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Hilfe im Advent : Alltag leben zwischen Bootstour und Chemo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst begleitet trauernde Familien auf verschiedene Weise.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 18:36 Uhr

Flensburg | Die Hilfe im Advent ist dieses Jahr Hilfsaktion für Kinder und Familien. Der Verein Schutzengel, der Kinderschutzbund, der Kinderhospizdienst beim Katharinen-Hospiz am Park und der Bürgerfonds „Flensburg hilft“ von Diakonischem Werk, Stadt und Tageblatt haben sich zum zweiten Mal zusammengetan, um die Adventshilfe Kindern und Familien in Notlagen in Flensburg und Umgebung zukommen zu lassen.

Bernd Clausen* erfährt bei einer Routineuntersuchung, dass das MRT Unregelmäßigkeiten aufweist. Weitere Untersuchung zeigen, dass eine palliative Chemotherapie notwendig ist. Er und seine Familie kennen das schon, seit er an Krebs erkrankt ist. Doch ist es jedes Mal anders. Und dieses Mal wird klar, seine Zeit ist begrenzt, er wird bald sterben. Der elfjährige Max bekommt wieder Übelkeit, Bauchschmerzen, Schlafstörungen, obwohl organisch alles gesund ist. Die jüngere Tochter Paula hängt sich sehr an ihre Mutter, braucht jemanden, der Zeit hat. Die Mutter versucht den Spagat, versucht, allen gerecht zu werden – und leidet selbst.

Die Familie wird seit längerer Zeit vom Katharinen-Hospiz am Park, insbesondere durch den Kinder- und Jugendhospizdienst begleitet und unterstützt, jeder einzelne und alle zusammen als Familie. Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst umfasst die Beratung, Unterstützung und Begleitung von Familien, die sich mit Krankheit, Sterben, Tod und Trauer auseinandersetzen. Das Team besteht aus vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Begleitung, das heißt auch Mitgehen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Renate zum Beispiel geht seit Wochen mit der 16-jährigen Mandy* spazieren – und den beiden Hunden. Mandys Mutter ist schwerst erkrankt. Mal schreiten sie schnellen Schrittes voran, mal gehen sie langsam und warten auf die Hunde, genießen die Natur und die Sonne, schweigen oder reden über Gott und die Welt, die Familie, die Schule, Musik, Pläne, Ängste, kurzum: über das Leben.

Begleitung funktioniert auch umgekehrt, bei Familien mit einem erkrankten Kind – wie bei Tom und dessen Mutter. Er ist drei und wurde mit dem Down Syndrom geboren. Vor ungefähr einem Jahr wurde bei dem Jungen auch Leukämie diagnostiziert. Die vielen und langen Behandlungen in Kiel waren belastend. Toms Mutter versorgt und umsorgt den Jungen inzwischen allein zu Hause. Unterstützt wird sie, vor allem in den Nächten, von einem ständig anwesenden Pflegedienst. Und von Annegret. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendhospizdienstes besucht den Dreijährigen einmal in der Woche. Dann hat seine Mutter Zeit, notwendige Dinge zu erledigen. Annegret und Tom spielen dann gemeinsam. Bei jedem Besuch lernt sie hinzu, sagt sie, etwa welche Bedeutung seine jeweilige Mimik, seine Handzeichen, seine Körpersprache haben. „Besonders mag er es, wenn wir Kinderlieder mit entsprechender Handlung begleiten“, beobachtet Annegret und hat großen Respekt vor der Leistung seiner Mutter. Denn trotz allem sei auch Hoffnung und Freude auf die Zeit, in der ihr kleiner Sohn künftig wieder Kontakt zu anderen Kindern haben darf und beide einen normalen Alltag leben können, sei zu spüren.

Traurigkeit, Wut und Enttäuschung, ob leise weinend oder laut, aktiv oder sich zurückziehend – das empfinden trauernde Kinder, die Mutter oder Vater, Schwester oder Bruder, Oma oder Opa verloren haben. Auch sie lässt der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst nicht mit den Gefühlen allein. Alle zwei Wochen kommen Kinder zwischen sechs und zehn Jahren in der Kindertrauergruppe zusammen. Dort spielen Rituale und Kreativeinheiten eine wichtige Rolle. Und schöne Erlebnisse teilen die Kinder miteinander, so wie die Bootstour vor einiger Zeit. An Kindertagesstätten und Schulen schließlich richtet sich die Kindergarten- und Schularbeit des Kinder- und Jugendhospizdienstes.

*Name geändert

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