Alte Kirche mit imposantem Geläut

Auf dem Friedhof, der die St.-Marien-Kirche umgibt, ruhen  die Lehrer und Küster der örtlichen Familie Knüttel.  Foto: video-kopter.de
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Auf dem Friedhof, der die St.-Marien-Kirche umgibt, ruhen die Lehrer und Küster der örtlichen Familie Knüttel. Foto: video-kopter.de

Die dritte Folge unserer Kirchenserie befasst sich mit dem Gotteshaus in Norderbrarup und dessen einmaligem Wahrzeichen

shz.de von
17. Juli 2013, 03:59 Uhr

Norderbrarup | Die St.-Marien-Kirche zu Norderbrarup ist eine der ältesten im Kreis Schleswig-Flensburg. Sie entstand vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts auf einem Hügel am Nordrand des Dorfes. Auf dem Friedhof, der das Bauwerk umgibt, befinden sich ein 1923 errichtetes Kriegerdenkmal, die Grabstätte der örtlichen Familie Knüttel, in der vier Generationen Lehrer und Küster waren, sowie ein Grabmal von Margarethe Jacobsen, nach der die "Margarethenspende" benannt wurde. Dabei handelt es sich um einen Schrank mit Utensilien für die häusliche Krankenpflege, der von den jeweiligen Gemeindemitgliedern kostenlos genutzt werden konnte.

Wie viele andere Kirchen wurde St. Marien aus Granitsteinen erbaut. Ihr Wahrzeichen ist der 17 Meter hohe Glockenturm - der älteste in Schleswig-Holstein. "Er soll nun saniert werden, denn er gilt als akut einsturzgefährdet", erzählt Pastor Jörg Jackisch. "Deshalb läutet zurzeit auch nur eine der drei Glocken regelmäßig." Besonders beeindrucken die gewaltigen Eichenbalken mit einem Durchmesser von 52 Zentimetern. Auf Schieferdach ist der Dachreiter sichtbar, der im 17. Jahrhundert aufgesetzt wurde und ursprünglich zwei Glocken enthielt.

Der Eingang zum Kirchenschiff befindet sich im südlichen Vorhaus. Das reliefgeschmückte Tympanon, der halbkreisförmige Bogen oberhalb der Tür, fällt dort sofort ins Auge. Auf einer der zwei Säulen, die das Tympanon tragen, sitzt der Teufel, der scheinbar erdrückt wird, während unter der linken Säule ein Monster mit drei Menschen kämpft. Im Tympanon selbst ist der segnende Christus mit Petrus und Paulus abgebildet.

Beim Betreten der flachdeckigen Saalkirche richtet sich der Blick auf die spätgotische Marien-Pieta im ehemaligen Norderportal. Die Kanzel stellt in fünf szenischen Reliefs das Leben Jesu dar: die Verkündigung an Maria, seine Geburt, seine Kreuzigung, seine Auferstehung und seine Himmelfahrt.

Der Kirchenraum ist mit Ornamenten an Deckenbalken, Fensterleibungen und dem frei rekonstruierten Chorbogen geschmückt. Im Chorraum befindet sich unter anderem der spätgotische Flügelaltar. Dessen Mitte bildet der "Gnadenstuhl": Gottvater mit dem leidenden Christus, Maria mit dem Jesuskind und Georg, der einen Drachen tötet. Das bronzene Taufbecken wird von den vier Evangelisten getragen. Die Orgel entstand wesentlich später - 1887 in Apenrade, hergestellt durch die berühmte Werkstatt Marcussen. Bis 1959 stand sie über dem Altar; im Rahmen von Renovierungsarbeiten wurde sie auf die Empore an der Westseite versetzt.

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