Flensburger Förde : Als der Hafen historisch wurde

Das Bohlwerk: Hier ist auch der Heimathafen des Abenteurers Arved Fuchs und seine „Dagmar Aaen“.
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Das Bohlwerk: Hier ist auch der Heimathafen des Abenteurers Arved Fuchs und seine „Dagmar Aaen“.

Wie die Flensburger Schiffbrücke nach und nach die größte Ansammlung von Museumsschiffen in Europa bekam

shz.de von
27. Juli 2018, 06:37 Uhr

Mit Blick auf das Förde-Westufer ist ein bedeutender Teil nicht zu übersehen: der Historische Hafen. Neben einer großen Sammlung traditioneller Schiffe sind die umliegenden Anlagen gewachsen – nach eigenen Angaben zum größten historischen Hafen Europas. Ein Grund mehr, zum Start unserer maritimen Sommerserie zum Historischen Hafen einen Blick seine Geschichte zu werfen.

„Wir kümmern uns um den Erhalt des Historischen Hafens“, erzählt Frank Petry. Seitdem er 2003 Flensburgs Hafenkapitän wurde, hat sich hier viel verändert: früher noch ein beschaulicher Hafen – heute Besuchermagnet. Einen großen Anteil daran hat die gemeinnützige „Historischer Hafen Flensburg GmbH“. Mitbegründer war 2008 Frank Petry – und ist seitdem Geschäftsführer.

Noch vor seiner aktiven Zeit in Flensburg entstanden in dem heutigen Bereich die ersten Anlagen – etwa der markante Museumshafen. 1979 gegründet, sanierte der Verein des Museumshafens das sogenannte „Bohlwerk“, ein damals unscheinbarer Hafenkai. Nach und nach machten Segelschiffe an den neuen Pollern fest, ein Holzsteg wurde gefertigt – an selber Stelle verkauft Ben inzwischen seine Fischbrötchen.

Zwei weitere Ereignisse legten den Grundstein für den Historischen Hafen: Gegenüber dem Museumshafen entstand 1984 in einem alten Zollpackhaus das Schifffahrtsmuseum. Zusätzlich konnte 1980 mit Gründung des Fördervereins für den Salondampfer „Alexandra“ ein Abwracken noch abgewendet werden – heute ist sie das Aushängeschild des Hafens.

Das Ziel war klar: „Mehr Menschen sollten auf Flensburg und seinen Hafen aufmerksam werden“, schildert Petry. Den ersten Schritt machte der Verein des Musemshafens im Jahr 1980: Der Startschuss für Nordeuropas größten Gaffelsegler-Treff war gefallen – die Rum-Regatta. Seitdem versammeln sich jedes Jahr mehr als hundert Segelschiffe und tausende Segelbegeisterte in der Fördestadt. Seit 1993 wird in Flensburg außerdem alle zwei Jahre das „Dampf Rundum“ veranstaltet – das größte Dampfertreffen Europas.

Doch waren die Events vorüber, verließen die Besucher Flensburg wieder – zu wenig wurde geboten. Erste Konzepte für einen historischen Hafen, wie er heute steht, gab es bereits Mitte der 80er – die Umsetzung verlief jedoch sehr schleppend: „Erst nach der Jahrtausendwende kam der Hafen so langsam in Fahrt“, sagt Petry.

Eine Infrastruktur, bestehend aus alten Schiffen und neuen Anlagen, sollte den Hafen beleben. 2007 kam der Stein endlich ins Rollen: Der Klassikerhafen, eine Dampferbrücke und drei Pavillons wurden errichtet – gefördert von der Stadt, dem Land und der EU. Zur Erhaltung der Schiffe und des Hafens hatten sich damals zahlreiche Vereine angesiedelt. Den Überblick behält die 2008 gegründete „Historischer Hafen GmbH“.

„Wir konnten den Hafen aber nicht ewig nur ehrenamtlich betreiben“, sagt Petry. Das Stichwort lautete: Professionalisierung. 2012 konnten durch Zuschüsse der Stadt und EU ein Büro mit Arbeitskräften eingerichtet werden – die sich seitdem um alle Anliegen am Hafen kümmern.

Zwischen der Jollensammlung und dem Anleger der klassischen Yachten haben heute rund 55 traditionelle Schiffe ihre Leinen fest gemacht und sorgen regelmäßig für große Augen bei den Touristen. Wirtschaftlich steht der Historische Hafen seit 2015 auf eigenen Beinen, etwa durch die Hafengebühren oder maritimen Großveranstaltungen.

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