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Glücksburg : Als Schleswig-Holstein preußisch wurde

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

sh:z-Redakteur Frank Jung hielt vor der Historischen Gesellschaft in Glücksburg einen Vortrag über die schwierige Annäherung.

Glücksburg | Die schleswig-holsteinische Geschichte ist bekanntlich kompliziert. Um Klarheit bemüht war sh:z-Redakteur Frank Jung, als er eine Serie für das Wochenend-Journal über die Gründung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein vor 150 Jahren schrieb. Jetzt hielt er einen Vortrag über das Thema vor der Historischen Gesellschaft in Glücksburg.

Der Weiße Saal im Schloss war gut gefüllt, unter den Zuhörern waren der ehemalige Landrat Bogislav-Tessen von Gerlach, der frühere Vorsitzende des Sydslesvigsk Forening, Heinrich Schultz, und der Honorarkonsul von Hadersleben, Carsten Friis. Sie alle konnten sich ein Bild davon machen, wie es war, als der preußische König Wilhelm zum Antrittsbesuch in sein nördlichstes Territorium kam. Jung zeigte unter anderem ein Foto von der Möweninsel in der Schlei, wo eigens eine Holzattrappe der mittelalterlichen Möwenburg aufgebaut worden war. Obenauf wehte die preußische Fahne.

Zunächst, so Jung, waren die Schleswig-Holsteiner von der preußischen Übernahme nicht begeistert. Sie hatten nach der Loslösung von Dänemark 1864 die Hoffnung auf staatliche Eigenständigkeit mit dem Oberhaupt Herzog Friedrich VIII aus dem schleswig-holsteinischen Haus Augustenburg gehabt. Doch Preußens Machterweiterung konnten sie nicht aufhalten.

Bismarck setzte einen Schleswig-Holsteiner an die Spitze der neuen Provinz: Carl von Scheel-Plessen. Der war der Meinung, die Schleswig-Holsteiner müssten Preußen „lieben“. Gewöhnen mussten sich die Schleswig-Holsteiner an einen dreijährigen Wehrdienst, Steuern für jedermann und einen großen Verwaltungsapparat. Das Land wurde gleichmäßig in Kreise und Gemeinden gegliedert, die Judikative wurde von der Exekutive getrennt. Allein 85 Amtsgerichte gab es über das Land verteilt.

Ein Bau-Boom setzte ein: Verwaltungsgebäude, Gerichte, Kasernen, höhere Schulen und schließlich der Nord-Ostsee-Kanal. „Mit dem Jahrhundert-Bauwerk Kanal platzierte Preußen in Schleswig-Holstein ein deutsches Nationalsymbol. Dieser Prestigegewinn trug dazu bei, die Einheimischen für die geänderten Verhältnisse einzunehmen“, führte Jung aus. Obendrein heiratete der preußische Prinz Wilhelm die Tochter des verhinderten Oberhaupts eines eigenständigen Schleswig-Holstein, Friedrich VIII.: So wurde die schleswig-holsteinische Prinzessin Auguste Viktoria aus dem Haus Augustenburg bald Kaiserin.

„Eine gute Fortsetzung des Vortrags von Professor Oliver Auge vom Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität“, urteilte Johannes Petersen von der Historischen Gesellschaft zufrieden. Der Kieler Professor hatte im November bereits detailliert über Schleswig-Holstein zwischen deutsch-dänischem Krieg 1864 und der sich anbahnenden Gründung der preußischen Provinz 1866/67 referiert.

> Alle 27 Folgen der sh:z-Journalserie „Als Schleswig-Holstein preußisch wurde“ gibt es als digitales Buch im Internet : www.shz.de/shpreussisch

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