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Buchveröffentlichung in Flensburg : Als die FSG zwei Hapag-Dampfer versenkte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gert-Uwe Detlefsen recherchierte die folgenschwere Havarie eines Flensburger Docks auf der Elbe

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Das Flensburger Schifffahrtsmuseum hat einen neuen hoch qualifizierten Mitarbeiter. Er heißt Gert-Uwe Detlefsen und ist das personifizierte Lexikon der deutschen Schifffahrts- und Reedereigeschichte. Der 69-jährige Autor und Verleger zahlreicher maritimer Fachbücher hat seinen Verlag aufgelöst und stellt seine Kenntnisse und Verbindungen in die maritime Welt jetzt dem Museum zur Verfügung. Dessen Direktorin Susanne Grigull freut sich über den neuen ehrenamtlichen Mitarbeiter, der ein Projekt mit viel Lokalkolorit verfolgt: Die Geschichte der Flensburger Küstenmotorschiffe.

Zum Einstand in Flensburg hat der Bad Segeberger gleich ein neues Buch mitgebracht, das gerade erschienen ist und enge Flensburg-Bezüge enthält. „Schatzdampfer Vandalia“ ist die Geschichte einer Havarie auf der Oberelbe mit einem Flensburger Schwimmdock, zwei Hamburger Hapag-Dampfern und der Harms Bergungs-Reederei in den Hauptrollen. Der Seeunfall, der zwei Menschenleben forderte, ereignete sich vor 105 Jahren, am 27. September 1912. Seine Folgen brachten im Zuge drei Jahre währender gerichtlicher Auseinandersetzungen erst die Flensburger Schiffbau Gesellschaft und 65 Jahre später das traditionsreiche Hamburger Bergungsunternehmen Harms in finanzielle Nöte. Detlefsen hat akribisch die Umstände der Havarie und der Bergun, die wegen der Elbvertiefung erst 1977 in Angriff genommen wurde, aufgearbeitet und mit vielen Fotos illustriert.

Die auf der FSG gebaute Docksektion war die zweite Hälfte eines Auftrags der Hamburger Reiherstieg Schiffswerft. Die erste Sektion hatte sich mit ihrem Schleppzug schon am 22. September auf den Weg gemacht, am 27. September setzten sich die Dampfschlepper „Donau“ und „Schelde “ mit ihrer Fracht rund Skagen in Marsch. Zusammengesetzt würden beide Sektionen mit 156 Metern Länge und einer Breite von 40 Metern bei einer Tragfähigkeit von 20 000 Tonnen später das größte jemals von der FSG gebaute Dock bilden. Bevor in diesem Schwimmdock jedoch Schiffe entstanden, wurden damit zwei große Schiffe versenkt. Vor Krautsand auf der niedersächsischen Elbseite lief nämlich der Hapag-Dampfer Vandalia (Zielhafen Rio) spätabends gegen 23 Uhr in den Schleppverband hinein, riss sich am Dock die Backbordseite auf und sank. Wenig später fuhr mit der „Graecia“ (Ziel Westindien) ein zweiter Hapag-Dampfer auf das Wrack auf, wurde schwer beschädigt, konnte sich aber noch auf die Untiefe der Rhinplatte retten. Schadensbilanz: 5,5 Millionen Reichsmark und eine offene Versicherungsfrage, deren Klärung die auf Schadensersatz klagende Großreederei durch alle Instanzen zog.

Die nur mit einem Aktienkapital von 3,5 Millionen Reichsmark ausgestattete FSG ging durch bange Jahre – ehe die Schuldfrage zu ihren Gunsten geklärt war. Übrigens war dies in der motorisierten Schifffahrt die erste Kollision zwischen Schiff und Dock, und die Rechtsfrage, ob ein Dock versicherungsrechtlich eine Ladung oder ein Schiff darstellt, war zuvor auch noch nie behandelt worden.

Auf der Kippe stand 65 Jahre später auch das Traditionsunternehmen Harms Bergung. Die Hamburger hatten 1977 die komplette Bergung der Vandalia einschließlich Ladung zum Pauschalpreis abgeschlossen und sich damit total überhoben. Auch dieses Kapitel hat Detlefsen sehr detailliert ausgebreitet, wobei nicht nur die technischen und wirtschaftlichen Probleme von Harms im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die wunderbaren Schätze, die 65 Jahre nach dem Unglück teils unversehrt ans Tageslicht kamen, um später wieder achtlos weggeworfen zu werden. Jugendstil Lampen und Deko-Artikel, Lampen, Büsten, Reste zweier Mercedes-Limousinen, Geschirr und viele Kostbarkeiten mehr. Vieles verschwand auch beim „Geiern“ der Bergungsarbeiter, vieles landete im Wrackmuseum Cuxhaven.

Susanne Grigull ist froh ihren professionellen Ehrenamtler. „Die Flensburger Kümo-Geschichte wird bestimmt eine ganz spannende Sache“, freut sie sich. Und ein Buch. Detlefsen hat schon mit den Recherchen begonnen.


Gert-Uwe Detlefsen, Uwe Baltes, „Schatzdampfer Vandalia, Untergang, Prozess und Räumung. Oceanum-Verlag ISBN 978-3-86927-422-5

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