Flensburg : Alte Mühle sucht neuen Liebhaber

Der Johannismühle fehlen immer mehr Holzschindeln. Flügel und Kappe hat sie lange nicht mehr. Im Vordergrund das Müllerhaus. Foto: jol
Der Johannismühle fehlen immer mehr Holzschindeln. Flügel und Kappe hat sie lange nicht mehr. Im Vordergrund das Müllerhaus. Foto: jol

Seit elf Jahren kündigt Hans-Werner Urbschat immer wieder Sanierungsinitiativen für die Johannismühle an - jetzt denkt er erstmals an Verkauf

shz.de von
07. September 2011, 06:26 Uhr

Flensburg | Wenn der Verfall der Johannismühle mit ihrem Holzschindelkörper so weiter geht wie zuletzt, wird sie 2012 beim "Tag des offenen Denkmals" wohl mitgenannt werden müssen: So marode und allzu notdürftig geflickt ist die Außenhaut der letzten historischen Windmühle auf der Ostseite der Förde. Wer in Flensburg am Wochenende beim Tag des Denkmals wirklich öffnet, will die Stadt heute im Kompagnietor vorstellen. Fest steht: Wieder einmal wird die Johannismühle nicht dabei sein.

Als Hans-Werner Urbschat die Mühle im Jahr 2000 von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobau übernahm, schien der zweite Frühling des Galerieholländers von 1808 gekommen zu sein. Mit dem Müllermeister Walter Skau hatte er einen Enthusiasten gewonnen, der hier einen echten Windmühlen-Mahlbetrieb starten wollte. Doch Skau wurde in den Mühlen von Justiz und Bürokratie zerrieben, nachdem ein Nachbar gegen die gewerbliche Nutzung geklagt hatte - und die Hängepartie sich hinzog, bis Skau die Puste ausging. "Dass wir damals den Müller Skau verloren haben, ist tragisch für Flensburg", sagt Eigentümer Urbschat. Was er nicht sagt, ist, dass er bereits damals seine Verpflichtungen aus den Kaufverträgen mit der Wobau in puncto Sanierung von Kappe und Flügeln nicht erfüllt hatte. Nach Tageblatt-Informationen hatte die Wobau sich sogar das Rückkaufrecht für das 128 000 Euro teure Schnäppchen nach zwei Jahren zugesichert. Doch die Wobau machte von der Option keinen Gebrauch, sodass der Zerfall seinen Lauf nahm. Nach dem Auszug der Familie Skau 2004 passierte an der Mühle kaum mehr etwas. Der Mühlenkopf rostet bis heute auf der Wiese vor dem Müllerhaus vor sich hin.

Immer wieder hatte Urbschat Sanierungsinitiativen angekündigt, zuletzt im Jahr 2010 sogar 3000 Euro Unterstützung aus dem Denkmalschutzfonds der Stadt bewilligt bekommen.

Gestern kündigte er auf Anfrage einen neuen Anlauf an - "einen Fünf-Jahres-Plan", nach dem zuerst die große Galerie und danach die Schindelhaut erneuert werden sollen. Im kommenden Frühjahr könne es losgehen, hofft er. Der von ihm beauftragte Architekt Jürgen Raddatz, Spezialist für kniffelige historische Sanierungen, hört sich weniger optimistisch an: "Es ist alles sehr schwierig." Der Bauantrag sei bei der Stadt, noch nicht alle Papiere lägen vor.

Indes lässt Eigentümer Urbschat durchblicken, dass er den Spaß an der Johannismühle etwas verloren hat: "Wenn jemand das gerne machen würde, wäre ich bereit, ihm die Mühle zu übertragen", sagt er. Damals habe er das Denkmal nur aufgrund des Engagements von Müller Skau gekauft. Auch Architekt Raddatz glaubt: "Rein wirtschaftlich betrachtet, ist es nicht reizvoll. Man muss für die Mühle einen Liebhaber finden."Morgen: Wer beim "Tag des Denkmals" dabei ist

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