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150 Jahre Flensburger Tageblatt : Als Glücksburg ein Seebad wurde

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Strandhotel wurde 1875 eingeweiht und fiel 1912 einem Großbrand zum Opfer. Siegmund Satz war Glücksburgs bedeutendster Hotelier.

Glücksburg | Die Gründung des Ostseebades 1872 ist ein Beispiel für erfolgreiche, vorbildliche und rasant aufsteigende private Unternehmen, die in den „Gründerjahren“ entstanden. 1875 krönte die Ostseebad-Aktiengesellschaft ihre Kur- und Badeanlagen mit dem ersten „Strandhotel“.

Anfang des Jahres 1872 brachten 80 Aktionäre aus Flensburg und Glücksburg ein Kapital von 4000 Talern zusammen. Damit wurde in nur wenigen Monaten ein „Curhaus“ am Strand von Sandwig erbaut und am 30. Juni eröffnet: Sechs Gästezimmer, Badestube, Restauration zu jeder Tageszeit, Festzelt für 500 Personen, Konzerte zweimal wöchentlich, stündlich Dampferfahrten zu verschiedenen Fördestationen. Allsonntäglich erlebte die Wirtschaft schiffsladungsweise Anstürme auf die Plätze im Kaffeegarten.

Nach Ende der ersten Saison zählte die Ostseebad AG 400 Hotelgäste, 1875 waren es bereits 1100. Dieser Erfolg brachte den Aktionären kontinuierlich 4 Prozent Dividende und führte 1873 zu weiteren Investitionen: 30 Badehäuschen, ein Warm-Badehaus und an das kleine „Curhaus“ angebaut ein großes Hotel. Die Badehäuschen standen in zwei Gruppen, für Damen und Herren getrennt, zu beiden Seiten der Dampferbrücke, mit einem Steg zum Strand. Jedes Häuschen war über Tür und Treppe mit einer zum Wasser weit heruntergezogenen Markise so abgeschirmt, dass dem „Anstand“ jener Zeit zur Genüge auch nicht die geringste Blöße der Badenden von der Promenade aus zu erblicken sei. Bei so viel „Genierlichkeit“ kann das „Baden“ in der Förde nicht mehr als ein zaghaftes Geplansche gewesen sein.

Im Ostseebad-Aufsichtsrat saß Ludolph Maaß (1831-1892), Herausgeber der Flensburger Nachrichten. Er ließ sich dazu bewegen, als Beilage seiner Tageszeitung ab 6. Juli 1873 eine „Glücksburger Badezeitung“ herauszugeben, die jeden Sonntag von Juli bis September erschien. Neben informativen und unterhaltenden Beiträgen enthielt die „Zeitung“ ein Gästeverzeichnis, aus dem die Leser ersehen konnten, wer von woher wann in Glücksburg angekommen war, in welchem Hotel mit wieviel Personen Quartier bezogen hatten und wann sie wieder abgereist waren. Auch heute eine hochinteressante Lektüre und ein Beleg dafür, dass im jungen Seebad Glücksburg ein internationales Publikum zu Gast war.

An das „Curhaus“ wurde 1873 der erste Gebäudeteil des zweistöckigen „Strandhotels“ errichtet. Nach dem Bau des zweiten Abschnitts konnte das vollständige Hotel am 18. Juni 1875 eingeweiht werden, das jetzt über 70 Zimmer, einen großen Saal und Salons verfügte – und als erstes Haus in Glücksburg Telefon erhielt. Neben dem von ihm gepachteten „Strandhotel“ erbaute Hotelier Satz 1882 als Dependance sein eigenes Hotel „Logirhaus Satz“. 1912 endete die Pachtung des „Strandhotels“ für ihn zwangsläufig durch den Brand vom 20. August. Im Jahr 1920 verkaufte der 77-jährige Satz sein „Logirhaus“ an die Kurhausgesellschaft, das 1937 in den Besitz der Stadt überging. Es wurde bis 1972 unter dem Namen „Kurhotel“ weitergeführt, dann abgebrochen. Viele neue Gäste gewann Glücksburg ab 1974 durch das „Intermar“, das 5. Hotel am Strand von Sandwig.

Er war „von israelitischen Eltern“ als Isaak Salomon Satz in Lemberg in der Ukraine, damals österreichisches Galizien, geboren worden. In den ersten Berufsjahren arbeitete er in Hotels in Budapest, Wien, Berlin und Hamburg. 1869 kam er nach Flensburg, um als Mitinhaber des Ballhauses „Colosseum“ selbstständig zu sein. 1872 pachtete der 29-Jährige das „Curhaus“ in Sandwig. Auf seinen ersten Gastgeber gründete sich der gute Ruf, den Glücksburg nach kurzer Zeit unter den Seebädern an Schleswig-Holsteins Ostküste auszeichnete. Als Patron des „Strandhotels“ war er der Repräsentant des Bades, Arrangeur des gesellschaftlichen Programms, „Maitre“ unter den Gastronomen. Die gerühmte Küche des Hotels war dem Können von Mathilde Satz (1854-1923) zuzuschreiben. Ihre Leistung als Wirtschafterin des Hauses muss insbesondere deshalb anerkannt werden, weil sie dabei in 17 Jahren elf Kinder geboren und aufgezogen hat. Seiner Braut zuliebe hatte sich Salomon Satz vor der Trauung taufen lassen und in der Taufe zu St. Marien in Flensburg den Namen Siegmund erhalten.

Seine Verdienste wurden zur 50-Jahrfeier des Ostseebades 1922 mit der Ernennung zum Ehrenbürger gewürdigt. Unter den sechs Ehrenbürgern der Stadt ist er der einzige, der die Würde nicht durch Verdienste in einem politischen Amt, sondern als ein für Glücksburg erfolgreicher Hotelier erworben hatte. Für das junge Ostseebad und die Entwicklung seines Kurbetriebes über 40 Jahre war Satz ein Glücksfall.

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erstellt am 17.Feb.2015 | 16:30 Uhr

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