformation wurde in diesen Tagen die Turmsanierung an einer der markanten Angeliter Kirchen abgeschlossen.

„Unser historisches Gotteshaus hat endlich den Regenmantel ausgezogen“, atmet die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Kirsten Jacobsen, erleichtert auf. „Und unsere Brautpaare sind froh, dass jetzt keine Gerüste und Abdeckplanen mehr auf den Fotos sind“, lacht Pastor Hans-Christian Gerber: „Unser Wahrzeichen erscheint wieder in voller Schönheit.“ Noch dürfen maximal nur zwei der drei Husbyer Glocken gleichzeitig erklingen. Die Turmstabilität ist nämlich weiterhin leicht gefährdet, so Pastor Gerber. Volles Geläut sei erst wieder möglich, wenn bei der bevorstehenden Innensanierung einige morsch gewordene tragende Balken ausgetauscht worden sind.

Einen wesentlichen Stabilisierungsbeitrag leisteten die „Injektionen“ von rund 50 Tonnen Flüssigbeton in größere Hohlräume, die sich innerhalb der vergangenen gut vier Jahrzehnte durch Auswaschungen im Fundament- und Sockelbereich ergeben hatten. Damit ist auch eine Schieflage des Turms verhindert worden, der sich vermutlich aufgrund der Trockenlegung des Markeruper Moores (1972) leicht in Richtung Westen gesenkt hatte.

Die Ursprünge von St. Vincentius reichen auf die Jahrzehnte um 1200 zurück; die erste Phase des Turmbaus auf die spätgotischen Jahre um 1350. Das haben die jüngsten Gutachten ergeben. Anhand von eichenhölzernen Bauteilen konnte dieses Turm-Alter von fast 700 Jahren datiert werden. 1599 war der Dachstuhl durch Blitzschlag zerstört und 1601/04 neu hochgezimmert worden.

Für den größten Teil der rund dreijährigen Sanierungszeit versteckte sich der mächtige Kirchturm fast unsichtbar hinter wetterfesten Planen. Denn erneute Feuchtigkeit durfte in den vergangenen Monaten in die freigelegten Fugenritzen nicht mehr eindringen, um die Trocknung des Mauerwerks zu gewährleisten. Diesem hatte vor allem das Regenwasser zugesetzt, das im Land an den Meeren oft ein wenig salzhaltig ist und ungehindert über Jahrhunderte an den Außenwänden nagen konnte. Deshalb wurde zu Sanierungsbeginn 2014/15 das Turmdach im unteren Bereich neu eingedeckt, nachdem die den Turmhelm tragende hölzerne Mauerlatte komplett erneuert werden musste. Pastor Gerber: „Diese bestand an der Nordseite quasi nur noch aus Holzmehl.“ Der jetzt erweiterte neue Dachüberstand sorgt dafür, dass kein Wasser mehr an den Steinwänden entlangläuft.

Der Turm-Restaurierung gingen vor fünf Jahren umfangreiche Voruntersuchungen zur Klärung der Bauhistorie und Schadenssituation voraus. Die aktualisierte Expertise basiert auf den neuesten Erkenntnissen aus den Kernbohrungen und Ergebnissen der dendrochronologischen Erforschungen der Hölzer. Die neuen Befunde ergänzen die Baualters-Kartierung anlässlich der Restaurierung der Kirche von 1952.

Nach Angaben von Pastor Gerber belaufen sich die bisherigen Kosten der Sanierung auf 345  000 Euro. Diese wurden vom Kirchenkreis, aus Zuschüssen des Landes, von der Landeskirche sowie aus Gemeindespenden finanziert. Nun wird mit Spannung auf die nächste Etappe geblickt: Für die Innensanierung des Turms sind ebenfalls 345  000 Euro eingeplant. Gerber: „Die Finanzierung steht bereits, und zwar 250  000 Euro vom Kirchenkreis und 95  000 Euro von unserer Gemeinde; die Ausschreibungen laufen noch.“

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erstellt am 27.Jul.2017 | 14:07 Uhr

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