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150 Jahre Flensburger Tageblatt : Als der Ketten-Kfz-Betrieb startete

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf dem alten Werftgelände beginnt 1963 die Fahrzeugbau-Gesellschaft. Nach der GmbH-Gründung werden 1981 drei Millionen DM investiert.

Flensburg | Es ist eine Firma ohne richtigen Geburtstag, oder mit mehreren. Die eigentliche Geburtsstunde der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft (FFG) liegt irgendwo im Jahr 1963. Anfang der 60er Jahre suchte die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) eine Alternative für die Schnellboot-Instandsetzung – und wurde bei Ketten-Kraftfahrzeugen fündig. „Die Bundeswehr überlegte, hier etwas zu machen“, erzählt FFG-Chef Norbert Erichsen: „Wir haben 1963 Unterlagen gefunden von ersten Kfz-Helfern.“ Hilfreich war dabei wohl, dass der Bundesverteidigungsminister ein Glücksburger war – der spätere Ministerpräsident Kai-Uwe von Hassel.

Doch da die FFG als Betriebsstätte auf dem Gelände der alten Werft startete, gibt es keine gesicherte Geburtsstunde: „Eigentlich sind wir 52 Jahre alt, es ist aber nicht ganz genau definiert“, sagt Erichsen. Wenn Kunden aus den Emiraten oder Kanada kommen, verweise man gerne auf die bis zur Werft-Gründung 1872 zurückreichende Geschichte. Ob schwere Kettenfahrzeuge oder geschützte militärische Unterstützungsfahrzeuge – gefertigt und instan gesetzt wird bis heute auf dem historischen teilweise denkmalgeschützten Schiffbau-Areal aus dem 19. Jahrhundert. Die Schiffbauer zogen sich dagegen nach und nach von dem Gelände zurück. Noch bis in die 80er Jahre war die alte Werft Standort der FSG-Verwaltung für die wenige hundert Meter entfernte neue Werft an der Batteriestraße. Die letzten Teile der Fertigung zogen Anfang der 60er Jahre Richtung Ostseebad.

Die Feier zum 50. Geburtstag der FFG, die Norbert Erichsen und seine 550 Beschäftigte an den beiden Flensburger Standorten Werftstraße und Mads-Clausen-Straße (früher Danfoss Compressors) vor zwei Jahren versäumten, könnten sie nach Lage der Dinge im Jahr 2030 noch einmal nachholen. Als rechtlich eigenständige GmbH entstand die FFG nämlich erst im Jahr 1980, als die Schiffbau-Gesellschaft sich neu sortierte. Im Folgejahr 1981 wurde sogleich groß investiert – drei Millionen DM, wie auf der Hauptversammlung der damaligen FSG AG berichtet wurde.

„FSG will Ketten-Kfz-Betrieb abtrennen“, titelte das Tageblatt erstmals im April 1980. „FSG-Vorstand Dr. Hans-Georg Böhmer übermittelte uns eine Kurzfassung der vom Betriebsratsvorsitzenden verlesenen Erklärung mit folgendem Wortlaut: ’Der Vorstand hat Anfang dieses Jahres in Flensburg eine neue Gesellschaft mit einem Stammkapital von 1,5 Mio. DM gegründet. Diese neue Gesellschaft heißt Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG).’ Es sei beabsichtigt, den Ketten-Kfz-Betrieb sowie das bundeseigene und firmeneigene Lager und die Arbeitsvorbereitung Ketten-Kfz-Betrieb auf die neue Gesellschaft zu übertragen.

FFG-Chef Norbert Erichsen ist selbst einer, der vom Schiffbauer zum Fahrzeugbauer wurde. 1985 fing der Diplom-Betriebswirt bei der Werft an. Als die FFG ein gutes Jahr später von der bayrischen Diehl-Gruppe übernommen wurde, war Erichsen der jüngste Prokurist im Konzern. 1993 wurde er Geschäftsführer, seit das Unternehmen 2002 selbstständig wurde, ist Erichsen der starke Mann in der FFG.

Erichsen empfängt in jenem Hauptgebäude seine Gäste, aus dem ab 1874 genau 110 Jahre lang die Geschicke der Werft gelenkt wurden. Bis 1984 war hier die komplette Verwaltung der Werft untergebracht. Die älteste FFG-Produktionshalle an der Werftstraße ist von 1873.

Zu Werftzeiten muss es ohnehin an der Werftstraße sehr viel enger gewesen sein. Im Obergeschoss des Hauptgebäudes, wo außen heute noch der Schriftzug „FSG gegr. 1872“ prangt, arbeiten heute gerade mal 15 der 550 FFG-Beschäftigten. Einst hätten hier glatt 100 Konstrukteure Schiffe entworfen. Im großen Besprechungsraum sind heute noch die deren Bauzeichnungen zu sehen – von Neubau Nr. 88 zum Beispiel, aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als Handelsschiffe auch noch zusätzlich Segel hatten. Als die FSG-Verwaltung hier in den 80er Jahren auszog, habe man die Zeichnungen aus dem Archiv gerettet, berichtet Norbert Erichsen.

Damals wie heute – die Fahrzeugbau-Gesellschaft ist nicht das einzige Unternehmen auf dem Gelände der Alten Werft. Die Fahrzeugwerke Nord (FWN) waren von Anfang an, seit Sommer 1967, eine eigenständige GmbH – und ein Joint Venture mit MAN. Wegen der Ersatzteile war der Partner in dem Unternehmen, das heute mehrheitlich zu Rheinmetall gehört, schon in den 60er Jahren überlebenswichtig.

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erstellt am 22.Okt.2015 | 14:30 Uhr

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