Hotelstandort Flensburg : Alles neu am Ballastkai

Neuer Ballastkai: Markus Grimm (DLG), Torsten Koch (Bauplan Nord), Clemens Teschendorf und Simon Faber (Stadt Flensburg, v. l.).
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Neuer Ballastkai: Markus Grimm (DLG), Torsten Koch (Bauplan Nord), Clemens Teschendorf und Simon Faber (Stadt Flensburg, v. l.).

Die Stadt plant den Abriss der Silos und die Bebauung der Flächen. Das spaltet die WiF-Fraktion.

shz.de von
09. Juli 2014, 12:52 Uhr

Am Ballastkai will die Stadt ihren Hafen neu erfinden. Was vor 15 Jahren mit dem Werftkontor begann, soll hier schon 2016 fortgesetzt werden: Die Silos werden abgerissen, stattdessen möchte Oberbürgermeister Simon Faber auf dem 2,8 Hektar großen Grundstück das Endlos-Thema Tagungshotel ein für allemal beenden. Hier soll es hin. Doch Platz ist hier nicht nur für ein großes Sternehotel, sondern auch für andere Nutzungen – zum Beispiel Wohnen.

Doch bis hier der erste Grundstein gelegt wird, wird noch etwas Zeit vergehen. Denn die Stadt möchte alte Fehler nicht wiederholen, sondern Bürger und Politik von Beginn an stark in die Planung einbeziehen. Dies soll schon bei der Ausgestaltung des städtebaulichen Wettbewerbs geschehen, der noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden könnte.

Der Anlass für das Projekt ist ein unerfreulicher: Das dänische Unternehmen DLG, das die Silos betreibt, hat keine Verwendung mehr dafür. 2012 habe man beschlossen, die Mischfutterproduktion in Flensburg aufzugeben, sagte gestern Markus Grimm von der DLG. Doch auch das Ende 2013 begonnene Umschlaggeschäft habe sich nicht gerechnet. Heute sind noch ganze drei Mitarbeiter am Ballastkai beschäftigt, vor ein paar Jahren waren es immerhin noch 21. Zum Jahreswechsel habe man deshalb angefangen, über eine alternative Nutzung nachzudenken. DLG hat das Gelände bis 2034 gepachtet, das den Stadtwerken Flensburg gehört.

DLG hat sich an das Unternehmen Bauplan Nord gewandt und es zum Projektträger gemacht. „Das ist nicht unbedingt eine wirklich einfache Aufgabe“, räumte Bauplan-Nord-Geschäftsführer Torsten Koch ein. Man werde den Weg einer offenen Projektentwicklung gehen. Keinesfalls gebe es schon eine fertige Planung für was auch immer. Koch berichtete von „offenen Gesprächen mit der Rathaus-Spitze und Vertretern der Fraktionen“, die gestern bei der ersten öffentlichen Präsentation im Restaurant „Maeder’s“ ebenfalls dabei waren.

Und von den planungspolitischen Sprechern der Fraktionen kam auch überwiegend Zustimmung, sogar zum Verfahren. Mit einer Ausnahme: Die WiF-Fraktion geht auf Konfrontationskurs und lehnt das Verfahren ab. Fraktionschefin Erika Vollmer sagte gegenüber dem Tageblatt, dass WiF-Ratsherr Ron Jeromin, Mitglied im Planungsausschuss, mit seiner grundsätzlich zustimmenden Haltung nicht die Meinung der Fraktion wiedergebe. Die WiF fordert einen Bürgerentscheid über die grundsätzliche Frage, was mit dem Grundstück der Silos geschehen soll. Die Stadt habe überhaupt keinen Zeitdruck, betonte sie mit Blick auf den bis 2034 laufenden Pachtvertrag. Allein DLG habe wirtschaftliche Interessen, dass am Ballastkai etwas geschieht.

Doch damit dürfte die WiF allein stehen. Die anderen Fraktionen wollen offenbar die Chance nutzen, am Hafen ein Stück neues Flensburg zu bauen. SPD-Mann Axel Kohrt sagte für seine Partei, dass man sich Wohnen dort vorstellen könne, FDP-Vertreter Kay Richert vertrat die gegensätzliche Meinung. Doch es wurde deutlich, dass es ohne Wohnnutzung vermutlich nicht gehen wird. Die Rede ist von 50 000 Quadratmetern – von Koch nicht bestätigt. Zum Vergleich: Die fünf Werftkontor-Häuser verfügen über rund 10 000 Quadratmeter.

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