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Flensburger Tageblatt

26. September 2017 | 18:15 Uhr

Kreisfrei : Als sich die Stadt vom Kreis lossagte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heute vor genau 125 Jahren bekam die Stadt Flensburg ihre jahrhundertealte vollständige kommunale Selbstständigkeit zurück.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Während der Kreis Schleswig-Flensburg gerade mit mehr als 150 geladenen Gästen in Schleswig sein 40-jähriges Bestehen feierte, lässt die Stadt Flensburg ein weit imposanteres Jubiläum schmucklos vorüberziehen. Vor heute genau 125 Jahren, am 1. April 1889, ist Flensburg kreisfreie Stadt geworden. „Vorausgegangen waren 20 Jahre Streit zwischen der Stadt Flensburg und dem Landkreis Flensburg“, erinnert Stadtarchivar Broder Schwensen im „Flexikon“, einem Lexikon für Flensburg. Nach der Einverleibung Schleswig-Holsteins hatte Preußen den Flensburgern 1867 ihre jahrhundertealte vollständige kommunale Selbstständigkeit genommen. Die damals sehr unterschiedlichen Interessen von Stadt und Land führten zur Benachteiligung Flensburgs, das gerade mal vier der 22 Kreistagssitze bekam, später sieben von 28. In schwierigen finanziellen, acht Jahre langen Verhandlungen mit dem Kreis bereitete Flensburg die Übernahme von Aufgaben wie der Polizeiaufsicht und der Staatssteuer vor. Schwensens Fazit: „Das Verhältnis zwischen Stadt und Land war für Jahrzehnte belastet, erschwerte die stadtnahen Eingemeindungen nach 1900 und fand einen fernen Nachhall auch in der Gebietsreform-Diskussion Ende der späten 1960er Jahre.

Und heute? Was wäre, wenn Flensburg seinen Status als kreisfreie Stadt verlieren oder freiwillig aufgeben würde? „Zunächst einmal hätte die Stadt weniger Aufgaben“, sagt Bürgermeister und Kämmerer Henning Brüggemann: Die Jugendhilfe, das Jobcenter, Ordnungsamt, Ausländerbehörde, Gesundheits- oder Lebensmittelveterinäramt sind solche Aufgaben, die nur ein Kreis oder eben eine kreisfreie Stadt erledigen kann – oder darf. Darüber hinaus hätte die nicht mehr kreisfreie Stadt zusätzliche Belastungen: „Bezogen auf den Wert für 2014 (77,4 Millionen Euro) wären das für Flensburg 28,1 Millionen Euro, die wir an Kreisumlage an einen Kreis zu zahlen hätten“, rechnet der Kämmerer vor. Und: Nur als kreisfreie Stadt kann Flensburg im Konzert von Kiel, Lübeck und Neumünster mitspielen: „In der Wahrnehmung in Kiel darf man das nicht unterschätzen“, findet der Bürgermeister – auch als Imagefaktor.

Allerdings diskutierte die Flensburger Politik auch schon mal anders. Im Jahr 2008/2009 war ein Teil der Stadtpolitiker auch schon bereit, die Kreisfreiheit wieder aufzugeben – wenn es sich finanziell lohnen würde. Zentraler Nachteil: Zentrale Aufgaben der Stadt würden durch eine andere Körperschaft geregelt, die Interessen der Fördestadt würden bei politischen und Verwaltungsentscheidungen weniger ins Gewicht fallen. Und noch etwas kann Bürgermeister Brüggemann für Flensburg in die Waagschale werfen: „Es ist gutachterlich belegt, dass wir Leistungen für die Bürger kostengünstiger anbieten können als der ländliche Raum.“ Und schließlich nehme man auch manche Aufgabe für das Umland wahr – vom Hallenbad über Frauenhäuser bis zur Berufsfeuerwehr, die in der Umgebung Einsätze fährt.

 

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