Ballestieg Flensburg : Als Achter de Möhl vom Netz ging

Noch sind die Anwohner skeptisch: In anderthalb Wochen soll der Ballestieg frei sein.
Noch sind die Anwohner skeptisch: In anderthalb Wochen soll der Ballestieg frei sein.

Bauvorhaben Heinrichstraße 17 und 17a: Fast zwei Jahre nach Baubeginn ist der Ballestieg immer noch geschlossen

shz.de von
22. Januar 2018, 09:00 Uhr

Vieles spricht dafür, dass die Fußwege vieler Anwohner am unteren Sandberg spätestens Anfang Februar wieder kürzer werden. Dann nämlich versprechen die Bauherren des Doppelneubaus Heinrichstraße 17 und 17a auf der Fläche des früheren Möbelhauses neben dem Restaurant „Kontraste“, den Fußweg nach fast zwei Jahren der Sperrung wieder freizugeben. „Die Sperrung des Ballestiegs für zwei Jahre ist eine Katastrophe“, schimpft Frank Hamann, Anwohner des Viertels und Bürgerschaftliches Mitglied der Linksfraktion im Planungsausschuss. Es handele sich bei dem nach Rum-Unternehmer Ole Christian Balle benannten Weg nicht nur um eine für den Stadtteil wichtige, fußläufige Verbindung zwischen dem Viertel „Achter de Möhl“ und den Geschäften der Angelburger Straße. „In Achter de Möhl leben viele Rentner, Personen mit Einschränkungen und Gehbehinderte. Sie alle wurden für zwei Jahre praktisch von einem direkten Zugang zur Angelburger Straße und den Einkaufsmöglichkeiten abgeschnitten“, klagt Hamann. Was ihn bis heute aufrege: „Im Vorfeld wurde niemand eingeweiht.“ Auch er als Mitglied der Interessengemeinschaft (IG) Altstadt Süd sowie des Planungsausschusses der Ratsversammlung sei nicht informiert gewesen.

Als der Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan zum Gelände des ehemaligen Möbelhauses hinter dem „Kontraste“ gefasst wurde, sei nicht erwähnt worden, dass es sich hierbei um eine sogenannte Grenzbebauung handelt und damit der Ballestieg für die Dauer des Baus geschlossen wird. Dass es sich dabei um 28 Lifestyle-Wohnungen handelt, stimmt Hamann & Co nicht besser: Beim Aufstellungsbeschluss habe es noch geheißen, es sollen Wohnungen zur „Stütze der zweiten Säule des Wohnungsbaus“ in Flensburg entstehen! „Klingt doch erst mal gut, oder?“

Nach Angaben von Stadtsprecher Clemens Teschendorf ist die aktuelle Verlängerung der Sperrung der Wegeverbindung bereits die dritte. Der Ballestieg sei seit Mai 2016 gesperrt, der urspüngliche Antrag sei wegen der ganz neu hergestellten Stützwand bis Ende 2016 gestellt worden. Danach wurde zweimal verlängert, zunächst bis Juni, dann bis zum Jahresende 2017. Die zwischenzeitliche Verlängerung bis Ende Januar soll die letzte sein: „Es wurde mit den Witterungsbedingungen“ des verregneten Jahres 2017 begründet, so Teschendorf.

„Der Hauptgrund der Sperrung ist hauptsächlich aus Sicherheitsgründen“, erklärt
Stephan Carstensen vom ausführenden Bauunternehmen Höft. Am Anfang der Baumaßnahme sei der ganze Bereich aufgrund des erforderlichen Verbaues (Spundwände, Berliner Verbau) nicht begehbar gewesen. Später sei im bzw. über den Gehwegbereich noch der Elektrohausanschluss eingebracht worden. Außerdem habe man die Baustelle nur von der Heinrichstraßenseite bedienen können und täglich mit großen Geräten wie Betonwagen, Betonpumpen oder Mobilkran blockieren müssen, so Carstensen.

Ob der Weg in anderthalb Wochen wirklich wieder frei ist? Ein Blick in den Ballestieg gestern Nachmittag (Foto oben) stimmt die Anwohner nicht sehr optimistisch.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen