Bildung in Flensburg : Allzeithoch für die Auguste

Die AVS wird sechszügig mit 154 Schülern.
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Die AVS wird sechszügig mit 154 Schülern.

So viele Fünftklässler wie nie wollen ans Gymnasium im Südergraben – „dramatische Entwicklung“ für Gemeinschaftsschulen

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13. März 2018, 05:37 Uhr

„Mehr Anmeldungen als Plätze! Das macht uns glücklich...“, heißt es auf der Homepage der Käte-Lassen-Schule. 92 Anmeldungen für Klasse fünf ab dem nächsten Schuljahr kommen auf 75 Plätze an der Gemeinschaftsschule auf Jürgensby. Leider müsse man manchen Schülern absagen, bedauert Schulleiter Peter Sellmer diesen Wermutstropfen. Das größte Plus der Schule sei die überschaubare Größe, das Pfund seien die persönlichen Kontakte.

Den größten Zulauf aller weiterführenden Schulen in Flensburg nach den vorläufigen Anmeldezahlen und ein „Allzeithoch“ erlebt die Auguste-Viktoria-Schule. Er sei ausgesprochen froh, könne aber vor einer genauen Analyse noch nicht richtig erklären, woran es liegt, sagt Schulleiter Markus Eckert. Der kommende Jahrgang sei ein besonderer, ein Übergangsjahrgang, der erst zu G9 werde. So werde man ihn auch gestalten. Er glaube, sagt Eckert, es sei eine gute Entscheidung gewesen, die Profilklassen aufzulösen. Profile würden insofern weitergeführt, als dass freitags in der fünften und sechsten Stunde ein Wahlfach eingeführt werde (Akrobatik, Segeln, Musical). Aktuell werde an einer Idee für ein neues Wahlfach getüftelt im Bereich Naturwissenschaft und Technik, kündigt der Schulleiter an.

„Die G-9-Frage könnte uns in die Karten gespielt haben“, mutmaßt Christoph Kindl und weiß, dass die „extremen Schwankungen“ in den Anmeldungen nicht immer sachlich begründbar sind. Das Alte Gymnasium ist das einzige, das noch Profilklassen hat. Die Schule erwartet zum nächsten Schuljahr 122 Fünftklässler, wobei sich durch das Daz-Angebot die Zahlen eher leicht nach oben bewegen könnten, sagt Schulleiter Kindl.

Das Fördegymnasium – 103 Anmeldungen – habe sein Alleinstellungsmerkmal G 9 verloren, sagt Frithjof Höhnke und spricht von einer erwartungsgemäßen Entwicklung. Der nächste Jahrgang werde vierzügig mit guten Klassenstärken. Lange Anfahrtswege aus dem Westen mit Umsteigen am Zob und weniger Schüler im Osten des Kreisgebiets sowie die anstehende Sanierung, die in einem „überschaubaren Zeitraum“ vonstatten gehe, könnten Gründe sein für weniger Anmeldungen.

Auch Arnd Reinke, Chef der Goethe-Schule, sieht einen „G-9-Effekt“. Sein Gymnasium zählt mit 114 „wirklich viele“ Anmeldungen. Die Resonanz zeichnete sich schon bei den Infoveranstaltungen ab. Reinke plädiert dafür, von den jährlichen Schwankungen weder „enttäuscht“ zu sein noch „überzuschnappen“. Die gute Arbeit zähle.

Besorgte Töne schlägt Fabian Halbe an, der die Fridtjof-Nansen-Schule leitet, eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Mit 100 Kindern auf 98 Plätze sei er zufrieden, jedoch bezeichnet er die Entwicklung für manche Gemeinschaftsschulen als „dramatisch“. Halbe sieht ein „gesellschaftliches Problem“, weil vor allem Gemeinschaftsschulen Inklusion leisten, etwa in Daz-Zentren mit anspruchsvoller Klientel. Wenn ausgerechnet diesen Schulen die Anmeldezahlen wegbrechen und deshalb weniger Personal kommt, wirke sich das dramatisch auf die pädagogische Arbeit aus. Denn die lebe von einer heterogenen Schülerschaft, sagt Fabian Halbe. Man müsse aufpassen, dass Gemeinschaftsschulen nicht zu „Resteschulen“ verkommen und sie stattdessen besser personell und finanziell ausstatten.

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