Alter Querspeicher wird Haus der Minderheiten

Idyllischer Kaufmannshof: Der Seitenflügel (l.) wurde saniert und wird jetzt bewohnt, der Querspeicher mit dem Knick im Dach (hinten) soll das Minderheitenhaus werden.
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Idyllischer Kaufmannshof: Der Seitenflügel (l.) wurde saniert und wird jetzt bewohnt, der Querspeicher mit dem Knick im Dach (hinten) soll das Minderheitenhaus werden.

Mit Rückenwind aus Berlin soll das Projekt Flensburgs Rolle als Stadt nationaler Volksgruppen stärken

shz.de von
11. Februar 2016, 18:34 Uhr

Der Querspeicher im Hinterhof stammt aus dem 18. Jahrhundert und steht wie der gesamte Hof unter Denkmalschutz. Er ist ausgesprochen typisch für die Altstadt, dabei aber gleichzeitig einer breiten Öffentlichkeit unbekannt, weil ohne Nutzung. Das kann sich aber bald ändern: Der Speicher mit der Adresse Norderstraße 78 hinter dem deutlich bekannteren früheren Laden von C. C. Petersen soll das „Haus der Minderheiten Europas“ werden – mit finanzieller Unterstützung aus Berlin.

Urheber der Idee und Träger des Projekts ist Sydslesvigsk Forening (SSF), der Kulturträger der dänischen Minderheit. Der Speicher grenzt mit seiner Südseite an den Hof von Flensborghus, der überwiegend als Parkplatz genutzt wird. „Das Haus der Minderheiten soll integriert werden in den Flensborghus-Komplex“, sagt Jens A. Christiansen, Generalsekretär von SSF. Geplant sei ein „Informations- und Dokumentationszentrum“ zum Thema Minderheiten, das aber gleichzeitig auch von den Bürgern der Stadt als Ort der Begegnung genutzt werden könne.

Christiansen kann sich sogar vorstellen, Konfliktparteien aus europäischen Grenzregionen einzuladen, um sie im Haus der Minderheiten zu einem „positiven Dialog“ zu animieren. Die in Flensburg beheimatete Föderalistische Union europäischer Volksgruppen (FUEV) soll im Haus untergebracht werden und es mit Leben erfüllen.

Das Haus der Minderheiten gehört zum städtebaulichen Großprojekt deutsch-dänische Kulturachse zur Sanierung wichtiger Bausteine der Flensburger Altstadt zwischen Deutschem Haus und Flensborghus. Mittlerweile gibt es erste Förderzusagen, doch ausgerechnet das Haus der Minderheiten war nicht bedacht worden. Dass es jetzt doch gute Chancen zu seiner Realisierung gibt, liegt nicht zuletzt an einem Zuschuss von 600  000 Euro, den der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Verfügung stellt. Damit reduzieren sich die Gesamtkosten in Höhe von 2,74 Millionen Euro auf 2,14 Millionen, von denen Dänemark 1,37 Millionen tragen soll.

Die Stadt Flensburg soll Umbau und Sanierung des Speichers und des benachbarten Hofes von Flensborghus mit 274  000 Euro fördern. Dienstag hat der Umwelt- und Planungsausschuss dem zugestimmt, heute soll der Finanzausschuss darüber entscheiden. Regelrecht begeistert zeigte sich im Ausschuss CDU-Vertreter Arne Rüstemeier: „Das ist das, was Flensburg ausmacht. Die Sicherung des Friedens – das leben wir hier in Flensburg! Das Projekt stärkt die Marke Flensburg.“

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