Alles grün

neu_holgero_9078

shz.de von
31. August 2018, 11:50 Uhr

Also, Flensburger Förde! Da ist jetzt ja wohl mal ein dickes Dankeschön fällig. Der Flensburger Rat hat sich gegen den grünen Umweltminister Robert Habeck gestellt, der partout nicht von der industriellen Wildmuschelfischerei ablassen wollte. Wo doch alles, was seiner grünen Basis hoch und heilig ist, gefleht hat: Robert, lass es!  Der Nabu, der Naturschutzbeirat, die Uni, ein prominenter Biologieprofessor, Sportverbände, die Fischer, sie alle sagten: weil das sauerstoffreichere Wasser der offenen Ostsee es bei der Schwiegermutter nicht richtig um die Ecke schafft, ist in der Innenförde immer dicke Luft. Und Robert! NUUUUR heile Muschelbänke können das trübe Fördewasser aufklaren und NIIIIICHT der Muschelkutter Irene mit seinem schweren Fanggeschirr.

Es spricht für Flensburg, dass diese Erkenntnis hier und nicht in Kiel gereift ist. Und zwar dergestalt, das praktisch alle Fraktionen über Nacht so grün wurden, dass Habeck über Nacht vom Kieler Umweltministerium in die Berliner Parteizentrale wechseln musste, sonst hätte ihn womöglich noch die Flensburger Oberbürgermeisterin im Neopren-Kampfanzug der Sea Shepherds persönlich aufgesucht und ihm einen mies gelaunten Taschenkrebs unters offene Oberhemd appliziert. Kann man bei der Frau nie wissen, sie ist ziemlich unternehmungslustig. Es ist für eine atemlose Förde immer gut, wenn rings um sie rum Freunde der Förde am Werke sind. Da wäre es nett, wenn sich die Förde angesichts der tollen Sozialprognose zusätzlich zu den scheuen Schweinswalen mit ein paar mondänen Delfinen oder majestätischen Pottwalen revanchieren könnte, die bringen touristisch auch immer Rendite und stören keine Miesmuschel.

Nena kommt. Na und? Mag da manch einer denken, doch wer in diesen Tagen mit offenen Augen über den Ballastkai fährt, kommt ins Grübeln. War das nicht mal diese Debatte um Zwei- und Vierspurigkeit? Hatten da nicht Leute Chaos für den Fall vorhergesagt, dass man in jeder Richtung künftig nur eine Fahrspur zur Verfügung hat? Ja. Diese leidenschaftliche Debatte um die Metropolenwirkung von vier frisch asphaltierten Fahrspuren hat es wirklich gegeben. Das war nicht nur geträumt, da hatte manch einer 99 Luftballons im Bauch angesichts der Vorstellung von Autos in vier Spuren, abends auf dem Fördehighway. Man sieht, wer sich durchgesetzt hat. Zweispurigkeit funktioniert bei jeder Verkehrslage, aber Gott sei dank hat jemand links und rechts zwei Spuren gebaut, die man jetzt prima als Parkplätze für ein Nena-Konzert absperren kann. Muss jemand Prophetisches geahnt haben. Irgendwo, irgendwie, irgendwann. . .

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