zur Navigation springen

Projekt am Fördegymnasium : Als der Erste Weltkrieg nach Flensburg kam

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der 12. Jahrgang des Fördegymnasiums hat monatelang recherchiert. Die Präsentation der Ergebnisse ist heute Abend bei der Buchhandlung Hugendubel.

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2015 | 13:36 Uhr

Flensburg | Der Erste Weltkrieg wütet in Europa. Vor fast genau 100 Jahren, am 23. Februar 1915, schreibt der junge Soldat Morten von der Front an seine Eltern in der dänischen Heimat: „Wir sitzen hier alle zusammen und reden darüber, wann der Krieg wohl vorbei sein wird, wann wir nach Hause können und welches arme Schwein bei dem Regen in den Schützengraben muss.“ Es hat Fred getroffen. Fred ist Deutscher – Deutsche und Dänen kämpfen Seite an Seite in einer Kompanie gegen die Franzosen. Und die, schreibt Morten, „werfen in regelmäßigen Abständen Bomben über unserem Gebiet ab .  .  . Ich vermisse euch alle sehr.“

Der Brief ist Ergebnis einer Recherche einer 12. Klasse des Fördegymnasiums. Er wird im Rahmen eines Themenabends bei der Buchhandlung Hugendubel (siehe Infobox) in voller Länge verlesen. Die Schüler haben sich seit Monaten intensiv mit der Zeit zwischen 1914 und 1918 auseinander gesetzt. So lange, dass das Projekt im letzten Jahr, da der Krieg sich zum 100. Mal jährte, nicht mehr realisiert werden konnte. „Dafür wird unser Vortrag über eine Stunde dauern“, stimmt Malte Hoffmann (17) schon mal auf einen langen Abend ein. Die Powerpoint-Präsentation ist angereichert durch Grafiken, Fotos und Filmauschnitte.

Das Geschichtsprojekt basiert auf weit über 100 Quellen und wird Themen wie Kriegsbegeisterung, Propaganda, Spielzeug, Erkrankungen streifen – und auch die dänische Minderheit steht im Fokus. Inspiriert wurde die Klasse durch eine Ausstellung im Deutschen Museum Berlin. „Wir haben anschließend versucht“, so Hans Christian Rundfeldt, „den Flensburg-Bezug herauszuarbeiten. So wurden unsere Nachforschungen immer spezifischer.“

Zum Beispiel durch viele Besuche des Stadtarchivs, deren Leiter Broder Schwensen den Schülern eine wertvolle Hilfe war. Vor allem dann, wenn es darum ging, Internet-Recherche kritisch zu hinterfragen. „Wir haben uns inspirieren lassen, haben dort unendlich viele, alte Zeitungen gewälzt“, sagt der 16-Jährige. Selbst auf alte Kochrezepte stießen sie, die ein Licht darauf werfen, wie man sich in Zeiten des Mangels und schwerer Entbehrungen über Wasser hielt. Joshua Reichardt weiß jetzt, „wie man mit dem Wenigsten an Zutaten noch mehr oder minder genussvolle Gerichte zubereiten kann“.

Ein Schwerpunkt des Projekts ist naheliegend – das Thema Schule. Die Referenten wollen dies anhand des Lebenslaufs von Jens Nicolaisen Möller illustrieren, der von 1910 bis 1914 die Goethe-Schule besuchte – bis kurz nach Kriegsbeginn. Am 9. August meldete er sich freiwillig zum Dienst an der Waffe, zusammen mit der gesamten Klasse. Trotz hoher Schulbildung hatten die meisten offenbar keine Vorstellung vom durch den Krieg hervorgerufenen Leid und Schmerz. „Die Lehrer haben sie alle überredet, haben geschwärmt davon, dass es eine tolle Sache sei, für das Vaterland in den Krieg zu ziehen“, sagt Malte und fügt schmunzelnd hinzu: „Der Gehorsam war damals eben stärker ausgeprägt als heute.“

Jens Nicolaisen Möller dient schließlich im Füsilier-Regiment „Königin-Auguste-Viktoria 86“. Auch dort sind Flensburger mit dänischen Soldaten zusammengezogen worden. Im März 1915 weigert er sich, einen Angriff auf einen uneinnehmbar scheinenden Bunker zu führen – und landet fast vor dem Kriegsgericht. Er überlebt, kehrt mit Auszeichnungen zurück und beginnt ein Studium als Tierarzt. Ob auch Morten die Fronteinsätze lebend überstanden hat, ist nicht überliefert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen